Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 126 f.

Bamum, Volk und Stadt in Kamerun,

1. Das Volk der B. ist ein Sudanstamm, der im Westen des Hochlandes von Südadamaua, und zwar auf dem Nunplateau, zwischen dem Nun und Mbam sitzt. Ein Zug von isolierten Vulkanen zieht sich hier von Norden nach Süden am linken Ufer des Nun entlang und dieser wird nach den auf ihm wohnenden B. der Bamumzug des Bamumplateaus genannt. Letzteres hat im Norden etwa eine Höhe von 1100 m, im Süden von ungefähr 700 m, und senkt sich nach Osten zum 600 m hohen Mbamtal. Die Vulkangruppe setzt sich aus folgenden Vulkanen zusammen: das Mbamgebirge (2500 m) ist in Nordwesten durch eine Senke vom Kumbohochland getrennt, weiter südlich der Nkogam, noch weiter endlich der Batpit, dessen höchster Gipfel einen Kratersee enthält. Die Vegetation des Bamumlandes besteht zur Hauptsache in Grasland und auf den höchsten Bergen wohl etwas Wald. - Die B. sind ein kräftiger Volksschlag, der durch die Fruchtbarkeit seines Gebietes und durch die günstige Lage sich ein mächtiges Reich erworben hat. Gegen die Einfälle der Fulbe haben die B. sich erfolgreich halten können. Heute herrscht der junge Lamido Joja - Lamido als Titel wird hier schon gebraucht (s. Lamido) - über die B., ein begabter und den Weißen freundlich gesinnter Mann, der eine eigene Schrift erfunden und es aus eigenem Antriebe zum Kartenzeichnen gebracht hat. Die Volksdichte ist im B.zug, also in den höher gelegenen Gebieten außerordentlich dicht, während die Hochebene selbst nur sehr schwach bevölkert ist. Am meisten konzentriert sich die Bevölkerung um das Zentrum B. oder Fumban, den Sitz des Häuptlings und überhaupt die einzige große Siedelung des Stammes, eine Folge der steten Beunruhigung durch die Fulbe. Eine Auswahl aus dem stofflichen Kulturbesitz der B. ist auf der farbigen Tafel Kamerun und Tafel 86 wiedergegeben. Eine der aus dem ganzen südlichen Graslande bekannten, prachtvollen Tabakspfeifen zeigt Abb. 5 der farbigen Tafel Kamerun. Das hölzerne Rohr ist mit Perlen umsponnen; der Tonkopf trägt als Verzierung eine stilisierte Krabbe, ein im Leben jener Völker für Divinationszwecke gern verwandtes Tier. Ebenfalls mit Perlen besetzte Arbeiten sind der Thronsessel Abb. 8, aus der Hauptstadt Fumban selbst, und der Kopfaufsatz aus der westlich gelegenen Landschaft Bagam. Den Körper des Sessels bildet ein Elefant; den Kopfaufsatz krönt ein Chamäleon. Abb. 5 der Tafel 86 stellt ein Haumesser dar; die Abb. 10, 15, 20 und 21 dagegen sind Proben der in B. anscheinend alten Metallgießkunst. Das Material ist eine Art Bronze, zuweilen auch Messing; das Verfahren ist, genau wie im alten Benin, das der verlorenen Form. Während diese Technik in den älteren Erzeugnissen den Beninarbeiten mindestens gleichkommt (s. den Trinkhornknopf Abb. 10 und den Halsring 15 mit seinen zierlichen Tierköpfen), liefert das vom Herrscher Ujoja neuerdings beliebte Verfahren nur minderwertige, lediglich auf die Ausfuhr nach Europa berechnete Sachen.

2. Die Stadt B. oder Fumban liegt in der Mitte des Landes, am östlichen Fuß des Gebirges, in 1220 m Höhe. Sie ist stark befestigt; zwei Graben von 6 m Tiefe und 4 m Breite, sowie eine Umwallung mit Toren schützen sie gegen Angriffe. Doch liegen einige Vorstädte außerhalb der Umwallung. Das Häuptlingsgebäude steht am Ende des Marktes mit einer Front von 90 m. Die Einwohnerzahl wird auf etwa 18000 Seelen geschätzt. Diese Schätzung oder Zählung ist sehr schwierig, weil der große Markt von B. täglich von etwa 4000 Leuten besucht wird. Dieser Markt wird von Tag zu Tag wechselnd im Haussaviertel und auf dem Hauptplatz abgehalten. Dabei herrscht musterhafte Ordnung. Der Umsatz besteht in Vieh, Elfenbein, Pferden aus Ngaundere, Lebensmitteln, Eisenarbeiten und Baumwollstoffen. Nach B. war die Weiterführung der Manengubabahn geplant. Es führt über B. die große Südnordstraße von Duala über Dschang, B., Banjo nach Garua. - B. ist Sitz der Baseler Missionsgesellschaft und der Faktorei der Deutschen Kamerungesellschaft und der Gesellschaft Nordwest-Kamerun.

Literatur: Globus 1908, I u. II: Moissel u. Struck. - Hirtler, KolBl. 1903, 492.

Passarge-Rathjens.