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Bamum, Volk und Stadt in Kamerun,
1. Das Volk der B. ist ein Sudanstamm, der im Westen des Hochlandes von
Südadamaua, und zwar auf dem Nunplateau,
zwischen dem Nun und Mbam sitzt. Ein Zug von
isolierten Vulkanen zieht sich hier von Norden nach Süden am linken Ufer des Nun
entlang und dieser wird nach den auf ihm wohnenden B. der Bamumzug des
Bamumplateaus genannt. Letzteres hat im Norden etwa eine Höhe von 1100 m, im
Süden von ungefähr 700 m, und senkt sich nach Osten zum 600 m hohen Mbamtal. Die
Vulkangruppe setzt sich aus folgenden Vulkanen zusammen: das Mbamgebirge (2500 m) ist in Nordwesten durch
eine Senke vom Kumbohochland getrennt,
weiter südlich der Nkogam, noch weiter endlich
der Batpit, dessen höchster Gipfel einen
Kratersee enthält. Die Vegetation des
Bamumlandes besteht zur Hauptsache in Grasland
und auf den höchsten Bergen wohl etwas Wald. - Die
B. sind ein kräftiger Volksschlag, der durch die Fruchtbarkeit seines Gebietes
und durch die günstige Lage sich ein mächtiges Reich erworben hat. Gegen die
Einfälle der Fulbe haben die B. sich erfolgreich
halten können. Heute herrscht der junge Lamido Joja - Lamido als Titel
wird hier schon gebraucht (s. Lamido) - über die
B., ein begabter und den Weißen
freundlich gesinnter Mann, der eine eigene Schrift erfunden und es aus eigenem Antriebe zum
Kartenzeichnen gebracht hat. Die Volksdichte ist im B.zug, also in den höher
gelegenen Gebieten außerordentlich dicht, während die Hochebene selbst nur sehr
schwach bevölkert ist. Am meisten konzentriert sich die Bevölkerung um das
Zentrum B. oder Fumban, den Sitz des Häuptlings und überhaupt die einzige große
Siedelung des Stammes, eine Folge der steten Beunruhigung durch die Fulbe. Eine
Auswahl aus dem stofflichen Kulturbesitz der B. ist auf der farbigen Tafel Kamerun und Tafel 86 wiedergegeben. Eine der
aus
dem ganzen südlichen Graslande bekannten, prachtvollen Tabakspfeifen zeigt Abb.
5 der farbigen Tafel Kamerun.
Das hölzerne Rohr ist mit Perlen umsponnen; der Tonkopf trägt als Verzierung
eine stilisierte Krabbe, ein im Leben jener Völker für Divinationszwecke gern
verwandtes Tier. Ebenfalls mit Perlen besetzte Arbeiten sind der Thronsessel
Abb. 8, aus der Hauptstadt Fumban selbst, und der
Kopfaufsatz aus der westlich gelegenen Landschaft Bagam. Den Körper des Sessels
bildet ein Elefant; den Kopfaufsatz krönt ein Chamäleon. Abb. 5 der Tafel 86
stellt ein Haumesser dar; die Abb. 10, 15, 20 und 21 dagegen sind Proben der in
B. anscheinend alten Metallgießkunst. Das Material ist eine Art Bronze, zuweilen
auch Messing; das Verfahren ist, genau wie im alten Benin, das der verlorenen
Form. Während diese Technik in den älteren Erzeugnissen den Beninarbeiten
mindestens gleichkommt (s. den Trinkhornknopf Abb. 10 und den Halsring 15 mit
seinen zierlichen Tierköpfen), liefert das vom Herrscher Ujoja neuerdings
beliebte Verfahren nur minderwertige, lediglich auf die Ausfuhr nach Europa
berechnete Sachen.
2. Die Stadt B. oder Fumban liegt in der Mitte des Landes, am östlichen
Fuß des Gebirges, in 1220 m Höhe. Sie ist stark befestigt; zwei Graben von 6 m
Tiefe und 4 m Breite, sowie eine Umwallung mit Toren schützen sie gegen
Angriffe. Doch liegen einige Vorstädte außerhalb der Umwallung. Das
Häuptlingsgebäude steht am Ende des Marktes mit einer Front von 90 m. Die
Einwohnerzahl wird auf etwa 18000 Seelen geschätzt. Diese Schätzung oder Zählung
ist sehr schwierig, weil der große Markt von B. täglich von etwa 4000 Leuten
besucht wird. Dieser Markt wird von Tag zu Tag wechselnd im Haussaviertel und
auf dem Hauptplatz abgehalten. Dabei herrscht musterhafte Ordnung. Der Umsatz
besteht in Vieh, Elfenbein, Pferden aus Ngaundere, Lebensmitteln, Eisenarbeiten und
Baumwollstoffen. Nach B. war die Weiterführung der Manengubabahn geplant. Es führt über B. die
große Südnordstraße von Duala über Dschang, B., Banjo
nach Garua. - B. ist Sitz der Baseler
Missionsgesellschaft und der Faktorei der Deutschen Kamerungesellschaft und der
Gesellschaft Nordwest-Kamerun.
Literatur: Globus 1908, I u. II: Moissel u. Struck. - Hirtler,
KolBl.
1903, 492.
Passarge-Rathjens. |