Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 127 ff.

Bananen. 1. Botanisches. 2. Anbau. 3. Schädlinge. 4. Verwertung. 5. Chemisches.

1. Botanisches. Unter B. versteht man etwa 50 Arten der Gattung Musa (Familie der Musaceen), die wahrscheinlich insgesamt aus den Tropen der alten Welt stammen. Mehrere Arten werden in allen Tropengebieten und in Ländern der nördlichen und südlichen gemäßigten Zone kultiviert. (Botanisches bei K. Schumann und A. de Wildeman, Geschichtliches und Herkunft bei Stuhlmann und Rung.) Nach Art der Nutzung unterscheidet man Obst-B., Mehl-B., Faser-B. und Zier-B. Erstere beiden gehören zu den wichtigsten Nutz- und Charakterpflanzen der Tropen. Die B. bilden ein- oder mehrjährige Stauden mit weichem, saftigen, 2-8 m hohem Scheinstamm von 15- 70 cm Durchmesser, gebildet aus den umeinander gerollten Blattscheiden, am Gipfel mit palmenartiger Krone. Die massigen, höchst dekorativen Blätter erreichen eine Länge von 3-4 m und bis zu 1 m Breite. Die Blüten sind etagenmäßig an einem meist hängenden Kolben angeordnet; jede Abteilung ist von einem roten, blauen oder violetten Deckblatt umgeben. Die 6 ersten Abteilungen tragen nur männliche, die übrigen Zwitterblüten. Die Früchte stehen aufrecht an den hängenden Kolben, sind walzenförmig oder kantig, von sehr verschiedener Form und Größe; auch die Anzahl wechselt je nach Art und Varietät. Das Gewicht eines Fruchtbüschels der Obst- und Mehl-B. beträgt 6-50 kg. Bei den Arten und Varietäten der letztgenannten Gruppen ist unter dem Einfluß der bis weit in vorgeschichtliche Zeit zurückreichenden Kultur die Fähigkeit der Samenbildung verloren gegangen. Die wilden Arten und die Faserbananen bilden dagegen noch normale Samen aus (Abb. in Tropenpfl. 1903 S. 35 u. Beih. 1912 S. 507).
1. Obstbananen. a) Musa paradisiaca L., Unterart sapientum (L.) O. K. Die am weitesten verbreitete Obstpflanze der Tropen, mit zahlreichen Varietäten und Kulturformen (engl.: sweet plantain, span.: plantano, holl.: bacove), wird u. a. in Nikaragua, Costa Rica, Kolumbien, Holl. Guyana und Jamaika für den Export im großen angebaut (Rung), neuerdings auch in Kamerun in plantagenmäßige Großkultur genommen. - b) M. Cavendishii Lamb. (M. sinensis Sag.), chinesische oder Zwergbanane, wird u. a. in Queensland, Südasien und auf den Kanaren kultiviert; von hier aus werden ihre besonders wohlschmeckenden Früchte auch nach Europa exportiert. Sie wächst selten höher als 2 m, widersteht daher Stürmen besser als die vorige Art und hat den Vorzug ungleich größerer Widerstandsfähigkeit gegen Kälte.
- 2. Mehlbanane, Koch-B., Plante (aus dem span. plantano), M. paradisiaca L. (M. Cliffortiana L.) (engl. plantain, span.: plantano arton, franz.: banane a cuire), größer als 1a, desgleichen die Früchte. Letztere sind - im Gegensatz zu den zuckerreichen Obstbananen - ungekocht nicht genießbar. Wegen ihres hohen Stärkegehaltes ist sie eines der wichtigsten Nahrungsmittel bei zahlreichen Völkerstämmen Afrikas, so am Kilimandscharo, wo die Kultur mit Bewässerung betrieben wird, im Kondeland, im Zwischenseengebiet, am Victoriasee und im Kameruner Grasland. Stellenweise beherrscht sie das ganze Wirtschaftsleben der Neger (Stuhlmann). In den Kakaoplantagen Kameruns ist die Plante als alleinige Schattenpflanze im Gebrauch. - Außer M. paradisiaca gibt es noch verschiedene Arten von Mehlbananen, die jedoch in den deutschen Schutzgebieten anscheinend noch nicht Eingang gefunden haben.
- 3. Faserbananen. Ihr Wert beruht in dem Reichtum an technisch brauchbaren Fasern im Scheinstamm. a) Die wichtigste Art: M. textilis Née (M. mindanensis Rph.) liefert den Manilahanf (s.d.); b) M. Ensete Gmel., der "enset" Abessiniens, dort zur Bastgewinnung für den Lokalbedarf vielfach angebaut (Kostlan, Beih. zum Tropenpfl. 1913 S. 239); c) M. tikap Warb., der Tikaphanf der Karolinen (Ponape), mit M. textilis nahe verwandt; d) die wilden Faser-B., davon aus Ostafrika bekannt: M. Holstii K. Schum. (Usambara), M. ulugurensis Warb. (Uluguru), M. proboscidea Ol. (Ukami, Kilimandscharo usw.), aus Kamerun: M. elephantorum K. Schum. et Warb. (Jaunde usw.). - Auch die fruchtliefernden B. (M. paradisiaca und M. Ensete) enthalten brauchbare Fasern, werden aber daraufhin nur gelegentlich genutzt.
- 4. Zierbananen. Die meisten kleinstämmigen Arten wirken dekorativ; einige davon in Gärten und Parks verbreitet.

2. Anbau. In den deutschen Kolonien, und zwar in Kamerun, werden von Europäern plantagenmäßig bisher nur die Obst-B. (M. paradisiaca subsp. sapientum) und die Mehl-B. angebaut, erstere in Reinkultur zur Fruchtgewinnung für den Export, letztere als Schattenpflanze und für die Arbeiterernährung in den Kakaopflanzungen. Das Folgende bezieht sich nur auf die Obst-B. - Boden. Die B. verlangt einen tiefgründigen, feuchten (aber nicht sumpfigen!), durchlässigen, nährstoffreichen Boden; sie gilt als starker "Sauger", d. h. sie nimmt die Nährstoffe des Bodens sehr in Anspruch. Daher Düngung bald erforderlich! (Auf den Kanaren wird M. Cavendishii auch auf trockengründigem Gelände, aber mit künstlicher Bewässerung kultiviert.) - Klima. Als exquisit tropische Pflanze stellt die B. große Ansprüche an Wärme (mittlere Jahrestemp. 26-27° C); reichliche Niederschläge und hohe Luftfeuchtigkeit begünstigen den Anbau; Schutz gegen heftige Winde ist erforderlich. - Pflanzung. Auswahl ertragreicher und auf dem Markt beliebter Varietäten und Spielarten sehr wichtig (Semler, de Wildeman, Zagorodsky). Man verwendet entweder 6-8 Monate alte Schößlinge oder Teile des knollig verdickten Wurzelstocks mit je einem Auge. Die Pflanzung ist sauber zu halten. Von den zahlreich aufschießenden Nebensprossen werden nur 2-3 geschont, die übrigen abgeschnitten. Nach 5-8 Monaten - je nach Sorte, Boden und Klima - erscheint der Blütenstand, nach weiteren 2-3 Monaten sind die Früchte schnittreif, und der Stamm stirbt ab. An seine Stelle tritt der Hauptschößling, der wiederum nach 3-4 Monaten Früchte bildet. - Ernte. Für den Export werden niemals gelbe vollreife Früchte, sondern nur grüne unreife verwendet. Den richtigen Zeitpunkt für die Ernte auszuwählen erfordert Erfahrung. (Über die weitere Behandlung der Früchte und den Versand: Grotewold, Zagorodsky und Rung.)

3. Schädlinge. In den deutschen Kolonien sind an den B. bisher Krankheiten und Schädlinge von Belang nicht aufgetreten. Aus fremden Gebieten werden eine Stammfäule, verschiedene Pilzkrankheiten, ferner Nematoden, Schildläuse, Lepidopterenlarven u. a. m. genannt. Gefährliche Seuchen scheinen indessen nirgends beobachtet worden zu sein.

4. Verwertung. Die Früchte der Obstbananen gelangen seit etwa zwei Dezennien in steigenden Mengen frisch auf die Märkte Nordamerikas und Europas, wo als Obst sehr begehrt. Neuerdings kommen in Deutschland auch die sog. "Bananenfeigen", d. h. reife, geschälte und in der Sonne oder künstlich getrocknete Obstbananen in Aufnahme (Zagorodsky; Braun 644). Die Gewinnung und Ausfuhr dieses Produkts ist auch bei Kleinkultur möglich, kann daher namentlich für Deutsch-Ostafrika und Togo von Bedeutung werden. Die Eingeborenen Deutsch-Ostafrikas stellen aus Bananen durch Gärung mit und ohne Zutaten verschiedene alkoholische Getränke her (Braun 224). In anderen Ländern (z. B. San Thomé) wird auch Essig daraus gewonnen. - Über den Wert als Futtermittel: Zagorodsky. Die Mehlbanane ist in Afrika vielerorts Grundstock der Ernährung der Eingeborenen. In verschiedenen fremden Tropenländern werden Mehl und Stärke daraus gewonnen, namentlich für den Versand nach Nordamerika (Zagorodsky 388 ff.).

5. Chemisches. Zusammensetzung der Obstbanane wechselt je nach Art, Sorte, Herkunft und Reifegrad der Früchte. Diese enthalten: 13-24 % Zucker, 0,3-1 % Fett, 0,4-2,1 % Eiweiß (Rohprotein), 2-14 % N-freie Extraktstoffe (Stärke) und 62-82 % Wasser. Der Zucker besteht zum größten Teil aus Dextrose und Lävulose und nur zum kleineren aus Saccharose (prozentuales Verhältnis der Zuckerarten wechselt). Aus vorstehenden Zahlen ergibt sich, daß die frische B. zwar die heimischen Obstsorten an Nährwert übertrifft, aber hinter den Cerealien weit zurücksteht. Sie kann immerhin als ein gesundes Nahrungsmittel von beschränktem Nährstoffgehalt gelten. Letzterer steigt relativ erheblich, wenn der hohe Wassergehalt durch Trocknen der Früchte reduziert wird.

Literatur: Semler Bd. II: - de Wildeman, Plantes tropicales de grande culture. Bd. I, Brüssel 1908 S. 309 f. - Stuhlmann, Beitr. Kulturgesch. Ostafrikas 1909 S. 37 ff. - Rung, Die Bananenkultur, ErgänzHeft. Nr. 169 zu Peterm. Mitt., Gotha 1911 (mit ausführl. Lit.-Nachweisen). - Koschny, Tropenpfl. 1903 S. 112 ff.. - Grotewold, ebenda 1910 S. 571 ff. - Bernegau, ebenda 1910 S. 582 ff. - Zagorodsky, ebenda, Beih. 1911 S. 283 ff. - Braun, Pflanzer 1912 S. 224 u. 644 ff.

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