Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 133

Bantu, Bantuneger nennt die moderne Völkerkunde nach dem Vorschlage des Deutschen Wilhelm Bleek alle Eingeborenen des südlichen Dreiecks Afrikas, soweit sie durch die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Sprachgruppe charakterisiert sind (s. Bantusprachen). Die Nordgrenze der B. beginnt im Nordwesten im Kreuzflußgebiet in Nordwest-Kamerun, verläuft dann im großen und ganzen entlang der Linie zwischen Gras- und Waldland, wobei allerdings die Fangvölker einen fremden, seiner Zugehörigkeit nach noch nicht bestimmten Bestandteil bilden, und setzt sich ungefähr entlang dem 5. Grad n. Br. bis in die Nähe des Zentralafrikanischen Grabens fort. Hier im Seengebiet fällt die Grenze dann sehr weit nach Süden insofern, als über der älteren Bantuschicht eine jüngere hamitische lagert (Wahuma [s.d.] westlich vom Victoria, Massai [s.d.] und Verwandte im Osten). Im Süden des Erdteils gehören nicht zu den B. die hellfarbigen Afrikaner (Buschmänner [s.d.] und Hottentotten [s.d.]) und die Bergdamara (s.d.) oder Haukoin, deren Rassenstellung noch rätselhaft ist. Vielleicht sind auch die Herero nordostafrikanischen, hamitischen Ursprungs. - Körperlich sind Unterschiede zu den Sudannegern kaum festzustellen; sprachlich hingegen bilden die B. einen scharf umrissenen Komplex. Kulturlich hebt sich aus der großen Menge vor allem der westafrikanische Kulturkreis heraus, der etwa das Kongobecken und Kamerun umfaßt, allerdings auch noch auf die Küste von Oberguinea übergreift. Er ist ausgezeichnet durch eine weitgehende Übereinstimmung sowohl des stofflichen wie des geistigen Besitzes mit Melanesien und Indonesien (Knaufbogen mit Rotan- oder Bambussehne, rechteckige Giebeldachhütte, Schild, Kleidung und Schmuck aus pflanzlichen Bestandteilen, Rindenstoff, Raphia, Schlitztrommel, Masken-, Geheimbund- und Fetischwesen, Anthropophagie usw.), deren Ursprung noch der Erklärung harrt. Andere, weniger scharf umrissene Gruppen sind die Kaffern (s.d.), die südwestlichen Bantu (Herero und Ovambo, s.d.) samt deren Nachbarn, die Lundavölker des südlichen Kongobeckens und die Bantu zwischen dem Zentralafrikanischen Graben und der Ostküste (s. Deutsch-Ostafrika, Bevölkerung).

Literatur S. Bantusprachen.

Weule.