Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 134

Baptisten.

1. Die deutschen B. Der deutsche Zweig des in der Mitte des 17. Jahrh. in England entstandenen Baptismus wurde durch J. G. Oncken 1834 in Hamburg begründet. Im Jahre 1907 gab es in Deutschland 191 Gemeinden mit 37044 Mitgliedern, die zusammen einen "Bund" bilden, der aus 12 "Vereinigungen" besteht. Im Jahre 1890 bildete sich aus den Berliner Baptistengemeinden ein Missionskomitee, "welches bezweckt, Missionare in die deutschen Kolonien zu senden, um den Eingeborenen das Evangelium zu predigen, sie zu unterrichten und aus ihrer Mitte Lehrer und Prediger heranzubilden". Durch Beschluß der Generalversammlung vom 19. Jan. 1898 nahm das Komitee den Namen "Missionsgesellschaft der d. B." an (Sitz: Steglitz bei Berlin, Filandastraße 4). Diese Gesellschaft und ihre Missionsarbeit ist nicht ein Unternehmen des Bundes, aber sie stehen mit ihm in enger Beziehung. Die d. B. haben 1891 in Kamerun zu missionieren begonnen. S. Mission 2f.

2. Die englischen B. Die Begründung der Baptist Missionary Society (kurz: B. M. S.; Sitz: London E. C., 19 Furnival Street) in London 1792 hat für die Entwicklung des protestantischen Missionswesens epochemachende Bedeutung erlangt, denn sie hat nicht nur den Baptismus auf die Missionsarbeit hingeführt, sondern zu der großen neuzeitlichen Missionsbewegung innerhalb des Protestantismus den entscheidenden Anstoß gegeben. Diese Gesellschaft, die seit 1800 in Britisch-Indien (W. Carey, gest. 1834), seit 1812 in Ceylon, seit 1877 im Kongogebiet, seit 1885 in Palästina sich Arbeitskreise geschaffen hat, ist durch die deutsche Besetzung Kameruns 1884 mit dieser Kolonie in Berührung gekommen. Auf der Insel Fernando Poo war 1841 eine baptistische Mission begründet worden, und Missionar Alfred Saker hatte von hier aus 1845 unter den Duala zu wirken begonnen. Als sich 1858 die Fortsetzung der evangelischen Mission auf Fernando Poo als unmöglich herausstellte, wurde die baptistische Mission von dieser Insel auf das Festland verlegt und am Fuß des Kamerunberges die Niederlassung Victoria errichtet, aus der sich die heutige Stadt dieses Namens entwickelt hat. Die Baptisten hatten im Jahre 1884 in Kamerun 203 Gemeindemitglieder und 368 Schüler gesammelt. Da sie ihre Arbeit unter deutschem Regiment nicht fortsetzen wollten, übergaben sie 1886 ihre Mission an die damit neu hier eintretende Basler Missionsgesellschaft. S. Mission 2 f.

Literatur zu 1: J. Lehmann, Geschichte der deutschen Baptisten, 1. Teil. Hamburg 1896; 2. Teil. Kassel 1900. - O. Scheve, Die Mission der deutschen Baptisten in Kamerun (Westafrika) von 1884-1901. - Jahresbericht der deutschen Missionsgesellschaft der Baptisten für das Jahr 1911. - C. Mirbt, Mission und Kolonialpolitik in den deutschen Schutzgebieten. Tübing. 1910, 15 u. a. - S. Missionszeitschriften.

Mirbt.