Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 137 f.

Basler Missionsgesellschaft. Diese im Jahre 1816 begründete Gesellschaft (Sitz: Basel) ist die erste von dem deutschen Protestantismus im 19. Jahrh. zu Missionszwecken ins Leben gerufene Organisation, die Bestand gehabt hat. Auf die Entwicklung des deutschen Missionswesens hat die Basler Missionsgesellschaft dadurch einen großen Einfluß ausgeübt, daß ihre Veranstaltungen das Interesse für die Mission stark angeregt haben. Ursprünglich lediglich eine Missionsschule, die die von ihr ausgebildeten Zöglinge an Englische Missionsgesellschaften abgab, ging die Missionsanstalt 1822 zur eigenen Aussendung von Missionaren über. Ihre ersten Unternehmungen, nach Südrußland (1821/35) und Liberia (1827) mußten abgebrochen werden. Dagegen ist es ihr gelungen, an der Goldküste (seit 1828) nach langer vergeblicher Arbeit und nach sehr großen Verlusten an Menschenleben dauernd festen Fuß zu fassen. Jetzt untersteht hier ihrer Leitung eine wohlgegliederte und festbegründete Eingeborenenkirche von 23848 Seelen mit 17 eingeborenen Pfarrern und 159 Katechisten, mit 162 Schulen und 7727 Schülern. In Britisch-Indien (Kanara und Kurg, Südmahratta, Nilagiri) haben die Basler es zu einem Gemeindebestand von 19147 Christen gebracht, denen 24 Eingeborene Pfarrer dienen; in 188 Schulen werden 16788 Schüler unterrichtet. In China (seit 1847) beziffert die Gesellschaft die Zahl ihrer Christen auf 10777, unter denen auch hier neben den europäischen Missionaren 8 eingeborene Pfarrer wirken, die Zahl ihrer Schulen auf 82 mit 2789 Schülern. Trotz ihres Namens, und obwohl die Leitung außerhalb der deutschen Grenzen liegt, ist die Gesellschaft ihrem Gesamtcharakter nach durch und durch deutsch. Alle ihre Leiter, früher "Inspektoren" genannt, waren Deutsche (Chr. G. Blumhardt 1816/39, W. Hoffmann 1839/50, Josenhans 1850/79, Schott 1879/84, Th. Oehler seit 1884), und der Württembergische Pietismus, der diese zum Teil hervorragenden Männer gestellt hat, gibt ihr das Gepräge. Sie vertritt das biblische Christentum in pietistischer Färbung und steht dem innerprotestantischen Gegensätze von lutherisch und reformiert neutral gegenüber. Vor den anderen deutschen Missionsgesellschaften hat sie die Bedeutung der ärztlichen Mission (s.d.) erkannt, auch ist ihr die durch die indischen Verhältnisse aufgenötigte Verbindung von industriellen Unternehmungen mit der Mission eigentümlich. Seit 1885 ist die Basler Missionsgesellschaft in Kamerun tätig (s. Mission 2f.) und rüstet sich, in Nordtogo neu anzufangen. S.a. Basler Missionshandlungsgesellschaft.

Literatur: P. Eppler, Geschichte der Basler Mission 1815-1899. Basel 1900. - W. Bornemann, Einführung in die Evangelische Missionskunde im Anschluß an die Basler Mission. Tübing. 1902. - C. Mirbt, Mission und Kolonialpolitik in den deutschen Schutzgebieten. Tübing. 1910, 52 u. a. - 97. Jahres. bericht. Basel 1912.

Mirbt.