Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 145

Baugewerbe. Das B. umfaßt alle gewerblichen Tätigkeiten, die sich mit der Herstellung von Bauten im weitesten Sinne beschäftigen. Demgemäß sind bei Herstellung von Hochbauten, Eisenbahn-, Wege-, Wasser-, Deichbauten usw. alle Arten Bauhandwerker und zwar als Arbeitgeber (Unternehmer) oder als Arbeitnehmer (Bauarbeiter) tätig. In den Schutzgebieten, in denen die Reichs-Gewerbeordnung und die heimischen Versicherungsgesetze nicht gelten, fehlen auch die Vorschriften über die Vorbildung der Bauhandwerker und über die Ausübung der Fürsorge für die Bauarbeiter. - Als Arbeiter kommen hier nur die Eingeborenen und Farbigen in Betracht; denn Weiße werden nur als Aufseher, Vorarbeiter u. dgl. verwendet. Bei den zurzeit noch wenig entwickelten Verhältnissen in den Schutzgebieten gibt es daselbst noch wenig B. und besondere Bauhandwerker; die Eingeborenen zu solchen heranzubilden, ist eine der wichtigsten Aufgaben der Bauverwaltungen bei den Gouvernements, die in deren Lehrwerkstätten, wie Lome, Buea, Duala, zum Teil mit großem Erfolg ausgeübt wird (s. Handwerkerschulen). Solange die Bauhandwerker in den Schutzgebieten noch wenig leistungsfähig sind, werden die einzelnen Bauteile meist möglichst weit vorbereitet und zur Aufstellung fertig aus der Heimat bezogen. Je mehr dieser Zustand aber durch bessere Ausbildung der eingeborenen Handwerker überwunden wird, so daß die einzelnen Teile in den Schutzgebieten angefertigt werden können, desto mehr machen sich die Schutzgebiete frei von ihrer Zahlungspflicht gegen das Mutterland.

Baltzer.