| Baukunst. Die B. in den Schutzgebieten ist insbesondere,
soweit
der Hochbau und die Architektur in
Frage kommt, vor wesentlich andere Aufgaben gestellt als in der Heimat;
einmal sind infolge der veränderten klimatischen Verhältnisse und
Lebensbedingungen
andere Anforderungen bei der Ausgestaltung der Hochbauten (s. Hausbau der Europäer) als in der
Heimat
zu erfüllen, und sodann sind die zur Verfügung stehenden Baustoffe und
Arbeitskräfte vielfach wesentlich andere als man es in der Heimat
gewohnt
ist. Die möglichste Heranziehung und Verwertung der Stoffe, Mittel und
Kräfte, wie sie das Schutzgebiet bietet, sollte aber hier stets eine der
vornehmsten Aufgaben der B. sein; nur mit ihrer Lösung kann sie zu
befriedigenden
bodenständigen Schöpfungen gelangen und dabei das Ziel erreichen, daß
das Neuland sich von der Zahlungspflicht an das Mutterland immer mehr
frei macht und wirtschaftlich auf eigenen Füßen stehen lernt. Es handelt
sich in den Schutzgebieten vorwiegend um Nützlichkeitsbauten, bei denen
es weniger darauf ankommt, monumentale Architektur mit Prunkfassaden zu
entfalten, als darauf, in schlichter aber gediegener Bauweise mit den
geringsten Mitteln den Zweck des Baues insbesondere gegenüber den
klimatischen
Bedingungen restlos zu erfüllen und künstlerisch zum Ausdruck zu
bringen;
dabei sollen möglichst wenig einzelne Teile von der Heimat oder dem
Auslande
bezogen werden, die Ausführung muß von den eingeborenen Handwerkern in
inländischen Baustoffen bewirkt werden können, und ihre Güte soll auf
lange Dauer alle kostspieligen Ausbesserungs- oder Erneuerungsarbeiten
überflüssig machen. Tropenbauten, die diese Bedingungen erfüllen,
werden,
auch wenn man dabei auf Anwendung arabischer oder sarazenischer
Architekturmotive
und sonstiger entlehnter Verzierungen verzichtet, ganz von selbst einen
gewissen Tropenstil zur Schau tragen, dessen Wesen aber weniger in der
Benutzung besonderer stilgerechter Kunstformen, als vielmehr in der
geschickten
Gruppierung der Mauermassen und der Öffnungen, in der zweckmäßigen
Anordnung
und Teilung der Dächer, in der richtigen Anwendung der den einzelnen
Baustoffen
zukommenden und zweckentsprechenden Farben besteht. Je mehr hierbei aus
fernliegenden Architekturen entlehnte Motive rein verzierender Art
vermieden
werden, desto reiner wird der Tropenstil zum Ausdruck kommen.
Beachtenswerte
Beispiele dieser Art finden sich unter den steinernen Bomabauten (festen
Stationen), Wohn- und Dienstgebäuden,
Zollbauten usw. von Deutsch-
Ostafrika (vgl. auch Zeitschr. f. Bauwesen 1905, S. 58 und Die Umschau, XV. Jahrg.,
1911, S. 303: Wohnungen in den Tropen).
Betreffs B. der Eingeborenen s. Hausbau
der Eingeborenen.
Baltzer. |