Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 146 f.

Baumaterialien. Bezüglich der anzuwendenden B. in den Schutzgebieten ist wesentlich, ob die Bauausführung an oder nahe der Küste oder im Innern des Landes stattfindet; im letzteren Falle kommt die Transportfähigkeit der B. besonders in Betracht, wobei im allgemeinen höchstens zwei Trägerlasten zu je 30 kg von zwei Trägern gemeinsam befördert werden können; doch ist auch dies schon bei dem Zustande vieler Karawanenstraßen mit Schwierigkeiten verknüpft. Im allgemeinen darf die Einzellast für den Trägertransport 30 kg nicht überschreiten (s. Trägerwesen). Zement, Wellblechtafeln (verzinkt), leichtere Formeisen und Träger finden daher auch im Innern vielfache Verwendung; für Bauten in eisenbewehrtem Beton wird sich mit der Zeit in den Schutzgebieten günstige Gelegenheit bieten, falls genügende sachverständige Aufsicht zur Verfügung steht. Für vorübergehende Bauten dienen Schilf, Gras, Rinde, Palmrippen, Bananenblätter u. dgl. An der Küste Deutsch-Ostafrikas ist der Korallenstein sehr beliebt. Die Herstellung von Luftziegeln, gebrannten Ziegeln, Zementsandziegeln, Dachsteinen, Kunst- und Zementsteinen ist vielfach mit Erfolg in Angriff genommen; Steinbrüche zur Gewinnung von Haustein kommen wegen des Fehlens der Straßen nur ausnahmsweise in Frage. Die Lagerstätten natürlicher Hausteine sind im allgemeinen noch nicht erschlossen. An guten Bauhölzern (s.d.) ist Deutsch- Ostafrika. und Kamerun reich, Deutsch-Südwestafrika auffallend arm; die Verwendung von Holz bei Bauten ist aber wegen der Termiten bedenklich, soweit nicht termitensicheres, hartes Holz zur Verfügung steht. S. a. Hausbau der Europäer. Wegen der von den Eingeborenen verwendeten B. s. Hausbau der Eingeborenen.

Baltzer.