Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 147 ff.

Baumwolle (s. Farbige Tafel und Tafel 15). 1. Allgemeines und Botanisches. 2. Kultur. 3. Nebenprodukte. 4. Die Baumwollfrage. 5. B.-bau in den deutschen Kolonien. 6. Wichtigste Krankheiten und Schädlinge.

1. Allgemeines und Botanisches. B. nennt man die Samenhaare verschiedener Arten der Gattung Gossypium (Fam. der Malvaceen); sie ist die wichtigste Gespinnstfaser der Welt. Folgende Gossypiumarten kommen für die Gewinnung der B. in erster Linie in Betracht: G. hirsutum L., G. barbadense L., G. herbaceum L. und G. peruvianum Cav. Diese Arten, ursprünglich perennierende Gewächse, in der Kultur größtenteils einjährig gezogen, entwickeln sich dabei strauchförmig, nehmen aber im perennierenden Zustand oft baumartigen Charakter an (namentlich G. peruvianum). Sie unterscheiden sich vornehmlich durch Form und Behaarung der Blätter, Farbe der Blütenblätter, äußere Beschaffenheit der Samen und der Samenhaare. Frucht eine meist fünffächerige, fachteilig aufspringende Kapsel, in jedem Fach mehrere, entweder einzeln liegende oder zu Ballen verklebte Samen enthaltend. Samen nach Entfernung der langen Haare (Baumwolle) entweder nackt oder mit einem dichten kurzhaarigen Filz (Grundwolle) bedeckt. Die B. faser (anatom. Beschaffenheit und mikroskopische Bilder s. Oppel S. 112ff) wechselt in ihren Eigenschaften je nach botanischem Typ, Wachstumsbedingungen, Reife und Grad der Züchtung. Ausschlaggebend für Bewertung und Art der Verwendung sind Länge und Breite der Haare, Dicke der Zellwand (Festigkeit), Glanz und Farbe. Der Längengrad wird als Stapel bezeichnet; man unterscheidet kurzstaplige (Länge unter 25 mm), mittelstaplige (L. 25-30 mm) und langstaplige (L. über 30 mm). Zu den langstapligen Sorten gehören Sea Island, brasilianische und ägyptische, mittel- bis kurzstaplig ist die indische B., während die Upland-Sorten und - Rassen alle drei Typen aufweisen. Sea-Island und ägyptische B. sind durch Weichheit und seidigen Glanz, indische durch rauhe, feste Faser ausgezeichnet. Der Durchmesser der Haare wechselt zwischen 11,6 (Sea- Island) und über 25 Tausendstel Millimeter. (Einzelheiten bei Oppel.) - In den deutschen Kolonien werden die folgenden (botanischen) Arten von B. kultiviert:
1. G. hirsutum L., Upland-B. Stammt wahrscheinlich aus Mexiko. Blätter 3- 5lappig, mattgrün; jüngere Zweige, Blatt- und Blütenstiele und Blätter (namentlich Unterseite) mit Behaarung von wechselnder Stärke; Blüte gelblich- weiß oder zarthellgelb, beim Welken rosenrot bis karmin; Früchte bei den einzelnen Kulturformen verschieden groß, entfalten in jedem Fach 6-8 Samen; Samen mit schmutzigweißem bis graugrünem dichten Filz bedeckt. B. weiß, Stapellänge 20 bis über 30 mm. Zahlreiche Zuchtformen und Rassen, besonders in Nordamerika, neuerdings durch systematische Züchtung herangebildet.
- 2. G. barbadense L., Sea- Island-B. stammt aus Westindien. Blätter 3-5-, meist 5lappig, lebhaft saftgrün, mit meist lang zugespitzten Lappen, beiderseits unbehaart; Blüte leuchtendzitronengelb, beim Welken in rotgelb oder rötliches Braungelb übergehend, am Grunde der Blütenblätter ein tiefbraunroter Fleck; Samen zu durchschnittlich je 6 in jedem Kapselfach, schwarzbraun und nach Entfernung der B. nackt. B.faser weiß, Stapellänge 35-45 mm. Zahlreiche Zuchtformen, Rassen und Bastarde, namentlich in Ägypten (G. barbadense bildet die Grundlage der verschiedenen Sorten ägyptischer B.).
- 3. G. herbaceum L., Indische B. Stammt aus Indien. Pflanze in einjähriger Kultur durchschnittlich kleiner bleibend, als die beiden vorigen. Blätter 3-5-, selten 7lappig, mit eiförmigen, am Grunde verschmälerten, meist wenig zugespitzten Lappen. Blütenblätter gelb, mit dunkelrotem Fleck am Grunde, beim Welken rötlich; Kapsel 3-5fächerig, in jedem Fach 5-7 Samen; Samen mit grauem oder grünlichem Filz; B. weiß, gelb oder bräunlich- gelb, Stapellänge 20-26 mm. - G. peruvianum Cav., Peruanische oder Nieren-B. (engl. Kidney Cotton). Stammt aus Südamerika. Bei perennierender Kultur bis 5 m hohe baumartige Stämme bildend. Blätter 3-5lappig. Blüten gelb, oft mit dunkelrotem Fleck am Grunde; Kapsel mit ziemlich langer Spitze, in jedem Fach 5-10, meist 6-8, zweireihig zu nierenförmigen Ballen miteinander verklebte Samen enthaltend (daher der Name "Nieren-B."); Samenschale nackt; B.faser weiß oder gelblich. - Außer den genannten findet sich im tropischen Afrika weit verbreitet die dort einheimische G. arboreum L. Sie wird vielfach als Nebenkultur in Feld und Garten von Eingeborenen und Arabern kultiviert, findet sich aber auch wild. Erreicht in perennierendem Zustand bis 6 m Höhe. Von den vorgenannten Arten durch ihre roten Blüten leicht unterscheidbar. Ihre B.faser ist minderwertig, wird nur im Lande selbst verarbeitet und gelangt nicht in den Welthandel. In den zahlreichen Kulturgebieten sind Varietäten und Rassen und - bei der ausgesprochenen Neigung der B.pflanze zur Bastardierung - auch Bastardformen in sehr großer Mannigfaltigkeit und Zahl entstanden (vgl. Watt und Leake). Außer der empirischen Zuchtwahl hat aber in den letzten Jahrzehnten - vor allem bei der Upland-B. - die systematisch betriebene Züchtung zur Ausbildung zahlreicher Typen geführt, von denen einige auch über das engere Anbaugebiet hinaus Bedeutung für die Kultur erlangt haben. Die Zuchtziele wurden und werden teils durch spezielle örtliche Vorbedingungen des Anbaugebiets (z.B. kurze Dauer der Vegetationsperiode), teils durch wirtschaftliche Bedürfnisse, teils durch Anforderungen von Handel und Industrie, endlich auch durch das Auftreten gefährlicher Schädlinge (z.B. des mexikanischen Rüsselkäfers in Nordamerika) bestimmt. Man züchtet u.a. auf Frühreife, Habitus (Verzweigung und Belaubung), Reichfrüchtigkeit, Kapselgröße, Ertrag, Faserprozent (s.u.), Länge, Farbe und Glanz der Faser. Den züchterischen Arbeiten in den deutschen Kolonien ist für die Zukunft besondere Bedeutung beizumessen. In den letzten Jahren sind unter dem Namen Caravonica gewisse Zuchten aus Queensland häufig genannt worden; sie wurden auch in Deutsch-Ostafrika eingeführt. Es handelt sich dabei um Rassen von Sea-Island und Peru-B., sowie um Kreuzungen zwischen beiden. Die Versuche haben nur stellenweise zu guten Ergebnissen bezüglich Ertrag und Faserqualität geführt; noch bleibt abzuwarten, ob und wie weit die Sorten beständig sind.

2. Kultur. Die B. wird in den wichtigsten Produktionsgebieten der Welt und auch in den deutschen Kolonien in einjähriger Kultur angebaut. Perennierender Anbau ist unzweckmäßig wegen Nachlassens der Erträge, Verschlechterung der Qualität und Anhäufung von Schädlingen. Bezüglich der Bodenbeschaffenheit ist die B. nicht gerade wählerisch, und sie gedeiht auf den verschiedensten Bodenarten, sofern diese nur ein ausreichendes Kapital der nötigen Pflanzennährstoffe und gewisse physikalische Eigenschaften (z.B. leichte Durchlüftbarkeit) besitzen; stauende Nässe, im Untergrund ist schädlich. - Die Ansprüche der B.-Pflanzen an das Klima stehen in engem Zusammenhang mit der Herkunft aller kultivierten B.-Arten aus der Tropenzone: sie stellen sich dar im ausgesprochenen Bedürfnis nach Sonnenschein, Luft- und Bodenwärme. Die mittlere Lufttemperatur soll während der Wachstumsperiode 15° C nicht unterschreiten. Günstige Verteilung der Niederschläge ist wichtig. Stärkere und häufigere Regenfälle während der Blütezeit und der Fruchtreife sind schädlich. Daher sind Anbaugebiete mit einer geschlossenen Regenperiode solchen mit zwei Regenzeiten vorzuziehen. (Züchtung frühreifer Rassen!) - Wichtig ist Verwendung akklimatisierter Rassen und reinen Saatgutes, d. h. Abwesenheit von Saat fremder Rassen und Varietäten, die später zur Bastardierung und damit zur Verminderung der Qualität führen kann. Für gute Bodenlockerung und Entfernung des Unkrauts ist bis zur Reifezeit zu sorgen. Reinkultur ist der Mischkultur vorzuziehen. (Im übrigen vgl. Semler, Oppel, Fesca, Zimmermann, Denkschrift Baumwollfrage.) - Anbau mit Bewässerung, wie z.B. in Ägypten und Turkestan allgemein üblich, wird in den deutschen Kolonien, von kleinen Versuchen abgesehen, noch nicht betrieben. - Ernte. Das Erntegeschäft beginnt, sobald die B.-Faser aus den geöffneten Kapseln hervortritt. Auf reinliche Einsammlung des Produkts ist besonders zu achten: Vermischung mit Laubteilen und Erde setzt Güte und Preis herab. Nach der Ernte sind alle B.-Sträucher nebst den Wurzeln aus der Erde zu entfernen und zu vernichten, um Anhäufung und Vermehrung von Schädlingen (s. u.) zu verhindern. - Erträge. Als gute Durchschnittsernte gelten für Upland-B. in Nordamerika 1 Ballen Lint-B. pro ha, in Fergana (Bewässerungskultur!) nahezu 2 Ballen, für ägyptische B. in Ägypten (Bewässerungskultur!) 1 1/2 Ballen und darüber (d.h. 750 bis 900 lbs.). Für die deutschen Kolonien lassen sich brauchbare Ertragszahlen noch nicht aufstellen. - Erntebereitung. Gliedert sich in Entkörnen ("Ginnen") und Pressen. Das Entkörnen, d.h. die Trennung der Faser von den Samen, geschieht in den Entkörnungsanstalten ("Gin- Stationen") mit besonderen Maschinen ("Gins"), von denen zwei Arten: "Walzengins" und "Sägegins" unterschieden werden. Erstere werden für die langstapligen Sea-, Island- und ägyptischen B.-Sorten verwendet, letztere für die Upland-B. Die Roh-B. enthält 25-40, durchschnittlich 30-33 % reine B.-Faser ("Lint"). Das Gewichtsverhältnis von Samen zu Lint ("Faserprozent") wechselt auch bei Rassen einer und derselben Art und Varietät. Die entkörnte B. wird alsdann in besonderen Pressen verschiedener Konstruktion zu Ballen von einem Normalgewicht von 500 lbs., in den deutschen Kolonien von 250 kg gepreßt. (Gewichte der Ballen in fremden Ländern in der Denkschrift Baumwollfrage S. 195 bis 197.) In Nordamerika findet neuerdings auch eine Nachpressung ("compress") statt, um das Volumen der Ballen zu vermindern (ebenda S. 196 ff.). Sorgfältige Verpackung der B.-Ballen. (in Jutestoff) für den Versand ist wichtig (Verhandl. Baumwollbau-Kommission KWK.).

3. Nebenprodukte: B.saat, B.öl, B.preßkuchen, Linter-B. und Samenschalen tragen wesentlich zur Rentabilität des B.baus bei. a) B.saat. Während von allen übrigen Feldfrüchten der Produzent das erforderliche Saatgut zurückbehalten kann, ist das bei der B.kultur nicht möglich - es sei denn, daß der Pflanzer selbst eine Entkörnungsanstalt besitzt. Unter diesen Umständen ist es unerläßlich, die einzelnen Anlieferungen von Roh-B. ("Saat-B."), soweit die anfallende Saat wieder für Aussaatzwecke benutzt werden soll, getrennt zu entkörnen und Vermischungen zu vermeiden. Besonders wichtig in allen Gebieten, in denen noch mit verschiedenen B.arten und -sorten versuchsweise gearbeitet wird und wo noch keine "ausgeglichenen" Züchtungen allgemein Verwendung finden. b) B.öl. Aus dem B.samen läßt sich durch Pressen unter Erwärmung zu 12-24% durchschnittlich bei Upland-B. 15-17, bei ägyptischer B. 22-24% - ein fettes Öl erhalten, das für technische und Speisezwecke mannigfache Verwendung findet. Gewinnung in besonderen Ölmühlen (vgl. Denkschrift Baumwollfrage S. 208-218). - c) Die Rückstände von der Ölgewinnung kommen entweder in Form von Preßkuchen oder - gemahlen - als B.saatmehl in den Handel. Wegen ihres hohen Eiweißgehalts (bis zu 51% Rohprotein) als Kraftfuttermittel sehr geschätzt. - d) Linter-B. Vor dem Schälen der B.samen (s.u.) wird neuerdings der den Samen gewisser Arten anhaftende Filz (Grundwolle, s.o.) mit besonderen Maschinen entfernt. Dieses, als Linter oder Linter-B. bezeichnete Material wird zur Herstellung von Filzen, Watte usw. verwendet (Denkschrift Baumwollfrage S. 206). - e) Vor der Ölgewinnung wird die B.saat geschält. Die Schalen dienen in Form von Kleie als Futtermittel oder auch als Brennmaterial.

4. Die Baumwollfrage. Um die heimischen Industrien im Rohstoffbezuge nach und nach unabhängiger vom Auslande, insbesondere von Nordamerika zu machen, haben die europäischen Kolonialmächte in neuerer Zeit der Einführung bzw. Ausbreitung der B.kultur in ihren Besitzungen große Bemühungen gewidmet. Deutschland ist hierin vorangegangen, dank der Initiative Karl Supfs (s.d.), des Vorsitzenden des Kolonialwirtschaftlichen Komitees. (Denkschrift Baumwollfrage, Berichte des KWK. und seiner Baumwollbaukommission sowie K. Supf, Deutsche Kolonialbaumwolle, Berl. 1909.)

5. B.bau in den deutschen Kolonien (Veröff. d. RKA. Nr. 6 [II. B.- Denkschr.]). Nur Deutsch-Ostafrika, Kamerun und Togo kommen in Betracht; die Südseebesitzungen scheiden aus klimatischen Gründen, der Norden von Deutsch-Südwestafrika der Arbeiterverhältnisse wegen aus.
- a) Deutsch-Ostafrika. Hauptanbaugebiete in der Küstenzone und den Bezirken Morogoro und Muansa. Europäische und Eingeborenenkultur. Vorwiegend ägyptische Sorten (G. barbadense), in geringerem Umfange und erst in neuester Zeit versuchsweise Upland-B., bei den Eingeborenen im Muansabezirk auch peruanische B. (vor der Okkupation eingeführt).
- b) Togo. Nur Eingeborenenkultur, namentlich in den Bezirken Misahöhe, Atakpame und Sokode. In erster Linie akklimatisierte Sea-Island, Typus Ho; daneben stellenweise die sog. Kpandu-B. (Bastard von Sea-Island und peruanischer B.) und Küsten-B. (Bastard von Upland- und indischer B.). Alle genannten Sorten sind vor der Okkupation des Schutzgebiets eingeführt worden (Busse, Tropenpflanzer, Beih. 1906).
- c) Kamerun. Im Graslande, namentlich im Tsadseegebiet von alters her bei den Eingeborenen ausgedehnte B.kultur für den eigenen Bedarf. Europäerpflanzungen bestehen nicht. Über die daselbst eingebürgerten Arten und Sorten ist Näheres noch nicht bekannt. (Ausfuhrstatistik s.u.) - Zur Förderung des B.baus sind von der Kolonialverwaltung seit 1910 in den drei genannten Kolonien 10 eigene landwirtschaftliche Versuchsstationen errichtet worden (s.B. Stationen), ferner wirken in Deutsch-Ostafrika und Togo europäische Wanderlehrer (Bezirkslandwirte, s.d.), auch werden farbige Wanderlehrer ausgebildet. Das KWK. errichtet Entkörnungsanstalten, unterhält Aufkaufmärkte und leistet Transportbeihilfen usw. (Über die Arbeiten der Kol.-Verwaltung und des KWK. zur Förderung der B.kultur in den Schutzgebieten vgl. Denkschrift Baumwollfrage S. 114ff. u. II. B.-Denkschr.) - Die Ausfuhr aus Deutsch-Ostafrika betrug 1910: 2490, 1911: 4320, 1912: 7530 Ballen, aus Togo in den gleichen Jahren mit geringen Schwankungen durchschnittlich je 2000 Ballen.

6. Wichtigste Krankheiten und Schädlinge (s. Tafel 16). Der gefährlichste aller B.schädlinge, der in Nordamerika so verhängnisvoll gewordene Mexikanische Rüsselkäfer (Anthonomus grandis Boh., Boll weevil) ist in den deutschen Kolonien, wie in Afrika überhaupt, noch nicht aufgetreten. Um die Einschleppung dieses und anderer Schädlinge zu verhüten, sind von den Gouvernements der fraglichen Kolonien besondere Verordnungen, betr. Einfuhr und Untersuchung von B.saat, erlassen worden. - A. Pflanzliche Parasiten: Neocosmospora vasinfecta Smith, erzeugt die Welkkrankheit (Wilt disease), Uredo Gossypii Lag. den B.rost, Colletothrichum Gossypii Southw. die Anthraknose, verschiedene Pilze sind bei der Mosaikkrankheit beteiligt. (Im übrigen ausführliche Zusammenstellung bei Zimmermann.) -B. Tierische Schädlinge (bei Aulmann und Zacher): Blattläuse (Aphiden) und Kleinzirpen (Cicadelliden) saugen an Blättern und grünen Trieben, erstere unter Absonderung des Honigtaus (Mafuta in Deutsch- Ostafrika, Nedwet el assal in Ägypten), in dem sich oft Rußtaupilze ansiedeln; die Cicadelliden rufen in Deutsch-Ostafrika Erscheinungen der Kräuselkrankheit hervor, die übrigens auch anderen Ursprungs sein kann; Rotwanzen (Dysdercus-Arten) und die kleine Baumwollwanze (Oxycarenus hyalinipennis Costa) beschädigen die unreifen Kapseln und beschmutzen die Faser; der Stammringler (Alcides brevirostris), die Stammbohrer (Sphenoptera-Arten) und die Stengelspitzenbohrer (Earias-Arten, insbesondere Earias insulana; (s. Tafel 16)) schädigen die oberirdischen Triebe; die Blätter werden u. a. benagt und zerfressen von den Raupen des Blattrollers (Sylepta derogata), der Prodenia litura, der Chloridea-, Agrotis- und Heliothis- Arten und verschiedenen Käfern; die Kapseln werden angefressen außer durch schon genannte Insekten vom Sudankapselwurm (Diparopsis castanea) und dem Stengelspitzenbohrer (Gelechia gossyssiella), die Wurzeln von Wurzelälchen, Erdraupen, Engerlingen usw.

Literatur a) Allgemeines, Anbau u. Verwertung: G. Watt, The wild and cultivated Cotton plants of the world. London (Longmans Green & Co.) 1907. - Oppel, Die Baumwolle. Lpz. 1902. - Fesca, Pflanzenbau i. d. Tropen u. Subtropen, Bd. 2. Berl. 1907. - Semler, Trop. Agrikultur, 3. Aufl., Bd. 3. 1903. - C. F. Roux, La production du Colon en Égypte. Paris 1908. - C. W. Burkett and Hamilton Poe, Cotton. London 1909. - Zimmermann, Anleitg. f. d. Baumwollkultur i. d. deutschen Kolonien. Berl. 1910 (mit reichhaltigem Literaturverzeichnis). - Die Baumwollfrage, Denkschrift über Produktion u. Verbrauch v. Baumwolle (Veröff. d. RKA. Nr. 1). Jena 1911. - Der Baumwollbau in den deutschen Schutzgebieten, seine Entwicklung seit d. J. 1910, (Veröff. des RKA. Nr. 6) Jena 1914. (II. B.-Denkschr.). - Period. Berichte der Baumwollbau-Kommission des Kol.- Wirtsch. Komitees (Berlin) und des Internat. Verbandes der Spinner- u. Weber- Vereinigungen (Manchester). - Zahlreiche Abhandlungen im "Tropenpflanzer", "Pflanzer", D. Kol.-Blatt, ferner in Agricultural Journal of India u. den Veröff. des U. S. Department of Agriculture in Washington. - b) Züchtung: Leake in Fruhwirth, Die Züchtung d. landwirtschaftl. Kulturpflanzen, Bd. V. Berl. 1912 (mit zahlreichen Literaturangaben). - Ferner Veröff. d. U.S. Dept. of Agriculture in Washington u. des Agricultural Journal of India. - c) Nebenprodukte: L. L. Lamborn, Cotton seed products. Lond. 1904. - M. Schanz in "Die Baumwollfrage" (s.o.). - d) Schädlinge u. Krankheiten: Zimmermann a. a. O. - Aulmann, Schädlinge der Baumwolle in "Fauna der Deutschen Kolonien" V, 4. Berl. 1912. - Zacher, Die afrikanischen Baumwollschädlinge in Arb. a. d. Kais. Biolog. Anstalt f. Land- u. Forstwirtschaft IX, 18. 121 ff. Berl. 1913 (neueste u. ausführlichste Monographie mit umfassenden Literaturangaben).

Busse.