Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 161

Beleuchtungswesen. Wie es bei den einfachen Verhältnissen selbstverständlich ist, werden zur Beleuchtung in den Schutzgebieten hauptsächlich Lampen mit Petroleumöl (amerikanisches oder russisches) verwendet. Auch für Straßenbeleuchtung und auf den Bahnhöfen einschl. Werkstätten wird Petroleum verwendet, jedoch in Form von Petroleumglühlicht mit ausschließlich russischem Petroleum - sog. Keros-Lampen, die nach Art von Bogenlampen auf hohen Masten montiert sind. - Diese Lampen haben eine Leuchtkraft von 800-1000 Kerzen. - Eine andere Art von Petroleum - Korffsches Sicherheitsöl, das sich durch einen höheren Entflammungspunkt auszeichnet - wird in den Eisenbahnzügen gebrannt. - Spiritus wird in Form von Glühlicht verwendet, und es bürgert sich in den größeren Niederlassungen, wo die Beschaffung keine Schwierigkeiten macht, immer mehr ein. Allerdings ist der Bezugspreis doppelt so hoch wie für Petroleum. Man findet hängende und stehende Spiritus-Glühlichtlampen in den besseren Europäerhäusern. In Warenhäusern, Hotels und auf freien Plätzen werden große Glühlichtlampen von 120 NK Lichtstärke verwendet. - In Deutsch- Südwestafrika sind noch besonders benzolelektrische Glühlampen in den Werkstätten, in Messen und in Geschäftshäusern im Gebrauch. - Azetylen wird nur vereinzelt gebrannt. In der neuesten Zeit, nachdem in Deutschland (seit 1911) die Azetylenbeleuchtung nach dem System Piutti für die Eisenbahnwagen zugelassen ist, werden auch in den Schutzgebieten damit Versuche gemacht, die bis jetzt recht gute Ergebnisse gezeigt haben. - Gasanstalten gibt es in den Schutzgebieten noch nicht, weil die Kohlen zu teuer sind. Für Windhuk (Deutsch-Südwestafrika) schweben zurzeit Verhandlungen wegen einer Beleuchtungsanlage; doch ist noch nicht entschieden, ob ein Gas- oder ein Elektrizitätswerk gebaut werden soll. Wegen der elektrischen Beleuchtung s. unter Elektrizität.

Wilsdorf.