Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 161 f.

Bemalung bei Eingeborenen. Als Mittel, um das Aussehen des Körpers der Stimmung anzupassen, verwendet man mit Wasser, Fett oder Öl angeriebene Farben wie roten und gelben Ocker, weißen Ton, Kalk, Mangan, ferner Kohle, seltener Pflanzenfarben. Neuerdings sind Waschblau und europäische Ölfarben beliebt. Die B. ist entweder für den ganzen Körper oder nur für das Gesicht bestimmt und wechselt von einigen Strichen bis zur Flächendeckung, die durch Verwendung verschiedener Farben gemustert wird. Die B. kann lediglich Schmuck sein und unterliegt dann der Mode, auch bei Festen und anderen freudigen Anlässen scheinen nicht immer feste Normen zu bestehen. Anders bei der zeremonialen B., die mystische Bedeutung hat. In Neupommern bemalen sich die Krieger als Schutz gegen Verwundung, Mitglieder von Geheimbünden (s.d.) tragen als Abzeichen eine B., bei vielen Völkern werden die Knaben für die Pubertätsfeier (s. Pubertätsfeste) bemalt, ebenso Tänzer und Tänzerinnen bei religiösen Aufführungen, Kranke, die der Medizinmann heilen will. Mit dem Ahnenkult (s. Ahnenkultus) hängt wahrscheinlich die B. bei Todesfällen zusammen, wo sie einen Teil der Trauertracht bildet. Weiß ist z.B. Trauerfarbe der Jaunde (s.d.) in Kamerun, schwarz in Neupommern im Bismarckarchipel (Deutsch-Neuguinea).

Thilenius.