Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 164

Benue, die "Mutter des Wassers" (Battasprache), der einzig bedeutende linke Nebenfluß des Niger. Er fließt von der Quelle bis zur Mündung des Faro auf Kameruner Gebiet und entspringt nördlich vom Hossere Ubaka, einem Ausläufer des Ngaunderehochlands, wo sich eine große Anzahl von Quellarmen vereint unter dem Namen Mao Mandaro nach Nordosten wendet. Seine Quelle liegt annähernd 600 m hoch bei 7 3/4° n. Br. und 13 1/4° ö. L. Von dem rechts einmündenden Mao Schufi oder Rei wird er in nordwestliche Richtung gedrängt. Nachdem er bis dahin ein altkristallines Gebirge durchflossen hat, tritt er hier in eine breite von alten Alluvionen erfüllte Niederung, die Landschaft Bubandjidda, deren Hauptstadt Rei Buba unweit des Mao Schufi liegt. Von rechts erhält der Benue hier den Zufluß des Mao Schuia, von links den Mao Meimbe. Bei Lagdo durchsägt der B. einen Granitstock, dahinter dehnt sich eine neue schottererfüllte Niederung bis zur Mündung des Mao Kebbi aus, der von rechts kommt. Der B. tritt nun in das Gebiet des Benuesandsteins, dessen flachgelagerte Schichten er an dem Knie zwischen Hossere Tengelin und Hossere Bogole durchbricht. Klippen im Fluß bilden hier ein Hindernis für den Schiffahrtsverkehr. Bei Garua beginnt das breite fruchtbare Benuetiefland, von Sandsteinplateaus begrenzt, die es zu zwei großen Bogen zwingen. Vor Jola, bereits auf englischem Gebiet, durchbricht der B. das Massiv des Bajelegebirges. Vorher bildet der von Süden kommende Faro, der in einem verzweigten Delta in den B. mündet, die Grenze. Jola selbst, diese wichtige alte Hauptstadt des Sultanats Jola, liegt in einer weiten welligen Ebene ungefähr 3 Stunden vom Fluß entfernt. Die ganze Flußebene ist dicht bevölkert, Dorf reiht sich an Dorf, die Felder sind mit Mais und anderen Früchten bebaut. Bei Lau bildet das Tal wieder einen Einbruch zwischen den Fumbina- und Meribergen. Bis Ibi sind die Ufer flach, mit hohem Gras bewachsen und leer an Ansiedlungen. Hier erhält der B. den Zufluß des Taraba. Ibi ist der Hauptort von Britisch-Nigeria am B. Bei Lokoja ergießt sich der B. in den Niger. Der B. war von jeher eine der wichtigsten Eingangsstraßen in das nördliche Kamerun, sei es für Forscher oder Händler. Allerdings haben die Engländer den Schlüssel dazu, es ist aber freie Schiffahrt den anderen Mächten garantiert. Kähne können das ganze Jahr hindurch bis Rei Buba gelangen. Schiffe von 5 Fuß Tiefgang könnten indes nur von August bis Oktober bis Garua verdringen. Während der Regenzeit sind auch die Nebenflüsse befahrbar, vor allem der Faro mit dem Mao Deo, der Mao Kebbi, Mao Schina und Mao Schufi. Literatur: Fritz Bauer, Deutsche Niger-Benuë-Tsadsee-Expedition 1902/03. Berl. 1904. D. Reiner. - B. Marquardsen, Der Niger-Benuë. Passarge-Rathjens.