Benue, die "Mutter des Wassers" (Battasprache), der einzig bedeutende linke
Nebenfluß des Niger. Er fließt von der Quelle bis
zur Mündung des Faro auf Kameruner Gebiet und
entspringt nördlich vom Hossere Ubaka, einem
Ausläufer des Ngaunderehochlands, wo sich eine große Anzahl von Quellarmen
vereint unter dem Namen Mao Mandaro nach
Nordosten wendet. Seine Quelle liegt annähernd 600 m hoch bei 7 3/4° n. Br. und
13 1/4° ö. L. Von dem rechts einmündenden Mao Schufi
oder Rei wird er in nordwestliche Richtung gedrängt. Nachdem er bis dahin ein
altkristallines Gebirge durchflossen hat, tritt er hier in eine breite von alten
Alluvionen erfüllte Niederung, die Landschaft
Bubandjidda, deren Hauptstadt Rei Buba
unweit des Mao Schufi liegt. Von rechts erhält der Benue hier den Zufluß des Mao Schuia, von links den Mao Meimbe. Bei Lagdo durchsägt der B. einen
Granitstock, dahinter dehnt sich eine neue schottererfüllte Niederung bis zur
Mündung des Mao Kebbi aus, der von rechts
kommt. Der B. tritt nun in das Gebiet des Benuesandsteins, dessen flachgelagerte
Schichten er an dem Knie zwischen Hossere Tengelin und Hossere Bogole durchbricht. Klippen
im Fluß bilden hier ein Hindernis für den Schiffahrtsverkehr. Bei Garua beginnt
das breite fruchtbare Benuetiefland, von Sandsteinplateaus begrenzt, die es zu
zwei großen Bogen zwingen. Vor Jola, bereits auf englischem Gebiet, durchbricht der
B. das Massiv des Bajelegebirges. Vorher bildet der von Süden kommende Faro, der
in einem verzweigten Delta in den B. mündet, die Grenze. Jola selbst, diese
wichtige alte Hauptstadt des Sultanats Jola, liegt in einer weiten welligen
Ebene ungefähr 3 Stunden vom Fluß entfernt. Die ganze Flußebene ist dicht
bevölkert, Dorf reiht sich an Dorf, die Felder sind mit Mais und anderen Früchten bebaut. Bei Lau bildet das
Tal wieder einen Einbruch zwischen den Fumbina- und Meribergen. Bis Ibi sind die
Ufer flach, mit hohem Gras bewachsen und leer an Ansiedlungen. Hier erhält der
B. den Zufluß des Taraba. Ibi ist der Hauptort
von Britisch-Nigeria am B. Bei Lokoja ergießt sich der B. in den Niger. Der B.
war von jeher eine der wichtigsten Eingangsstraßen in das nördliche Kamerun, sei es für Forscher oder Händler. Allerdings haben die Engländer den
Schlüssel dazu, es ist aber freie Schiffahrt
den anderen Mächten garantiert. Kähne können das
ganze Jahr hindurch bis Rei Buba gelangen.
Schiffe von 5 Fuß Tiefgang könnten indes nur von August bis Oktober bis Garua verdringen. Während der Regenzeit sind auch die
Nebenflüsse befahrbar, vor allem der Faro mit dem Mao Deo, der Mao Kebbi, Mao Schina und Mao Schufi.
Literatur: Fritz Bauer, Deutsche Niger-Benuë-Tsadsee-Expedition 1902/03. Berl.
1904. D. Reiner. - B. Marquardsen, Der
Niger-Benuë. Passarge-Rathjens.