| Bergbau.1. Allgemeines. 2. B. in Deutsch-Ostafrika. 3. B. in
Deutsch-Südwestafrika.
4. B. in Kamerun. 5. B. in Togo. 6. B. in den Schutzgebieten der Südsee.
7. B. in Kiautschou.
1. Allgemeines. Geregelte bergbauliche Betriebe finden sich in den
deutschen
Schutzgebieten bereits in einiger Anzahl. Die Lagerstätten, welche
Gegenstand
der Ausbeutung sind, waren teilweise schon vor der deutschen
Besitzergreifung
bekannt oder doch bestimmt vermutet, wie die Otavilagerstätten in
Deutsch-
Südwestafrika, oder fielen nach Einrichtung geordneter Verwaltung in die Augen, wie die Phosphatlager
in der Südsee, die Soolquellen in Deutsch-Ostafrika und die
Alluvialgoldvorkommen
in Deutsch-Neuguinea.
Fachgelehrte
haben bei systematischen Expeditionen andere Mineralien
entdeckt, wie die Granaten und den Glimmer in Deutsch-Ostafrika.
Berufsmäßige Prospektoren haben die Goldquarzgänge in Deutsch-Ostafrika
gefunden. Dem blinden Zufall ist die Entdeckung der Diamanten
(s.d.) in Deutsch-Südwestafrika zu danken.
Im ganzen betrachtet, steht der Bergbau in den deutschen Schutzgebieten
noch zurück. Es darf erwartet werden, daß, nachdem eine zielbewußte Eisenbahnpolitik der Erschließung der Schutzgebiete die Wege geebnet hat, die
Fürsorge
weitsichtiger Fachverwaltung das Entstehen zahlreicherer Bergbaubetriebe
beschleunigen wird. Zu erwarten sind neue Betriebe auf Gold, Zinnstein,
Eisen- und andere Erze, Steinkohlen, vielleicht auch auf kohlensaure
Salze.
Über die rechtliche Regelung des B. s. Bergrecht.
2. B. in Deutsch-Ostafrika. Den Rovumafluß, entlang finden sich im Gneis, welcher an vielen Stellen Granaten (s. Granat) als einen akzessorischen Bestandteil
enthält,
strichweise Almandine (s. Granate) von
besonderer Größe und seltener Farbenschönheit. Die Verwitterung
des Gneises hat sie hier in angereichertem Zustande zurückgelassen. Sie
können also oberflächlich aufgelesen oder durch Behandlung der
verwitterten
Gneiskruste gewonnen werden. Im Jahre 1900 wurde von einem
Nichteingeborenen
ein Bergbaufeld belegt und in die Gesellschaft m.b.H. "Bergbaufeld Luisenfelde"
eingebracht.
Letztere hat bereits im Jahre 1900 4215 kg Granaten im angegebenen Werte von 41302 Rup.
gefördert.
Der Erfolg bewog eine Anzahl Inder, welche
unter der Herrschaft der Ksl. Bergverordnung von 1898 Schürf- und
Bergbaurechte
unter den gleichen Bedingungen wie Weiße erwerben konnten, gleichfalls
zu schürfen. Infolgedessen kamen im Jahre 1901 8526 kg Granaten im Werte
von 48787 Rup. zur Ausfuhr. Davon hatten Inder 6356 kg unter Angabe
eines
Wertes von 5700 Rup. zur Ausfuhr angemeldet. Diese Massen konnten vom
Markte nicht mehr aufgenommen werden. Daher kamen sämtliche Betriebe zum
Erliegen. Um die Granatengewinnung in bestimmte, kontrollierbare Bahnen zu lenken, hat der Reichskanzler im Jahre 1903 dem
Verlagsbuchhändler
Vohsen zur Aufsuchung und Gewinnung von
Halbedelsteinen und Edelsteinen eine den Süden des Schutzgebietes
umfassende
ausschließliche Konzession erteilt, welche nachträglich von der
Gesellschaft
m.b.H. "Bergbaufeld Luisenfelde" erworben worden ist. Die Vohsensche
Konzession
ist 1913 erloschen. Das bisherige Konzessionsgebiet ist im gleichen
Jahre
dem Landesfiskus als
Sonderrechtsgebiet
verliehen. Es ist gleichwohl bis heute nicht gelungen, eine regelmäßige
und bedeutende Gewinnung von Granaten zu unterhalten. Ausgeführt sind
folgende Mengen von Granaten, die ausschließlich nach Deutschland
gegangen
sind:

Seither ruht der Bergbau, so daß eine Ausfuhr nicht mehr stattgefunden
hat.
Glimmer (s.d.) in bauwürdiger
Beschaffenheit
ist zuerst im Ulugurugebirge, später auch in den
angrenzenden
Gebirgszügen und im Usambaragebirge als Ausscheidung in
Pegmatitgängen
gefunden worden. Er ist mäßig fein spaltbar und meist etwas dunkel
gefärbt.
In guten Anbrüchen zeigen die oft außerordentlich großen Kristalle
glatte
Spaltflächen und wenig Einschlüsse. Die regelmäßige bergmännische
Gewinnung
hat um die Wende des Jahrh. eingesetzt. Die Förderung ist mit der
Verbesserung
der Spalt- und Klassierungsmethoden und dem Ausbau der Transportwege
unausgesetzt
gestiegen. Folgende Glimmermengen sind zur Ausfuhr gelangt, in der
Hauptsache
nach Deutschland, in letzter Zeit auch nach England:
Einzelne der glimmerführenden Pegmatitgänge enthalten auch stellenweise
Kristalle von hochhaltiger Uranpechblende (s. Uranerze). Letztere wird indes nur in wenigen
Betrieben
ausgehalten und verwertet. Die Goldquarz-Vorkommen Deutsch-Ostafrikas
(s. Gold) werden gern mit denjenigen
Rhodesiens
verglichen. Sie scheinen an Grünsteindurchbrüche gebunden zu sein und
finden sich sowohl als räumlich eng begrenzte Kontaktgänge wie auch als
linsenförmige Ausscheidungen in der Schichtung des Schiefers. Der an
Pyrite
gebundene Goldgehalt scheint unregelmäßig verteilt zu sein. Regelmäßiger
Bergbau findet bisher nur seitens der Kironda-Goldminengesellschaft
m.b.H.
in Berlin auf einem in der Landschaft Sekenke,
am Fuße des Irambaplateaus, belegenen Felde statt, welches, im Gebiete
der abgelaufenen Irangi-Konzession belegen, von dem Irangi-
Syndikat der Gesellschaft übertragen worden ist. Es sind dort
gefördert
worden:

In der Landschaft Uwinza, im Flußgebiete des in den nördlichen
Tanganjikasee
sich ergießenden Mlagarassiflusses, sind seit altersher eine große
Anzahl
Solquellen bekannt, welche eine nicht besonders hochgrädige, jedoch sehr
reine Sole liefern. An den Solquellen haben früher die Eingeborenen, aus
allen umliegenden Gebieten kommend, nach den primitivsten Methoden in
Tontöpfen auf kleinen Holzfeuern Salz gekocht. Die Zentralafrikanische
Seen-Gesellschaft hat die ein regelmäßiges Gewerbe treibenden
Eingeborenengemeinschaften
abgefunden und auf Grund eines Pachtvertrags mit dem Fiskus,
welcher die Solquellen ursprünglich als Bestandteil des Kronlands und
nach Erlaß der Ksl. Bergverordnung vom 27. Febr. 1906 auf Grund eines
vom Reichskanzlers ausgesprochenen Vorbehalts in Anspruch nahm, die Saline Gottorp
errichtet.
Der Saline fiel von Anfang an die Versorgung der Landschaften am Tanganjika, auch des belgischen Gebiets, mit
Speisesalz
zu, soweit der Absatz des Salzes nicht durch die Kosten und die
Schwierigkeiten
des Trägertransportes paralysiert wurde. Durch die deutsch-
ostafrikanische
Mittellandbahn werden ihr ganz
andere Absatzgebiete, als bisher, eröffnet werden. Die Salzdarstellung
hat betragen:

Ob auch die alten Seebecken in den abflußlosen und regenarmen Gebieten
des ostafrikanischen Grabens, welche zum Teil, wie z.B. der sog. Magad-
oder Natronsee, massenhafte Ansammlungen von einfach
und doppeltkohlensaurem Natron mit Kochsalz und etwas Glaubersalz
enthalten,
Gelegenheit zur technischen Verwertung bieten werden, steht noch dahin.
S.a. Salz. - Steinkohlen
(s.d.), welche den Transvaalkohlen gleichen, sind in mehreren mächtigen
Bänken in einem Lappen der Karooformation, nördlich des Njassasees,
bekannt,
werden aber mangels Transportgelegenheit noch nicht ausgebeutet. Auch
Eisenerze sind an mehreren Stellen in Deutsch-
Ostafrika
festgestellt.
3. B. in Deutsch-Südwestafrika. Von den Diamanten ist an anderer Stelle
die Rede (s. Diamanten). - Kupfererze
(s. Kupfererzlagerstätten) und Bleierze (s.d.), beide silberhaltig, werden von
der Otavi-Minen- und Eisenbahngesellschaft gewonnen. Die Lagerstätten,
welche vielleicht einem System von Bruchspalten folgen, sind
unregelmäßig
gestaltete lentikuläre Gebilde im Kalkstein und führen geschwefelte Erze, hauptsächlich Kupferglanz und Bleiglanz. Als Erzbringer wird ein Aplitstock
angesehen.
Am Hangenden und stellenweise auch am Liegenden des Haupterzkörpers
treten
Vanadium haltende Erze, besonders Vanadinit und Mottramit, in
bauwürdiger
Menge auf. Der Abbau der mächtigen Lagerstätten ist bei dem brüchigen
Nebengestein schwierig. Zurzeit wird Querbau mit Bergeversatz versucht.
Das reichere Erz, welches zurzeit im Durchschnitt etwa 16 % Kupfer, 25
% Blei und 280 g Silber
pro Tonne enthält, wird roh verschifft und gelangt zum größten Teil nach
Belgien und nach Amerika, nur zum geringen Teile nach Deutschland. Das
geringere Erz wird an Ort und Stelle auf Kupferstein, mit 47 % Kupfer,
26 % Blei und 460 g Silber pro Tonne und Werkblei verschmolzen. Der
Betrieb
ist im Jahre 1906 aufgenommen worden. Die Gewinnung hat betragen:

An Vanadinerzen sind gewonnen worden im Jahre 1910 173 t mit
durchschnittlich
11% Va2O5, im Jahre 1911 30 t. An anderen Stellen, des Schutzgebiets
sind
Kupfererzvorkommen erschlossen, von denen bisher nur die Khankupfergrube
bei Swakopmund eine erhöhte wirtschaftliche
Bedeutung
in Anspruch nehmen darf. Das Erzvorkommen (Buntkupfererz) ist an Pegmatite gebunden. Der
Kupfergehalt beträgt 6-7 %. Die Grube ist nach mehrjährigen
Aufschlußarbeiten
Anfang 1914 in regelrechte Förderung getreten. Die Erze werden an Ort
und Stelle aufbereitet, die gewonnenen Konzentrate kommen zum Versand.
- In der Aufschließung begriffen sind Zinnerzvorkommen (s. Zinnerz), welche im mittleren Teile des
Schutzgebiets,
zwischen der Küste und Omaruru entdeckt worden sind. Es handelt sich um
Zinnstein. Das Erz tritt als akzessorischer Bestandteil von
Pegmatitgängen
auf und findet sich auch auf sekundärer Lagerstätte. 1912 wurden 75 t
Zinnstein gewonnen, von denen 40 t verschifft wurden. Im nördlichen
Teile
des Kaokofeldes sind hochwertige Eisenerzlagerstätten bekannt.
4. B. in Kamerun. Bergbauliche Betriebe sind nicht vorhanden. Man kennt
bituminöse Schiefer und Anzeichen von Öl im Crossbecken, Solquellen im Ossindingebezirk und Glimmer in Pegmatitgängen bei Essudan.
5. B. in Togo. Bekannt ist das Hämatitvorkommen
des Eisenerzbergs bei Banjeli (s. Roteisenerz), auf welchem die Eingeborenen
bescheidene Gewinnungsarbeiten treiben, ferner das Auftreten von Chromerzen
mittleren Gehalts bei Glei. Goldspuren sind in mehreren Flüssen festgestellt
worden.
6. B. in den Schutzgebieten der Südsee.
Alluvialgold ist in den Flüssen, welche im östlichsten Teile von Kaiser-
Wilhelmsland in den Huongolf münden,
in bemerkenswerten Mengen festgestellt worden (s. Gold). Ein
regelmäßiger
B. hat indes noch nicht stattgefunden, während jenseits der
Landesgrenze,
in dem britisch-australischen Territorium Papua
Alluvialgold in erheblichem Umfange regelmäßig gewonnen wird. Im
Inselgebiete
der Südsee sind auf den sog. niedrigen Inseln, welche durch Korallen gebildet sind, infolge der Einwirkung von
Guano auf den Kalkstein Phosphate
(s.d.) entstanden. Auf der zu der Marshallgruppe gehörenden Insel Nauru zeichnen sich die Phosphatlager durch große
Reinheit,
Härte und Massenhaftigkeit aus. Dort treibt die Pacific Phosphate Co. in London (s.d.),
welche ihre Rechte von einem alten Vertragsrechte der Jaluit-Gesellschaft
ableitet, erfolgreichen B. Die Ausfuhr hat betragen:

Neuerdings sind auch auf der Insel Angaur,
zu der Inselgruppe der Palauinseln
gehörend, bauwürdige Phosphatablagerungen festgestellt und von der
Deutschen
Südsee-Phosphat-Aktien-Gesellschaft in Bremen (s.d.) auf Grund einer vom
RK. erteilten Sonderberechtigung in Ausbeute genommen worden. Es sind
zur Ausfuhr gelangt:

Phosphate, welche auf verschiedenen, Kaiser-Wilhelmsland
vorgelagerten Inseln festgestellt worden sind (Purdyinseln,
Hermitinseln, Nissan) haben eine
wirtschaftliche
Beachtung noch nicht gefunden.
7. B. In Kiautschou. Über den B. an der von Tsingtau ausgehenden Eisenbahn s. Kiautschou.
Literatur: Schmeißer, Die nutzbaren
Bodenschätze und die Entwicklung des Bergbaus in den deutschen Schutzgebieten.
Bresl. 1908.
Haber.
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