Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 164

Bergbau.1. Allgemeines. 2. B. in Deutsch-Ostafrika. 3. B. in Deutsch-Südwestafrika. 4. B. in Kamerun. 5. B. in Togo. 6. B. in den Schutzgebieten der Südsee. 7. B. in Kiautschou.

1. Allgemeines. Geregelte bergbauliche Betriebe finden sich in den deutschen Schutzgebieten bereits in einiger Anzahl. Die Lagerstätten, welche Gegenstand der Ausbeutung sind, waren teilweise schon vor der deutschen Besitzergreifung bekannt oder doch bestimmt vermutet, wie die Otavilagerstätten in Deutsch- Südwestafrika, oder fielen nach Einrichtung geordneter Verwaltung in die Augen, wie die Phosphatlager in der Südsee, die Soolquellen in Deutsch-Ostafrika und die Alluvialgoldvorkommen in Deutsch-Neuguinea. Fachgelehrte haben bei systematischen Expeditionen andere Mineralien entdeckt, wie die Granaten und den Glimmer in Deutsch-Ostafrika. Berufsmäßige Prospektoren haben die Goldquarzgänge in Deutsch-Ostafrika gefunden. Dem blinden Zufall ist die Entdeckung der Diamanten (s.d.) in Deutsch-Südwestafrika zu danken. Im ganzen betrachtet, steht der Bergbau in den deutschen Schutzgebieten noch zurück. Es darf erwartet werden, daß, nachdem eine zielbewußte Eisenbahnpolitik der Erschließung der Schutzgebiete die Wege geebnet hat, die Fürsorge weitsichtiger Fachverwaltung das Entstehen zahlreicherer Bergbaubetriebe beschleunigen wird. Zu erwarten sind neue Betriebe auf Gold, Zinnstein, Eisen- und andere Erze, Steinkohlen, vielleicht auch auf kohlensaure Salze. Über die rechtliche Regelung des B. s. Bergrecht.

2. B. in Deutsch-Ostafrika. Den Rovumafluß, entlang finden sich im Gneis, welcher an vielen Stellen Granaten (s. Granat) als einen akzessorischen Bestandteil enthält, strichweise Almandine (s. Granate) von besonderer Größe und seltener Farbenschönheit. Die Verwitterung des Gneises hat sie hier in angereichertem Zustande zurückgelassen. Sie können also oberflächlich aufgelesen oder durch Behandlung der verwitterten Gneiskruste gewonnen werden. Im Jahre 1900 wurde von einem Nichteingeborenen ein Bergbaufeld belegt und in die Gesellschaft m.b.H. "Bergbaufeld Luisenfelde" eingebracht. Letztere hat bereits im Jahre 1900 4215 kg Granaten im angegebenen Werte von 41302 Rup. gefördert. Der Erfolg bewog eine Anzahl Inder, welche unter der Herrschaft der Ksl. Bergverordnung von 1898 Schürf- und Bergbaurechte unter den gleichen Bedingungen wie Weiße erwerben konnten, gleichfalls zu schürfen. Infolgedessen kamen im Jahre 1901 8526 kg Granaten im Werte von 48787 Rup. zur Ausfuhr. Davon hatten Inder 6356 kg unter Angabe eines Wertes von 5700 Rup. zur Ausfuhr angemeldet. Diese Massen konnten vom Markte nicht mehr aufgenommen werden. Daher kamen sämtliche Betriebe zum Erliegen. Um die Granatengewinnung in bestimmte, kontrollierbare Bahnen zu lenken, hat der Reichskanzler im Jahre 1903 dem Verlagsbuchhändler Vohsen zur Aufsuchung und Gewinnung von Halbedelsteinen und Edelsteinen eine den Süden des Schutzgebietes umfassende ausschließliche Konzession erteilt, welche nachträglich von der Gesellschaft m.b.H. "Bergbaufeld Luisenfelde" erworben worden ist. Die Vohsensche Konzession ist 1913 erloschen. Das bisherige Konzessionsgebiet ist im gleichen Jahre dem Landesfiskus als Sonderrechtsgebiet verliehen. Es ist gleichwohl bis heute nicht gelungen, eine regelmäßige und bedeutende Gewinnung von Granaten zu unterhalten. Ausgeführt sind folgende Mengen von Granaten, die ausschließlich nach Deutschland gegangen sind:

Seither ruht der Bergbau, so daß eine Ausfuhr nicht mehr stattgefunden hat.

Glimmer (s.d.) in bauwürdiger Beschaffenheit ist zuerst im Ulugurugebirge, später auch in den angrenzenden Gebirgszügen und im Usambaragebirge als Ausscheidung in Pegmatitgängen gefunden worden. Er ist mäßig fein spaltbar und meist etwas dunkel gefärbt. In guten Anbrüchen zeigen die oft außerordentlich großen Kristalle glatte Spaltflächen und wenig Einschlüsse. Die regelmäßige bergmännische Gewinnung hat um die Wende des Jahrh. eingesetzt. Die Förderung ist mit der Verbesserung der Spalt- und Klassierungsmethoden und dem Ausbau der Transportwege unausgesetzt gestiegen. Folgende Glimmermengen sind zur Ausfuhr gelangt, in der Hauptsache nach Deutschland, in letzter Zeit auch nach England:

Einzelne der glimmerführenden Pegmatitgänge enthalten auch stellenweise Kristalle von hochhaltiger Uranpechblende (s. Uranerze). Letztere wird indes nur in wenigen Betrieben ausgehalten und verwertet. Die Goldquarz-Vorkommen Deutsch-Ostafrikas (s. Gold) werden gern mit denjenigen Rhodesiens verglichen. Sie scheinen an Grünsteindurchbrüche gebunden zu sein und finden sich sowohl als räumlich eng begrenzte Kontaktgänge wie auch als linsenförmige Ausscheidungen in der Schichtung des Schiefers. Der an Pyrite gebundene Goldgehalt scheint unregelmäßig verteilt zu sein. Regelmäßiger Bergbau findet bisher nur seitens der Kironda-Goldminengesellschaft m.b.H. in Berlin auf einem in der Landschaft Sekenke, am Fuße des Irambaplateaus, belegenen Felde statt, welches, im Gebiete der abgelaufenen Irangi-Konzession belegen, von dem Irangi- Syndikat der Gesellschaft übertragen worden ist. Es sind dort gefördert worden:

In der Landschaft Uwinza, im Flußgebiete des in den nördlichen Tanganjikasee sich ergießenden Mlagarassiflusses, sind seit altersher eine große Anzahl Solquellen bekannt, welche eine nicht besonders hochgrädige, jedoch sehr reine Sole liefern. An den Solquellen haben früher die Eingeborenen, aus allen umliegenden Gebieten kommend, nach den primitivsten Methoden in Tontöpfen auf kleinen Holzfeuern Salz gekocht. Die Zentralafrikanische Seen-Gesellschaft hat die ein regelmäßiges Gewerbe treibenden Eingeborenengemeinschaften abgefunden und auf Grund eines Pachtvertrags mit dem Fiskus, welcher die Solquellen ursprünglich als Bestandteil des Kronlands und nach Erlaß der Ksl. Bergverordnung vom 27. Febr. 1906 auf Grund eines vom Reichskanzlers ausgesprochenen Vorbehalts in Anspruch nahm, die Saline Gottorp errichtet. Der Saline fiel von Anfang an die Versorgung der Landschaften am Tanganjika, auch des belgischen Gebiets, mit Speisesalz zu, soweit der Absatz des Salzes nicht durch die Kosten und die Schwierigkeiten des Trägertransportes paralysiert wurde. Durch die deutsch- ostafrikanische Mittellandbahn werden ihr ganz andere Absatzgebiete, als bisher, eröffnet werden. Die Salzdarstellung hat betragen:

Ob auch die alten Seebecken in den abflußlosen und regenarmen Gebieten des ostafrikanischen Grabens, welche zum Teil, wie z.B. der sog. Magad- oder Natronsee, massenhafte Ansammlungen von einfach und doppeltkohlensaurem Natron mit Kochsalz und etwas Glaubersalz enthalten, Gelegenheit zur technischen Verwertung bieten werden, steht noch dahin. S.a. Salz. - Steinkohlen (s.d.), welche den Transvaalkohlen gleichen, sind in mehreren mächtigen Bänken in einem Lappen der Karooformation, nördlich des Njassasees, bekannt, werden aber mangels Transportgelegenheit noch nicht ausgebeutet. Auch Eisenerze sind an mehreren Stellen in Deutsch- Ostafrika festgestellt.

3. B. in Deutsch-Südwestafrika. Von den Diamanten ist an anderer Stelle die Rede (s. Diamanten). - Kupfererze (s. Kupfererzlagerstätten) und Bleierze (s.d.), beide silberhaltig, werden von der Otavi-Minen- und Eisenbahngesellschaft gewonnen. Die Lagerstätten, welche vielleicht einem System von Bruchspalten folgen, sind unregelmäßig gestaltete lentikuläre Gebilde im Kalkstein und führen geschwefelte Erze, hauptsächlich Kupferglanz und Bleiglanz. Als Erzbringer wird ein Aplitstock angesehen. Am Hangenden und stellenweise auch am Liegenden des Haupterzkörpers treten Vanadium haltende Erze, besonders Vanadinit und Mottramit, in bauwürdiger Menge auf. Der Abbau der mächtigen Lagerstätten ist bei dem brüchigen Nebengestein schwierig. Zurzeit wird Querbau mit Bergeversatz versucht. Das reichere Erz, welches zurzeit im Durchschnitt etwa 16 % Kupfer, 25 % Blei und 280 g Silber pro Tonne enthält, wird roh verschifft und gelangt zum größten Teil nach Belgien und nach Amerika, nur zum geringen Teile nach Deutschland. Das geringere Erz wird an Ort und Stelle auf Kupferstein, mit 47 % Kupfer, 26 % Blei und 460 g Silber pro Tonne und Werkblei verschmolzen. Der Betrieb ist im Jahre 1906 aufgenommen worden. Die Gewinnung hat betragen:

An Vanadinerzen sind gewonnen worden im Jahre 1910 173 t mit durchschnittlich 11% Va2O5, im Jahre 1911 30 t. An anderen Stellen, des Schutzgebiets sind Kupfererzvorkommen erschlossen, von denen bisher nur die Khankupfergrube bei Swakopmund eine erhöhte wirtschaftliche Bedeutung in Anspruch nehmen darf. Das Erzvorkommen (Buntkupfererz) ist an Pegmatite gebunden. Der Kupfergehalt beträgt 6-7 %. Die Grube ist nach mehrjährigen Aufschlußarbeiten Anfang 1914 in regelrechte Förderung getreten. Die Erze werden an Ort und Stelle aufbereitet, die gewonnenen Konzentrate kommen zum Versand. - In der Aufschließung begriffen sind Zinnerzvorkommen (s. Zinnerz), welche im mittleren Teile des Schutzgebiets, zwischen der Küste und Omaruru entdeckt worden sind. Es handelt sich um Zinnstein. Das Erz tritt als akzessorischer Bestandteil von Pegmatitgängen auf und findet sich auch auf sekundärer Lagerstätte. 1912 wurden 75 t Zinnstein gewonnen, von denen 40 t verschifft wurden. Im nördlichen Teile des Kaokofeldes sind hochwertige Eisenerzlagerstätten bekannt.

4. B. in Kamerun. Bergbauliche Betriebe sind nicht vorhanden. Man kennt bituminöse Schiefer und Anzeichen von Öl im Crossbecken, Solquellen im Ossindingebezirk und Glimmer in Pegmatitgängen bei Essudan.

5. B. in Togo. Bekannt ist das Hämatitvorkommen des Eisenerzbergs bei Banjeli (s. Roteisenerz), auf welchem die Eingeborenen bescheidene Gewinnungsarbeiten treiben, ferner das Auftreten von Chromerzen mittleren Gehalts bei Glei. Goldspuren sind in mehreren Flüssen festgestellt worden.

6. B. in den Schutzgebieten der Südsee. Alluvialgold ist in den Flüssen, welche im östlichsten Teile von Kaiser- Wilhelmsland in den Huongolf münden, in bemerkenswerten Mengen festgestellt worden (s. Gold). Ein regelmäßiger B. hat indes noch nicht stattgefunden, während jenseits der Landesgrenze, in dem britisch-australischen Territorium Papua Alluvialgold in erheblichem Umfange regelmäßig gewonnen wird. Im Inselgebiete der Südsee sind auf den sog. niedrigen Inseln, welche durch Korallen gebildet sind, infolge der Einwirkung von Guano auf den Kalkstein Phosphate (s.d.) entstanden. Auf der zu der Marshallgruppe gehörenden Insel Nauru zeichnen sich die Phosphatlager durch große Reinheit, Härte und Massenhaftigkeit aus. Dort treibt die Pacific Phosphate Co. in London (s.d.), welche ihre Rechte von einem alten Vertragsrechte der Jaluit-Gesellschaft ableitet, erfolgreichen B. Die Ausfuhr hat betragen:

Neuerdings sind auch auf der Insel Angaur, zu der Inselgruppe der Palauinseln gehörend, bauwürdige Phosphatablagerungen festgestellt und von der Deutschen Südsee-Phosphat-Aktien-Gesellschaft in Bremen (s.d.) auf Grund einer vom RK. erteilten Sonderberechtigung in Ausbeute genommen worden. Es sind zur Ausfuhr gelangt:

Phosphate, welche auf verschiedenen, Kaiser-Wilhelmsland vorgelagerten Inseln festgestellt worden sind (Purdyinseln, Hermitinseln, Nissan) haben eine wirtschaftliche Beachtung noch nicht gefunden.

7. B. In Kiautschou. Über den B. an der von Tsingtau ausgehenden Eisenbahn s. Kiautschou. Literatur: Schmeißer, Die nutzbaren Bodenschätze und die Entwicklung des Bergbaus in den deutschen Schutzgebieten. Bresl. 1908.

Haber.