Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 184

Berliner Missionsgesellschaft. Diese Gesellschaft, die vorwiegend in den Kreisen der preußischen Landeskirche der östlichen Provinzen ihre Stütze findet, ist 1824 begründet worden und hat bis 1907 den Titel: "Gesellschaft zur Beförderung der evangelischen Missionen unter den Heiden zu Berlin" geführt (Sitz: Berlin NO 43, Georgenkirchstraße 70), wurde auch häufig als "Berlin I" bezeichnet. Ihr größtes Arbeitsgebiet liegt in Südafrika, wo sie seit 1834 in Synodalverbänden (Oranje- Synode 1834; Britisch-Kafferland 1837; Natal 1847; Kapsynode 1852; Süd- und Nordtransvaal 1865) 54786 getaufte Eingeborene versorgt, wobei die 97 europäischen Arbeiter (darunter 70 ordinierte) durch 780 eingeborene Hilfskräfte unterstützt werden. Dazu kommt Südchina (1867), wo 26 Europäer (darunter 19 ordinierte Missionare) mit 232 Chinesen an 8381 Christen tätig sind. Insgesamt unterhält die Gesellschaft 372 Elementarschulen, in denen 14934 Zöglinge ihren Unterricht finden. Auf deutschem Kolonialgebiet treffen wir die B. M. in Deutsch-Ostafrika und in Kiautschou (s. Mission, evangelische 4 und 10). An der Entwicklung des deutschen Kolonialwesens hat tatkräftigen Anteil genommen Missionsinspektor Dr. Merensky, der 1891 Führer der Expedition war, die im Kondeland die ersten Stationen anzulegen hatte. S. Mission, evangelische; Christen, eingeborene.

Literatur: A. Merensky, Deutsche Arbeit am Njassa, Deutsch-Ostafrika. Berl. 1894. - E. Kratzenstein, Kurze Geschichte der Berliner Mission in Süd- und Ostafrika. Berl. 1893. - 88. Jahresbericht der Berliner Missionsgesellschaft für das Jahr 1911. Berl. 1912. - C. Mirbt, Mission und Kolonialpolitik in den deutschen Schutzgebieten. Tübing. 1910. - S. Missionszeitschriften.

Mirbt.