Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 189

Besserungssiedlungen. Der Ausbau der Verkehrsstraßen und die von der Verwaltung geschaffene Verkehrssicherheit hat in Togo ein Wandern und Hinundherziehen der früher an die despotische Zucht der eingeborenen Machthaber gewöhnten Bevölkerung gefördert; insbesondere waren es jugendliche Elemente, in denen das Freiheitsgefühl ausgelöst wurde und die mehr als gut war, von der Freizügigkeit Gebrauch machten. Aus einem Teil der wandernden Leute hat sich ein arbeitsscheues Proletariat gebildet, welches sich der Landstreicherei und der gewerbsmäßigen Unzucht hingab. Diese Elemente, sowie gewohnheitsmäßige Verbrecher und solche, welche wiederholt wegen Eigentumsvergehens bestraft sind, werden in den B. wieder an geordnetes Leben und produktive Arbeit gewöhnt. Auch solche Personen finden in den B. Aufnahme, die wegen Mordes und anderer schwerer Straftaten verurteilt werden, bei denen aber infolge ihres tiefen Kulturstandes ein eigentlich verbrecherischer Wille nicht vorhanden ist und bei denen die Todesstrafe oder langjährige Freiheitsstrafe nicht angemessen erscheint. Die Begründung von B. wurde geregelt durch Runderlaß des Gouv. vom 23. Okt. 1909. ABl. T. S. 330-331. B. befinden sich in Chra (s.d.) und in Djabotaure (s.d.).

Literatur: Dr. Asmis, Die Besserungssiedlung an der Chra, Kol. Rundsch. 1911.

v. Zech.