Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 191 f.

Betel oder Sirih wird gewöhnlich als Genußmittel bezeichnet, ist aber auf Grund ausführlicher Untersuchungen der Bestandteile als diätetisches Mittel anzusehen, wenn auch würzende und narkotische Wirkungen als Nebenerscheinungen vorhanden sind. Die Bestandteile des Betels sind 1. die Areka -, Betel- oder Pinangnuß (s. Betelnuß) von der Betelpalme (s.d.), Areca Catechu, 2. das Betel- oder Sirihblatt von dem Betelpfeffer (s.d.), Piper betle, 3. Kalk, und 4. Gambir oder Katechu, d.i. der eingedickte Gerbstoff aus den Blättern von Uncaria Gambier und dem Holze von Acacia Catechu. Unter den weiteren Zusätzen ist vor allem noch der Tabak zu erwähnen. Außerdem findet man in manchen Betelbissen noch die verschiedensten Gewürze. Die genannten Bestandteile werden folgendermaßen verwendet. Auf die durch Abbrechen der Spitze und ev. durch Entfernen der Mittelrippe vorbereiteten, frischen Blätter wird entweder eine kleine Menge des breiigen Kalks gestrichen oder körniger Kalk gestreut. Dazu kommt dann eine kleine Scheibe der möglichst noch nicht ganz reifen Betelnuß und ein Stück Gambir oder ein Gambirblatt. Nachdem dann noch ev. Tabak und einige Würzen hinzugetan sind, werden die Betelblätter zusammengefaltet und das ganze wie Kautabak in den Mund gebracht, hin und her bewegt und ausgesogen. Infolge des Betelkauens tritt eine lebhafte Entwicklung von Speichel auf, der sich durch den Farbstoff der Betelblätter intensiv rot färbt. Das Betelkauen ist im wesentlichen an die Verbreitung des Betelpfeffers gebunden, da die Blätter frisch benutzt werden müssen. Es ist in ganz Ostindien, großen Teilen Melanesiens und in Westmikronesien zu finden und bis nach Ostafrika vorgedrungen. Dort sind es namentlich die Inder, die dem Genusse fröhnen, aber auch der Neger fängt an, Betel zu kauen. Die Bestandteile zum Betelkauen findet man an der ostafrikanischen Küste überall auf den Märkten, meist gleich in den nötigen Mengen zu einem Bissen zusammengelegt. Für die Aufbewahrung der Bestandteile und ihre Bearbeitung gibt es je nach der Kunstfertigkeit der verschiedenen Volksstämme und der Wohlhabenheit des Betelkauers mehr oder weniger wertvolle Kasten, Dosen, Messer und Scheren. S. auch Betelnuß, Betelpalme und Betelpfeffer.

Voigt.