Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 194

Betschuanen (s. Tafel 18), Kaffernstamm im Osten und Süden der Kalahari. Die B. bewohnen das nach ihnen benannte Gebiet des Britischen Betschuanalandes, sind aber vorwiegend im Osten desselben ansässig; doch haben sie sich allmählich auch in der genannten Steppe angesiedelt. Denn die armen Bewohner der inneren Kalahari, die Bakalahari, sind ebenfalls zu ihnen zu rechnen. Allerdings nehmen sie heute nicht mehr die Stellung eines Volkes ein, sondern sind als bloße Kaste aufzufassen, die zu den besser situierten B. in einem sozialen Gegensatz steht. Körperlich ist der B. den übrigen Kaffern Südafrikas nicht ganz gleich. Vielmehr unterscheidet er sich von ihnen durch niedrigere Statur und durch geringere Kraft, zeichnet sich aber durch intelligente, keineswegs negerhafte Gesichtszüge aus. Geistig steht er ziemlich hoch, und auch Friedfertigkeit wird ihm in seiner Heimat im Gegensatz zu den Kaffernstämmen im engeren Sinne nachgerühmt. Auch wirtschaftlich nehmen die B. unter den Völkern Südafrikas eine hohe Stufe ein. Landbau und Viehzucht spielen bei ihnen eine größere Rolle als die Jagd. Im deutsch- südwestafrikanischen Siedlungsgebiet leben seit längerer Zeit versprengte Angehörige des B.volkes, die ehemals im Gebiet der Kauashottentotten (s.d.) östlich vom Windhuker Lande saßen, dort aber sehr von dem äußerst räuberischen und gefährlichen Stamme bedrängt wurden. Neuerdings sind sie im Osten des Verwaltungsbezirks Gobabis, einige wenige auch im Bezirk Windhuk ansässig. Doch sind ihrer nur verhältnismäßige wenige, und ihre augenblickliche Kopfzahl dürfte rund 400 betragen. Außer den genannten B., die schwerlich zu den Bakalahari gehören, sind Angehörige des B.volkes in etwas größerer Menge auch im Okawango-Sambesigebiet ansässig, unter denen sich neben Bakalahari auch noch Batauana finden.

Literatur: G. Fritsch, Die Eingeborenen Südafrikas. Breslau 1872. - L. Schultze, Aus Namaland und Kalahari. Jena 1907. S. Passarge, Die Grundlinien im ethnographischen Bilde der Kalahariregion, ZGErdk. Berl. 1905. - F. Seiner, Ergebnisse einer Bereisung des Gebietes zwischen Okawango und Sambesi, Mitt. a. d. d. Schutzgeb. Berl. 1909.

Dove.