Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 198 f.

Bezirksgerichte, in den Schutzgebieten unter Zuziehung von Beisitzern erkennende Gerichte erster Instanz (§ 1 der Vf. des RK. vom 25. Dez. 1900). Das B. besteht aus dem Bezirksrichter (s.d.) als Vorsitzendem und zwei Beisitzern - in Strafsachen vier Beisitzern - (§ 8 KonsGG.; § 6 der Ksl. V. vom 9. Nov. 1900). Es ist zuständig für die durch das Gerichtsverfassungsgesetz und die Prozeßordnungen (Zivil- und Strafprozeßordnung) den Schwurgerichten (§ 7 der Ksl. V. vom 9. Nov. 1900) und den Landgerichten in erster Instanz zugewiesenen Sachen sowie für die Verhandlung und Entscheidung über das Rechtsmittel der Beschwerde gegen die Entscheidungen des Bezirksrichters in Strafsachen (§ 10 KonsGG.). - Die Bezeichnung B. wird im übrigen auch für die Gerichtsbehörden erster Instanz schlechthin gebraucht. An solchen bestehen zurzeit in den Schutzgebieten 20 und zwar 5 in Deutsch-Ostafrika mit dem Sitze in Daressalam, Tanga, Muansa, Tabora, und Moschi, 3 in Kamerun mit dem Sitze in Duala, Kribi und Lomie, 1 in Togo mit dem Sitze in Lome, 5 in Deutsch-Südwestafrika mit dem Sitze in Windhuk, Swakopmund, Keetmanshoop, Lüderitzbucht und Omaruru, 4 in Deutsch-Neuguinea mit dem Sitze in Rabaul (Bismarckarchipel), Friedrich-Wilhelmshafen (Kaiser-Wilhelmsland), Ponape (Ostkarolinen und Marshallinseln) und Jap (Westkarolinen, Palauinseln und Marianen), 1 in Samoa mit dem Sitze in Apia. Das Gericht erster Instanz von Kiautschou führt die Bezeichnung "Kaiserliches Gericht von Kiautschou" und hat seinen Sitz in Tsingtau (§ 1 der Dienstanweisung des RK. für die Ausübung der Gerichtsbarkeit im Kiautschougebiete vom 23. Okt. 1907).

Gerstmeyer.