Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 199

Bezirksräte. Eine V. des RK., betr. die Bezirksräte in Deutsch-Ostafrika, vom 16. Sept. 1911 (KolBl. S. 683) bestimmt, daß bei jedem Bezirksamt, in dessen Amtsbezirke nach der am Anfange des Kalenderjahres stattfindenden Berechnung wenigstens 30 männliche deutsche Reichsangehörige im Alter von mindestens 25 Jahren ihren Wohnsitz haben, ein Bezirksrat gebildet wird. Dies ist für 14 Bezirksämter geschehen (AV. v. 29. Okt. 1912, KolBl. 1913 s. 35). Der B. besteht aus dem Vorsteher des Bezirksamts, einem von dem Gouverneur ernannten und drei auf zwei Jahre gewählten ehrenamtlichen Mitgliedern oder deren Stellvertretern. Wahlberechtigt ist mit gewissen Ausnahmen jeder seit mindestens einem Jahr im Bezirke wohnhafte, nicht der Schutztruppe angehörende Reichsangehörige, der das 25. Lebensjahr vollendet hat. Wählbar ist jeder seit mindestens drei Jahren im Bezirke wohnhafte Wahlberechtigte. Die Wahl erfolgt auf Grund von Wählerlisten nach näher bestimmtem Modus. Bei Bezirksämtern mit weniger als 30 Wahlberechtigten kann der Gouverneur einen aus dem Vorsteher des Bezirksamts und zwei aus der Zahl der wählbaren Personen ernannten Mitgliedern bestehenden B. einsetzen. Die Zuständigkeit des B. umfaßt die Beratung über folgende Gegenstände: 1. die jährlichen Bedarfsnachweisungen (Anmeldungen der Wirtschaftssummen für den Bezirk zum Etat) und die Wirtschaftspläne über den Selbstbewirtschaftsfonds des Bezirks vor der Einreichung an den Gouverneur; 2. die Entwürfe der von dem Bezirksamtmann zu erlassenden oder in Vorschlag zu bringenden Verordnungen, sofern sie sich nicht auf das Gebiet einer Stadtgemeinde beschränken; 3. die von dem Gouverneur besonders bezeichneten Angelegenheiten. Der B. kann nur beraten, wenn außer dem Vorsteher des Bezirksamts wenigstens zwei Mitglieder oder ihre Stellvertreter anwesend sind. Abschrift des aufzunehmenden Protokolls ist dem Gouvernement einzureichen. Wegen der B. in Deutsch-Südwestafrika s. Selbstverwaltung.

v. König.