Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 201 ff.

Bienen und Bienenzucht. 1. Allgemeines. 2. Die echte Honigbiene. 3. Entwicklung der Imkerei. 4. Die rationelle Bienenzucht. 5. Krankheiten und Schädlinge der Bienen. 6. Echte und verfälschte Imkereiprodukte. 7. Die Bienenzucht in den deutschen Kolonien.

1. Allgemeines. Trotz der großen Fortschritte in der rationellen Bienenzucht und der rührigen Bestrebungen zu ihrer Hebung und Verbreitung ist Deutschland und ganz Europa nicht in der Lage, seinen Bedarf an Honig und Wachs aus eigener Produktion zu decken. Der Import aus fremden Ländern ist demgemäß recht namhaft, besonders seitdem erkannt wurde, daß echte Honigbienen nicht nur in den gemäßigten Zonen gedeihen und ihren Sammeleifer entfalten, sondern auch in wärmeren, selbst tropischen Klimaten, wie z.B. in Afrika, heimisch sind oder sich einbürgern lassen, ohne wie früher gefabelt wurde, ihre dem Menschen wertvollen Eigenschaften einzubüßen. Die stetige Nachfrage des europäischen Handels nach Imkereiprodukten hat schon lange zu erhöhter Beachtung der Bienenkultur auch in den deutschen überseeischen Besitzungen geführt. Die bald nach dem Beginn der deutschen Kolonialpolitik einsetzenden Bemühungen der Gouvernements und sonstigen maßgebenden Behörden um Förderung der Imkerei in den Schutzgebieten, deren Eingeborene schon mehr oder weniger damit vertraut sind, oder um Einführung moderner Bienenzucht bei den europäischen Ansiedlern und Pflanzern, hatten anfangs wenig Erfolg, beginnen aber allmählich, Früchte zu tragen.

2. Die echte Honigbiene (Apis mellifica) ist in der alten Welt weit verbreitet, lebt in Europa, Asien und Afrika einschließlich Madagaskar und Mauritius, wird aber in Ostindien durch einige andere Arten vertreten. Nord- und Südamerika, ebenso Australien, erhielten die Honigbiene erst von Europa aus. In beiden Erdteilen gewöhnte sie sich gut ein, breitete sich über die verschiedensten Landteile aus und verwilderte sogar stellenweise, z. B. in Amerika. - Entsprechend den physikalischen Verschiedenheiten ihres Verbreitungsgebiets haben sich mehrere Rassen und Varietäten der Honigbiene gebildet, die untereinander kreuzbar sind. Die bemerkenswerteren sind: die einfarbige, dunkle Biene Nord- und Mitteleuropas, die auch in einigen Gegenden Südeuropas und in Algerien vorkommt; die südeuropäische Biene mit gelblichem erstem Hinterleibring; die gebänderte Biene von Arabien und Ägypten an über Syrien, vom Südhang des Himalaya bis China verbreitet; die afrikanische, graugelbe Biene in ganz Afrika mit Ausnahme des Nordens einheimisch, und endlich die schwarze, madagassische Biene von Madagaskar und Mauritius. Als Abart der dunklen, einfarbigen Rasse ist die griechische Biene anzusehen. Die bekannte italienische Biene ist eine Varietät der südeuropäischen. Die Rassen und Varietäten zeigen nicht nur in ihrem Äußeren, sondern auch in ihrem Wesen und Charakter merkliche Unterschiede. Durch Kreuzung versucht der Imker gute Eigenschaften zu kombinieren, schlechte auszuschalten. Ein Bienenvolk bildet ein äußerst geordnetes, monarchisches Staatswesen, dessen Individuenzahl normal aus 30000-60000 Einzelwesen besteht. Der von einem Volk bewohnte Stock enthält neben Arbeitsbienen zeitweise Drohnen und stets nur eine Königin. Die Arbeiterinnen sind verkümmerte Weibchen und bilden die Hauptmasse. Die Königin, auch Weisel genannt, ist das einzige, dauernd im Stock vorhandene ausgebildete Weibchen. Die stachellosen größeren Drohnen sind Männchen, von denen aus unbefruchteten Eiern wohl eine große Anzahl erzeugt wird, aber nur eines zur Begattung der Königin beim sog. Hochzeitsflug dient. Eine andere Funktion kommt ihnen im Haushalt des Volkes nicht zu. Man findet sie vom Mai bis August in Mittel- und Nordeuropa im Bienenstock. Gegen das Ende des Sommerflors und mit dem Beginn der Vorbereitungen des Volks zur Einwinterung werden die Drohnen getötet oder vertrieben (Drohnenschlacht). Die Königin ist von ähnlicher Größe aber schlanker wie die Drohne, hat getrennte Augen und einen Stachel. Als Alleinherrscherin duldet sie keine Rivalin. Einmal auf dem Hochzeitsflug begattet, vermag sie 3-5 Jahre hindurch täglich etwa 3000 Eier zu legen, aus denen je nach der der 3 Tage später ausschlüpfenden Larve von den schon vorhandenen Arbeitern zuteil werdenden Pflege und Ernährung, entweder Arbeitsbienen, Königinnen oder Drohnen entstehen. Ein zur Aufzucht einer Königin bestimmtes Ei oder eine ganz junge, höchstens 4 Tage alte Larve wird in einer besonders großen Zelle, der Weiselzelle, mit dem durch eine Art Vorverdauung von Pollen und Honig im Magen der jungen Arbeiterinnen gebildeten Futtersaft ernährt, der etwa doppelt soviel fett- und stickstoffhaltige Substanzen enthält als die den übrigen Larven vom 4. Tag an gereichte Nahrung. Königin und Arbeiterinnen sind mit einem Giftstachel bewehrt, den jene nur zum Kampf gegen eine Rivalin benutzt, diese jedoch nicht nur zur Verteidigung, sondern auch zum Angriff gebrauchen. Der Stachel mit dem anhängenden Giftapparat wird beim Stechen vom Körper der Arbeiterin losgerissen, was den Tod der Biene zur Folge hat. Die wilde Biene sucht als Wohnung hohle Baumstämme, Felsspalten, Erdlöcher auf, selten baut sie sich freihängend an. Charakteristisch ist der Bau von Waben aus Wachs, d. h. senkrecht befestigten Scheiben von verschiedener Form und Größe, auf deren Mittelwand beiderseits horizontale, sechseckige Zellen von 11,5 mm Tiefe dichtgedrängt errichtet sind. Der Wabenbau erfolgt mit größtmöglicher Ersparnis an Material von oben nach unten in genau der Zellentiefe entsprechenden Abständen. Die frische Wabe ist von weißer Farbe, wird aber bald gelblich, nach längerem Gebrauch für Brutzwecke dunkel und dickwandig. Form und Größe der Zellen sind jeweils ihrer Bestimmung angepaßt. Abgesehen von Rand- und Übergangsformen sind drei Arten zu unterscheiden. Die Arbeiterzellen sind am kleinsten und zahlreichsten, größer und weiter werden die Drohnenzellen gebaut. Die Königinzelle (Weiselwiege) erhält eine ganz besondere Form und Lage, sie ist tonnen- oder birnenförmig und nach abwärts gerichtet. Sie wird nach dem Gebrauch abgebrochen, während die Brutzellen der Arbeiterinnen und Drohnen etwas verlängert und mit Honig gefüllt werden. - Die Vermehrung des Bienenvolks erfolgt ausschließlich durch die Königin, die während der Brutzeit leere Zellen je mit einem Ei belegt (bestiftet). Nach 6 Tagen bei Arbeiterinnen und Drohnen, nach 5 1/2 bei Königinnen verpuppt sich die madenähnliche Larve, worauf von den Bienen die Zelle gedeckelt wird. Die Königin schlüpft schon nach 8 1/2 Tagen, die Arbeiterin nach 11-12 und die Drohne erst nach 15 Tagen aus. Individuenreiche Völker erzeugen Drohnen und Weiseln zur Zeit der besten Honigtracht. Etwa 6-7 Tage, bevor eine junge Königin ausschlüpft, zieht die alte mit einem größeren Teil ihres Volkes aus dem Stocke weg. Dieser abziehende Schwarm ist der Erst- oder Vorschwarm. Der Vorgang des Schwärmens kann sich je nach den Verhältnissen des Volks noch ein bis mehrere Male wiederholen und dient zur Verbreitung der Honigbiene, da der Schwarm sich anderwärts anzusiedeln pflegt. Die Haupttätigkeit der Bienen besteht im Einsammeln von Honig und Blütenstaub als Nahrung für den Nachwuchs und das Volk während honigarmer Zeit oder während des Winters. Am Einsammeln beteiligen sich weder die Königin noch die Drohnen. Der Honig wird aus verschiedenen zuckerhaltigen Ausscheidungen der Pflanzen und Insekten erzeugt, vorwiegend aus dem Zuckersaft (Nektar) von Blüten, teilweise auch von den süßen Sekreten der Blattläuse (Honigtau). Erst durch eine chemische Umsetzung im Magen der Biene entsteht aus dem Nektar der Honig, eine sirupähnliche, oft auch dickere, beim Liegen teilweise kristallinisch werdende Substanz von weißer, hellgelber bis brauner Farbe und aromatisch süßem Geruch. Der frische Honig hat noch weitere Reifungsprozesse, z.B. Eindickung, Zusatz von Ameisensäure, durchzumachen, ehe er seine volle Haltbarkeit und sonstigen Eigenschaften erlangt. Die honiggefüllten Zellen werden von den Bienen erst dann gedeckelt, wenn dieser Zustand erreicht ist. Der Blütenstaub oder Pollen liefert den Bienen stickstoffhaltige Nahrung als Ergänzung zum Honig. - Pollen wird von den verschiedensten blühenden Pflanzen eingeheimst, auch von Grasarten. Leicht mit Speichel angefeuchtet, heften ihn die Arbeiterinnen an dem sog. Körbchen, einer besonderen Vorrichtung an den Hinterbeinen in Form von "Höschen" fest und tragen ihn so zum Stock. Die Arbeiterinnen ernähren sich von rohem Nektar und Pollen. Für die Königin, Drohnen und Larven bereiten sie dagegen in dem früher genannten Futtersaft eine besondere, jeweils zweckmäßig zusammengesetzte Speise. - Kaum weniger wichtig als der Honig ist für das Bienenvolk die Wachserzeugung, die ebenfalls ausschließlich den Arbeiterinnen obliegt und das Material für den genannten Wabenbau liefert. Das Wachs entsteht als eine Art Ausschwitzung an den sog. Spiegeln der letzten 4 Bauchschuppen, an denen es in Gestalt kleiner Blättchen hervortritt. Zum Bauen werden diese Blättchen gesammelt, zwischen den Kiefern geknetet, angespeichelt und die so gewonnene, gebrauchsfertige Masse mit den Mundteilen passenden Orts angebracht und zweckentsprechend zu glatten, dünnen Wabenwänden verarbeitet. Für die Wachserzeugung verzehren die Arbeiterinnen größere Mengen von Honig und Pollen. Man rechnet, daß sie zur Lieferung von einem Teil Wachs mehrere Teile Honig nötig haben. Zum Kleben, Verkitten und Verstreichen von Lücken und Ritzen in ihrer Wohnung sammeln die Bienen harzige Substanzen von Pflanzen, z.B. von Erlen- und Kastanienknospen, Nadelhölzern usw. ein, die als Stopf- oder Vorwachs (Propolis) bezeichnet und wie der Pollen an den Hinterbeinen befestigt, transportiert werden. Das Wachs ist eine gelbe bis braune, aromatisch riechende, fettähnliche Substanz, wie die Fette mit Laugen verseifbar, aber ohne Bildung von Glyzerin. Wenig leichter als Wasser ist es in der Kälte spröde und hart, wird in der Hand weich und knetbar und schmilzt bei 61-64° C.

3. Entwicklung der Imkerei. Die hohe Wertschätzung der Erzeugnisse der Bienen hat den Menschen offenbar schon früh veranlaßt, sich von der Zufälligkeit der Erlangung unabhängig zu machen und die Biene gewissermaßen zu domestizieren. Der erste Schritt dazu mag die regelmäßige mehr oder weniger schonende Ausbeutung stationärer Völker in Baumhöhlen gewesen sein. Der zweite dürfte darin bestanden haben, daß der Mensch dem Bienenvolke hohle Baumabschnitte, sog. Klotzbeuten, oder andere Behältnisse, die wilde Völker gelegentlich von selbst beziehen, darbot, zunächst einfach abwartend, ob sich ein Schwarm ansiedelte oder nicht und daß er solche Hohlräume entweder in der Nähe seiner Behausung oder da aufstellte, wo nach seiner Beobachtung sich die Bienen mit Vorliebe tummelten. Bald wird er erkannt haben, daß schwärmende Völker eine schon benutzte aber leere Wohnung oder eine neue, in der sie Spuren von Wachs, Waben oder Honig antreffen, den anderen vorziehen, ja geradezu von diesen Stoffen angelockt werden, daß weiterhin ein Volk zu bestimmten Zeiten nur Brut, zu anderen aber Mengen von Honig in den Waben birgt und demgemäß die Ausbeutung einzurichten ist. Auch heute noch wird selbst in Europa stellenweise eine solche, auf einfachem Raubbau beruhende Bienenhaltung betrieben, d. h. für die Bienen werden Stammabschnitte, Kisten, Tongefäße usw. passenden Orts aufgestellt, das Volk bis zur Beendigung der Honigtracht sich selbst überlassen, hernach ausgeräuchert und der Honig geerntet. Dabei verlieren viele Bienen und Brut das Leben, und der Geschmack des Honigs wird verschlechtert. Von den Negern Deutsch- Ostafrikas und vielleicht auch von anderen Naturvölkern wird womöglich auch die Brut verzehrt. Die Gewinnung eines Qualitätshonigs vereiteln die übrigen Manipulationen, die mit den Waben vorgenommen werden. Einmal wird nicht darauf geachtet, daß der Honig reif, also gedeckelt ist. Unreifer Honig aber geht leicht in Gärung über. Sodann werden die Waben gewöhnlich einfach mit den Händen ausgedrückt oder ausgekocht, wobei Pollen und Bienenreste den zur Aufbewahrung bestimmten Honig verunreinigen und entwerten. Auch dem Wachs wurde nicht die gebührende Aufmerksamkeit geschenkt. Vielfach fehlte jede Verwendung dafür, und es wurde weggeworfen. Manche Negerstämme Ostafrikas verschluckten es mit dem Honig oder kauten die Waben aus und ließen das Wachs zurück oder schmolzen es mit allen Verunreinigungen aus. - Aus diesen primitiven Anfängen der Bienenhaltung mit Raubbau entwickelten sich langsam bessere und wirtschaftlichere Stufen der Imkerei in Europa und besonders in Deutschland. Der Bien wurde in zweckentsprechenderen Behältnissen (Kästen, Strohkörben) untergebracht, die eine für den An- und Abflug des Volkes günstige Aufstellung erhielten und im Winter nicht nur vor übermäßiger Abkühlung geschützt, sondern auch mit geeigneten Vorrichtungen versehen wurden, um etwa durch die Länge der trachtlosen Zeit verursachter Hungersnot durch künstliche Fütterung begegnen zu können. Waren zunächst Arbeiten von seiten des Imkers innerhalb des Stockes umständlich, schwierig und mit großen Störungen des Volks verbunden, weil die Waben unbeweglich an den Wänden der Bauten festgeklebt waren und das Leben des Biens nur mangelhaft beobachtet werden konnte, so ließen sich doch an diesen einfachen Kunstbauten genügende Erfahrungen als Grundlage für weiteren Fortschritt gewinnen. Alle die verschiedenen älteren Systeme mit unbeweglichen Waben (Immobilbau) sind schließlich durch das von Pfarrer Dzierzon erfundene System des Mobilbaues wohl nicht ganz verdrängt, aber doch überholt worden, das von Freiherrn von Berlepsch eine weitere Vervollkommnung erfuhr. - Nach diesen Grundlagen sind nun zahlreiche Modelle mit den verschiedensten Abänderungen und Verbesserungen entstanden. - Außer der Gewinnung von Honig und Wachs strebt der Imker eine sachgemäße Zucht von Königinnen (Weiselzucht) an, um seine Bienenrasse zu vermehren, seinen Völkern stets junge Weiseln geben zu können, besonders für den Fall, daß Weisellosigkeit oder Drohnenbrütigkeit eintreten sollte oder Ableger zu beweiseln sind. Da die Königin gewissermaßen die Seele des Volkes ist, bedroht ihr Verlust die Existenz desselben und muß baldigst durch Zuteilung einer neuen Königin ausgeglichen werden. Drohnenbrütigkeit, d.h. der Zustand, in dem ein Volk nur noch oder in unerwünschter Überzahl Drohnen erzeugt, tritt besonders dann ein, wenn die Königin keinen genügenden Vorrat mehr an Samen zur Befruchtung der Eier besitzt, sie also für ihre Zweckbestimmung zu alt ist.

4. Die rationelle Bienenzucht sucht auf alle Weise den Stöcken eine bestimmte, durch Erfahrung als zweckmäßig erkannte Größe zu erhalten. Zwei schwache Völker werden deshalb zu einem vereinigt, zu große entweder zum Schwärmen gebracht oder künstlich geteilt. Die Zahl der Völker hängt nicht nur von den Mitteln an Zeit und Geld des Imkers ab, sondern auch von der sog. Bienenweide, also von der umgebenden Vegetation bzw. von der Quantität des von ihr erzeugten Nektars und von den Witterungsverhältnissen. In schlechten Honigjahren hat der Imker auf die richtige Ernährung seiner Völker auch im Sommer zu achten. Die Beuten werden gewöhnlich zu mehreren in besonderen Schuppen, Gestellen oder Pavillons aufgestellt, also in geschlossenem Stande. Vor der einfachen Aufstellung der Einzelbeuten hat diese Unterbringung in Bienenständen den großen Vorteil leichteren Arbeitens am Stock, geringerer Belästigung, durch die Bienen und der Platzersparnis. - Die Beute oder der Bienenstand müssen möglichst vor Zug geschützt aufgestellt werden, etwa mit der Flugrichtung nach Südost. Der Ausflug soll frei sein, jedoch nicht auf Seen oder breite Flüsse gehen. In den Tropen ist ganz besonders darauf zu achten, daß die heiße Mittagssonne weder auf das Dach der Beute, noch auf die Vorderwand brennt und eine Überhitzung des Stocks verursacht. Für Beschattung durch Bäume oder breit überstehende Dächer muß nötigenfalls gesorgt werden. In den gemäßigten Zonen genügt oft eine schlechte Sommertracht nicht zur Erhaltung der Völker während der trachtlosen Zeit. Um seinen Bien vor dem Verhungern zu bewahren, greift der Imker zu künstlicher Fütterung mit passenden Nährstoffen, z. B. Zuckerwasser und Mehl. Während des Winters gibt die Biene keine Exkremente ab, sondern erst am ersten sonnigen Frühjahrstag beim sog. Reinigungsflug. -Wie schon angedeutet, eignet sich die rationelle Bienenzucht mit Ausnahme der Polargegenden für alle Klimate, sofern die Voraussetzungen genügende Mengen von Nektar und Pollen gegeben sind und den örtlichen Verhältnissen durch die Wahl entsprechender Beuten, Systeme und Bienenrassen Rechnung getragen wird. Für Afrika südlich der Sahara dürfte die afrikanische Biene als ortsständig gegeben sein. Es liegen genügend Erfahrungen über ihren Sammelfleiß, ihre geringe Empfindlichkeit gegen Krankheiten und über ihre Fähigkeit vor, sich gleichermaßen dem einfachsten Klotzbeutensystem der Eingeborenen, jedem anderen Stabilbau wie dem modernen Mobilbau anzupassen, kurz, daß sie sich in ihrem ganzen Verhalten von den europäischen Bienenrassen nicht unterscheidet. Die ihr nachgesagte größere Stechlust wird von Kennern in Abrede gestellt. Von Versuchen, sie als Tropenkind in andere tropische Kolonien überzuführen, ist nichts bekannt. - Die tropische Bienenzucht hat mit anderen Verhältnissen zu rechnen als die europäische. Der Wechsel der 4 Jahreszeiten fällt zumeist weg, vor allem die völlig trachtlose Winterzeit, und die Vegetations- und Temperaturkontraste sind bedeutend abgeschwächt. Zumeist wird nur mit einer Trocken- und einer Regenperiode zu rechnen sein, allerdings in hochgelegenen oder steppen- bis wüstenähnlichen Gegenden auch mit starken Abkühlungen in der Nacht. Immerhin erleidet die Eintragung von Honig und Futter kaum längere Unterbrechungen. Demgemäß gestalten sich die inneren Vorgänge im Bienenstock, wie Schwärmen, Drohnenerzeugung, Anlage von Waben für die Brut der Arbeiterinnen und die Vorräte weniger scharf auf bestimmte Perioden beschränkt als in den gemäßigten Zonen. Manche Tropenlandschaften bieten jahraus jahrein alles zur Erhaltung des Biens Erforderliche. Danach haben sich die Maßnahmen des praktischen Züchters zu richten. Für die afrikanische Biene ist zu beachten, daß sie sich weniger leicht als andere Rassen in neue Wohnungen eingewöhnt und daß ihr womöglich einige Brutwaben zur Seßhaftmachung mitzugeben sind. Außerdem scheint sie zu Zeiten ungünstiger Ernährungsverhältnisse nach Orten mit günstigeren Lebensbedingungen zu wandern. - Im tropischen Pflanzenleben spielt die Biene als Befruchterin von Blüten dieselbe Rolle wie anderwärts. Es ist besonders empfohlen worden, sie in einzelnen Plantagenkulturen in ausgedehntem Maße einzubürgern (Kaffee, Tee, Manihot- oder Cearakautschuk, Kakao usw.), weil sie dort zeitweise oder dauernd reiche Nektarvorräte findet, die Blüten bestäubt und im Fall der Unrentabilität der Honigverwertung immer noch als Wachslieferantin schätzbar ist. - Für den Kolonisten ist unter der Voraussetzung einiger Vorbedingungen die Imkerei sowohl im Neben- als auch im Hauptbetrieb empfehlenswert, schon allein deshalb, weil ihre Erzeugnisse stets Absatz finden und hoch bewertet sind. Die Entscheidung darüber, ob die Zucht der Honiggewinnung oder der Wachserzeugung ein vermehrtes Interesse zuzuwenden habe, muß sich nach der Marktlage der beiden Produkte, nach den Transportkosten und - möglichkeiten richten. - Zu berücksichtigen ist dabei, daß Honig von Übersee bei geringerem Wert ein größeres Volum einnimmt als das Wachs, mehr Sorgfalt bei der Gewinnung, größere Ausgaben und Arbeiten für die seemäßige Verpackung erfordert. Zudem gibt es manche Honigsorten, die wegen widriger Eigenschaften (bitterer Geschmack, Unbekömmlichkeit, sogar Giftigkeit) keine Abnehmer finden und die am besten an die Bienen verfüttert werden, damit sie desto mehr Wachs liefern. - In manchen Gegenden wird der Kolonist, Pflanzer o. der Farmer die Erträgnisse seiner Bienenzucht durch Anlage einer Bienenweide, d.h. durch Anpflanzung von ebenso reichlich und lang blühenden als viel Honig liefernden Pflanzen in größerer Menge vermehren können. In den Tropen bietet die Baummelone oder Papaya (Carica papaya) in ihren männlichen Blüten jahraus jahrein süßen, aromatischen Nektar dar, und das schöne Rasen bildende Bermudagras wird wegen der Menge seines Pollens sehr gern von den Bienen aufgesucht.

5. Krankheiten und Schädlinge der Bienen. Die Bienenvölker werden ab und zu von Krankheiten und Parasiten heimgesucht. Seuchenartig tritt besonders die als Darmerkrankung an den gelben flüssigen Entleerungen erkennbare Ruhr und die Faulbrut auf. Die Faulbrut gilt für das schlimmere Übel, sie tritt in 3 verschiedenen Formen auf, die gedeckelte oder ungedeckelte Larven befallen und mit ihrem Absterben in den Brutwaben endigen. Heilmittel für beide Krankheiten gibt es nicht. Die Erreger der Faulbrut im engeren Sinn und der als Brutpest leicht damit zu verwechselnden Form bilden eine ständige Ansteckungsgefahr. Vernichtung der befallenen Völker und gründliche Desinfektion aller Geräte ist die einzige sichere Abhilfe. Gegen die Einschleppung der Faulbrutseuchen suchen sich neuerdings die Orangeflußkolonie, Kapkolonie, Natal, Transvaal und Portugiesisch-Ostafrika durch Einfuhrverbote oder Beschränkungen für Bienen, gebrauchte Bienenstöcke oder -geräte, selbst von Honig und Wachs zu schützen, wenn letztere nicht bestimmten Bedingungen entsprechen. Für Bienenwachs und künstliche Waben verlangt die Kapkolonie eine Erklärung, daß das Wachs mindestens 2 1/2 Stunden lang bei 212° Fahrenheit = 100° C eingeschmolzen sei und daß auf dem Erzeugungsort oder in dessen Umgebung bis auf 2 Meilen keine Bienenkrankheit geherrscht hat. Von Erkrankungen afrikanischer Bienen fehlt nähere Kunde. Die Ruhr wird ungeeigneter Winterfütterung, Beunruhigung der Völker im Winter, möglicherweise einer zu langen Hinausschiebung des Reinigungsfluges und Nässe im Stock zugeschrieben. Parasiten von geringerer oder größerer Schädlichkeit suchen häufig die Bienenvölker heim. Man kann sie in 3 Gruppen einteilen: Schädlinge, die den Bienen und ihren Larven nachstellen, Schädlinge, die Honig räubern, und endlich Schädlinge am Wachs. Die Bienen werden von verschiedenen insektenfressenden Vögeln außerhalb des Stockes weggeschnappt (Rotschwänzchen, Bienenfresser [s.d]), von Spechten zur Winterszeit auch aus den Beuten geholt. Mäuse, Ratten und Spitzmäuse, in den afrikanischen Tropen auch sog. Glattechsen, suchen ebenfalls in die Wohnungen der Bienen zur Stillung ihres Hungers einzudringen. Die Netzspinnen fangen weitere Arbeiterinnen weg. Als echter Schmarotzer lebt die Bienenlaus vorwiegend gern auf der Königin, deren Mahl sie teilen soll. Der Brut stellen einige Insekten, teils im Larven-, teils im fertigen Zustand nach. Auch der Neger Ostafrikas verzehrt sie roh oder gekocht gelegentlich. Der Honig ist von raubenden Bienenvölkern und Wespen, ferner von einigen Nachtschwärmern (Totenkopf) am meisten gefährdet; in den Tropen kommen dazu einzelne Ameisenarten, die oft auch gleichzeitig die Larven stehlen und in Afrika der Honigdachs (s.d.). Zwei Arten von Wachsmotten, in Deutsch-Ostafrika schon nachgewiesen und offenbar weit verbreitet, vertilgen das Wachs der Waben und Spinnen sich lange Röhren mit Not vermengt um ihre Gänge, hüllen sich zur Verpuppung in graue, feste Kokons ein, die besonders gern in Ecken und Ritzen angelegt werden. Als Abwehr gegen die kleinen, krabbelnden Schädlinge, wie Ameisen usw., stellt man die Beuten auf Füße, die in ölgefüllte Blechbehälter tauchen, oder man nagelt Blechrinnen um die Fußpfosten des Bienenstands, die mit nichttrocknendem Öl beschickt werden (z.B. Paraffinöl, Erdöl).

6. Echte und verfälschte Imkereiprodukte. Honig und Wachs als wertvolle Handelswaren sind vielen Verfälschungen ausgesetzt. Als echten Honig bezeichnet man nur den nach den früher gemachten Angaben von der Biene erzeugten Süßstoff, dessen Rohmaterialien aus Blütennektar, Ausscheidungen von Blattläusen und Koniferen oder aus süßen Säften lebender Früchte bestehen. Säfte von nicht mehr lebenden Pflanzenteilen, z.B. Zucker von Zuckerrüben in der Zuckerfabrik gehören nicht zu diesen Rohstoffen für Honig. Nach der Art der Gewinnung unterscheidet man (Festsetzungen des ksl. Gesundheitsamts für Lebensmittel):
a) Scheiben- oder Wabenhonig, der sich noch in unbebrüteten Bienenwaben befindet;
b) Tropf-, Lauf- , Senk- oder Leckhonig als Honig, der ohne Anwendung mechanischer Hilfsmittel von selbst aus unbebrüteten Waben ausfließt;
c) Schleuderhonig, aus unbebrüteten Waben mittels Schleudermaschine;
d) Preßhonig, durch Pressen auf kaltem Wege und
e) Seimhonig, durch Erwärmen und nachfolgendes Pressen gewonnenen Honig, ebenfalls aus unbebrüteten Waben.
Weitere Bezeichnungen geben die Herkunft an (Blüten-, darunter z.B. Linden-, Akazienhonig; Honigtau-, Koniferenhonig) oder den geographischen Ort der Erzeugung (Havannah-, Cubahonig). Gärender, schimmelnder, stark verunreinigter oder angebrannter Honig ist als verdorben anzusehen, ebenso andere daraus hergestellte Honiggemische. Erzeugnisse, die der Begriffsbestimmung für Honig nicht entsprechen, sind verfälscht, nachgemacht oder irreführend bezeichnet, wenn sie mit diesem Namen belegt werden. Honigähnliche Stoffe von Bienen eingetragen, z.B. aus Zucker oder zuckerhaltigen Substanzen können auch dann nicht als Honig gelten, wenn sie damit vermischt sind. Tropf- und Schleuderhonig können als gleichwertig angesehen werden. Preßhonig ist weniger hoch, aber immer noch höher zu schätzen als Seimhonig. Zur Herstellung von Kunsthonig und zur Verfälschung echten Honigs dienen Invert-, Rohr-, Rübenzucker und Stärkesirup. Alle diese Stoffe und Mischungen, ebenso auch durch andere Manipulationen, wie Färben und Aromatisieren, veredelte Produkte müssen als Kunsthonig bezeichnet werden. - Ebenso wie der Honig wird auch das Bienenwachs recht häufig verfälscht, mit anderen Stoffen vermischt oder durch Surrogate ersetzt. Das reine Bienenwachs besteht ausschließlich aus dem Abscheidungsprodukt des Bienenkörpers, hat aber trotzdem, je nach der Herkunft und der Nahrung der Biene, etwas wechselnde Eigenschaften, besonders verschiedene Farbe und Geruch. Als natürliche Beimengungen sind Pollenkörner (Blütenstaub) anzusehen. Alle anderen Beimischungen von Fremdstoffen müssen als Verunreinigungen oder betrügerische Zusätze gelten, z.B. Fetzen von den Gespinnsten der Bienenlarven in den Brutwaben, Teile des Bienenkörpers, Ziegen- und Rindertalg, Ceresin (Mineralwachs), Paraffin, Kolophonium, Stearinsäure, Preßtalg, Japanwachs (vegetabilisches Wachs) usw. Außer diesen Stoffen, die wegen ihres dem Wachs gegenüber bedeutend geringeren Wertes zum größten Teil zum Zweck absichtlicher Täuschung mit dem Bienenwachs verschmolzen oder untereinander zur Herstellung wachsähnlicher Fabrikate gemischt werden, kommen noch Fremdkörper, wie Sand, Kalkstaub usw., zum Zweck betrügerischer Beschwerung. Weitaus die meisten dieser Verfälschungen lassen sich mit einiger Sicherheit auf physikalischem oder chemischem Wege nachweisen. Schwieriger ist die Unterscheidung des sog. "Hummelwachses" aus Deutsch-Ostafrika und Südamerika von Bienenwachs. Dieses Surrogat gelangt von seiten der Eingeborenen häufig in den Handel, ohne daß es bislang möglich gewesen wäre, seinen Ursprung genau zu ermitteln und wesentliche leicht erkennbare Unterschiede in seiner chemischen Zusammensetzung nachzuweisen. Das Hummelwachs im reinen Zustand, also nicht mit Bienenwachs gemischt, ist in der Farbe dem Bienenwachs ähnlich, hellgelb, rötlichgelb bis braun gefärbt. Im Bruch zeigt es ein gröberes Korn als Bienenwachs, und beim Anfassen fühlt es sich fettig, schmierig an. Der feine Honiggeruch des echten Wachses fehlt ihm. Obgleich diese Merkmale zur Erkennung eines ungemischten Produktes genügen, so erschwert sich doch die Feststellung dieses Surrogats für den europäischen Aufkäufer in den Tropen deshalb, weil unter wärmerer Temperatur auch echtes Wachs etwas schmierig anzufühlen ist und sein Geruch zurücktritt. Fest steht, daß das Hummelwachs normalerweise weder von Honigbienen, noch von Hummeln stammt, denn diese fehlen im ganzen tropischen Afrika so ziemlich vollständig. Wohl aber findet man in den Ursprungsländern des Hummelwachses sog. stachellose Bienen aus den Gattungen Melipona, Trigona und Verwandten, die zum Wabenbau ein ähnliches mehr harziges Wachs produzieren, hauptsächlich und stellenweise in großen Mengen unter der Erde in sehr geräumigen Nestern leben. Diese kleinen Bienen tragen in große Gefäße aus Wachs und einer papierähnlichen Substanz, die seitlich von den Brutwaben stehen, einen dünnflüssigen, ziemlich sauren Honig ein, der z.B. von Massai und Negern sehr gern ausgehoben wird. Deutsch-Ostafrika (Lindi und Pangani) liefert neben Südamerika das meiste Hummelwachs. Bis genauere Ermittlungen vorliegen, wird man die stachellosen Bienen als Erzeugerinnen des minderwertigeren Hummelwachses betrachten dürfen. - Im Hinblick auf den Aufschwung des Wachsexports in Deutsch-Ostafrika hat das Gouvernement schon im Jahre 1899 (24. Febr.) eine Verordnung gegen Verfälschungen des Bienenwachses erlassen und Geldstrafen bis zu 1000 Rp. oder Freiheitsstrafen für Zuwiderhandlungen festgesetzt.

7. Die Bienenzucht in den deutschen Kolonien. An der Produktion von Honig und Wachs sind die deutschen Kolonien in Afrika in sehr ungleichem Maße beteiligt, ebenso in bezug auf die Ausfuhr. Zum Export gelangt vorerst fast nur Wachs und zwar in fast dominierender Menge aus Deutsch- Ostafrika, das in den Jahren 1905/08 durchschnittlich für über 1 Mill. M auf den Markt brachte (1905: 566 764 kg im Wert von 1289 649 M, 1907: 685402 kg im Wert von 1471348 M). In den Jahren 1909 und 1910 sank die Ausfuhr auf rund 300000 kg im Wert von ca. 665000 M. Kamerun, das nach verschiedenen Berichten am Kamerungebirge in gesunder Höhenlage alle Vorbedingungen für Bienenzucht durch Europäer bietet, hat bis jetzt kaum nennenswerte Mengen von Bienenprodukten ausgeführt, Togo und Deutsch-Südwestafrika so gut wie nichts. Diesen Ziffern mögen einige Angaben über die Einfuhr von Honig und Wachs allein für Deutschland gegenübergestellt werden aus Berichten, die je die ersten 6 Monate von 1907 bis 1912 umfassen:

Das Mehr der Einfuhr gegenüber der Ausfuhr schwankte in dieser Zeit für Wachs zwischen 2049 und 6164 dz. Deutschland hat also um diese Quantitäten zu wenig Wachs selbst erzeugt und wird aller Voraussicht nach infolge der Unrentabilität der Bienenzucht, durch Bienenseuchen und schlechte Trachtjahre verursachten Rückgangs der Erträgnisse in der nächsten Zeit noch weniger liefern. Mit einer Gesamteinfuhr von 24580 dz im Jahre 1911, zumeist aus Abessinien, Ostafrika, Westindien, Portugiesisch-Westafrika, Argentinien, Brasilien, Chile, Madagaskar, Nordafrika, Ostasien, der Balkan- und Iberischen Halbinsel nach der Größe ihres Anteils an der Lieferung geordnet bezogen, steht Deutschland an der Spitze der wachseinführenden Länder (Apothekerzeitung, Berl. 11. Sept. 1912, Nr. 73). Der meiste in Deutschland eingeführte Honig stammt aus Mittel- und Südamerika, Kuba, Domingo, Haiti, Jamaika, Chile, Peru, Kalifornien, Mexiko, Brasilien und Argentinien, und gelangt ebenso wie der Wachsimport hauptsächlich in Hamburg auf den Weltmarkt. - Die Preise für Honig und Wachs schwanken naturgemäß sowohl nach der Qualität als auch nach der Konjunktur auf dem Markte innerhalb bestimmter Grenzen: Honig etwa von 20-45 M für 50 kg (50 M Einfuhrzoll in Deutschland für 100 kg), Wachs etwa 136-165 M für 50 kg (10 M Einfuhrzoll in Deutschland für 100 kg). - Der stetige ansehnliche Bedarf Europas über die Eigenproduktion und die günstigen Bedingungen für Bienenzucht in warmen Zonen haben besonders in letzter Zeit zahlreiche Staaten überseeischer Länder zur Hebung der Bienenzucht veranlaßt. In den Vereinigten Staaten, Brasilien, auf Kuba, in Neuseeland usf. werden Anstrengungen zur Vermehrung und Verbreitung der Züchtereien gemacht. In den deutschen Schutzgebieten, vor allem in dem schon jetzt so produktiven Deutsch- Ostafrika, hat die Imkerei nach verschiedenen von den Ksl. Gouvernements und der Zentralstelle des Hamburgischen Kolonialinstituts gesammelten Berichten zweifellos eine große Zukunft. Die Eingeborenen des Bezirks Sokode-Bassari in Togo beuten wilde Bienenvölker aus, um den Honig, teilweise zu einer Art starken Bieres mit vegetabilischen Zusätzen vergoren, zu genießen und das Wachs wenigstens zum Abdichten von Wassertöpfen oder beim Gelbgießen zu verwenden. In Kamerun soll sich die Biene mit Vorliebe auf Höhen von 1500 bis 1800 m des Kamerungebirges aufhalten und Nektar aus den Wiesen von Bergklee sammeln. Die Eingeborenen genießen den Honig teils roh, teils ebenfalls zu einem berauschenden Getränk vergoren und gebrauchen das Wachs in ähnlicher Weise wie die Togoneger. In beiden Kolonien sind Versuche mit der Domestikation der Wildbienen angestellt und günstig ausgefallen, so daß einer Einrichtung von größeren Betrieben das Wort geredet werden kann. Mit der Vermehrung der Farmen in Deutsch-Südwestafrika, der Plantagen in Deutsch-Neuguinea und mit der zunehmenden Einwanderung von sachkundigen Ansiedlern dürfte die rationelle Bienenzucht bald auch dort einziehen, wo heute erst der Eingeborene Raubbau treibt oder wo die Honigbiene noch fehlt und die Erkenntnis von der Rentabilität der Imkerei in Urländern sich erst Bahn brechen muß. In Deutsch-Ostafrika hat die Zentrale für Honigverwertung H. Herkamp die erste Großbienenzüchterei in Verbindung mit Seidenraupenzucht (s. Seidenraupen) eingerichtet. Die dazu gezüchteten Maulbeerbäume (s.d.) liefern in Verbindung mit der übrigen Flora Qualitätshonig. - Außer der eigentlichen Honigbiene leben in Ostindien noch 3 weitere Arten, zwei davon kleiner als diese, eine bedeutend größer. Alle drei sind Freinister, d. h. sie hängen ihre, bei der letzteren Art bis 2 m lange und 1 1/2-2 m breite Einzelwabe einfach an der Unterseite von Ästen oder überhängenden Felsen auf. Wie mit den stachellosen Meliponen sind auch mit diesen Freinistern Domestikationsversuche angestellt worden.

Literatur: A. v. Berlepsch, Bienenzucht. 5. Aufl. 1907. - Julius Herter, Praktischer Wegweiser für rationelle Bienenzucht. 2. Aufl. 1811. - K. Sajó, Unsere Honigbiene. Kosmos, Gesellsch. f. Naturfreunde. - J. Witzgall, Das Buch von der Biene. 2. Aufl., Ulmers Verlag, Stuttg. - Enoch Zander, Handbuch der Bienenkunde 1911. Ulmers Verlag. Stuttg. - J. Vosseler, Die ostafrikanische Honigbiene. Berichte über Land- u. Forstwirtschaft in Deutsch-Ostafrika Bd. III Heft 2, 1907. - Derselbe, Über Surrogate, Verunreinigungen und Verfälschungen des Bienenwachses, "Der Pflanzer", Ratgeber für tropische Landwirtschaft, Jahrg. 5 Heft 8, Tanga, Deutsch-Ostafrika 1908. - Derselbe, Wachs als Nebenprodukt in den Kautschukplantagen, Pfanzer Heft 5-6, 1907.

Vosseler.