Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 209 f.

Bienenfresser, Meropidae, mit den Eisvögeln (s.d.) zunächst verwandte Vögel mit kurzen Läufen und stark verwachsenen Zehen, aber von schlanker Gestalt, mit spitzen Flügeln und säbelförmigem Schnabel. Es sind gesellige Vögel, die an steilen Ufern oder Hügelabfällen kolonieweise in selbstgegrabenen Erdhöhlen nisten. Steppengegend, freie, mit zerstreuten Büschen und Bäumen durchsetzte Grasflächen bieten ihnen zusagende Aufenthaltsorte. Nur wenige Arten bewohnen den Urwald, leben paarweise und nisten in Baumhöhlen. Die B. Fliegen ungemein gewandt und nähren sich von Insekten, die sie im Fluge fangen. Auch mit Giftstachel versehene Insekten, Wespen und Bienen, verschlucken sie, ohne den Stachel vorher zu entfernen (s. Bienen und Bienenzucht). Ihre Eier haben rundliche Form und glänzend weiße Schale. Ihre Stimme besteht in schrillen Tönen. Nach beendeter Brut begeben sich viele Arten in ungeheueren Scharen auf die Wanderung und streifen unstet auf Nahrungssuche umher. In Afrika folgen sie gern den Zügen der Wanderheuschrecke. Man kennt gegen 50 Arten, von denen die Mehrzahl Afrika bewohnt, einige in Indien, Madagaskar, auf den Sundainseln, Philippinen und papuasischen Inseln bis Australien, mehrere nordwärts bis Südeuropa und Mittelasien verbreitet sind. - Von den afrikanischen B. sind mehrere Gattungen zu unterscheiden: Bei der Gattung Merops sind die beiden mittelsten Schwanzfedern weit über die anderen hinaus verlängert und am Ende verschmälert. In Westafrika ist M. persicus häufig; Hauptfärbung grün, mit gelber Kehle und rotbraunem Kropf. Diesem ähnelt der in Ostafrika häufige M. superciliosus. Eine weite Verbreitung hat der hauptsächlich rot, an Oberkopf, Wangen und Kehle aber trüb blaugrün gefärbte M. nubicus. - Die Gattung Melittophagus hat kurzen, gerade abgestutzten Schwanz. In Westafrika ist sie neben anderen Arten durch M. pusillus vertreten, oberseits grün, Kehle gelb, schwarzes Kropfschild, Unterkörper rostfarben, in Ostafrika durch den ähnlich gefärbten M. meridionalis. Urwaldbewohner ist in Westafrika der Kehlspint, M. gularis, oberseits schwarz, Kehle rot, Unterkörper hellblau. - Die Gattung Dicrocoreus mit gabelförmig ausgerandetem Schwanz ist in Südwestafrika durch D. hirundineus vertreten. Die Oberseite ist grün, die Kehle gelb, der Bauch blaugrün. Auf Deutsch-Neuguinea und den Bismarckinseln leben zwei B., Merops ornatus und salvadorii, jener mit schwarzem Schwanz und schwarzem Schild unterhalb der gelben Kehle, dieser mit blauem Schwanz, rotbrauner Kehle und gelbem Kinn. - Auf den polynesischen Inseln und in Kiautschou ist die Gruppe nicht vertreten.

Reichenow.