Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 210

Bifurkation. Unter B. versteht man die natürliche Teilung eines Flußlaufes, bei welcher der eine der so entstehenden Arme sich nicht wieder mit dem andern vereinigt, sondern selbständig weiterzieht und sich mit einem fremden Flusse vereinigt. Diese Verbindung zweier ursprünglich nicht zusammengehörender Flußsysteme ist nicht ganz selten in wasserreichen Ebenen; sie ist namentlich in regenreicheren Flachgebieten tropischer Länder häufiger, als man früher annahm. Die berühmteste B. ist diejenige des Orinoko, die diesen Strom durch einen mächtigen Fluß mit dem Amazonas verbindet und die von A. v. Humboldt untersucht wurde. - Auch in unseren Schutzgebieten kennt man B. Am großartigsten entwickelt ist diese Erscheinung in dem flachen Lande südlich vom Linjanti, das durch F. Seiners Untersuchungen genauer bekannt ist und in dem man geradezu von einem B.gebiet sprechen kann. Durch dieses wird das Flußsystem des Sambesi mit dem abflußlosen Gebiet des inneren Südafrika, also mit der Ngamimulde verbunden. Auch die eigenartige Abgabe von Wasserarmen im Kameruner Küstenlande, wie in den Landschaften am Logone in derselben Kolonie, kann an manchen Stellen als B. bezeichnet werden.

Dove.