Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 219

Blindschlangen, Typhlopidae, über sämtliche tropischen und subtropischen Gegenden der Erde verbreitete Familie der Schlangen. Sie kennzeichnen sich durch den drehrunden, rings von kleinen Schuppen umgebenen Rumpf, den nicht vom Halse abgesetzten Kopf, das nicht erweiterungsfähige Maul und durch das Fehlen von Zähnen im Unterkiefer. Im Skelett sind Reste der Beckenknochen vorhanden. Die B. leben am und im Boden, mit Hilfe ihres oft messerscharfen Schnauzenrandes wühlend, vielfach wie die Amphisbaenen (s.d.) in Ameisen- oder Termitenbauten. Da Kopf und Schwanz bei ihnen auf den ersten Blick hin nicht leicht zu unterscheiden sind und sie außerdem vorwärts und rückwärts kriechen können, werden sie von den Eingeborenen als "zweiköpfige Schlangen" angesehen und trotz ihrer völligen Harmlosigkeit entsetzlich gefürchtet. Der winzige, feine Dorn, den die meisten Arten am Ende des Schwanzes besitzen, wird dabei als furchtbare Giftwaffe gedeutet. Die größten Arten, wie der ost- und südafrikanische Typhlops mucruso, mit scharf schneidender Schnauzenkante, und der stumpfschnauzige, mehrwestafrikanische Typhlops punctatus, beide gelbbraun, schwarz gefleckt oder gestreift, erreichen mitunter eine Länge von 0,5 m und 3 cm Dicke; kleinere, farblose Arten sehen großen Würmern oft nicht unähnlich. Noch winziger sind die verwandten, aber im Oberkiefer zahnlosen Wurmschlangen (Glauconiidae), die häufig nicht einmal einem Regenwurme an Größe gleichkommen. Sie sind in der Regel dunkel, rötlich- bis schwarzbraun gefärbt und ebenso wie die B., denen sie auch in der Lebensweise gleichen, über alle tropischen Gebiete verbreitet.

Sternfeld-Tornier.