Blue ground (Blaugrund, Blauerde) wird das Gestein genannt, das in Südafrika das Muttergestein der Diamanten (s.d.) ist, freilich nicht immer solche enthält. In unseren Kolonien ist es bis jetzt mit Sicherheit nur in Deutsch-Südwestafrika festgestellt, sein Vorkommen in Deutsch-Ostafrika zwar behauptet, aber noch nicht belegt worden. Der b. g. in Deutsch-Südwestafrika stimmt mit dem glimmerarmen b. g. des englischen Südafrika, z.B. von Kimberley, im Wesen überein, wenn er auch an den verschiedenen Orten etwas verschieden aussieht. Er ist ein Eruptivgestein, das sowohl als Ausfüllung von Spalten (Gänge, Fissures), wie von senkrecht in die Tiefe setzenden Röhren (Schloten, Pipes) von verschiedener Weite auftritt. Ein Zusammenhang von Gängen und Röhren war mehrfach nachweisbar; manche Schlote sind nur Ausweitungen von Gängen. Andere stehen mit solchen nicht erkennbar in Beziehung, sie erscheinen selbständig, ebenso wie Gänge für sich ohne Schlote auftreten können. Wesentliche Unterschiede im Gestein der Gänge und Schlote sind nicht vorhanden. Der b. g. ist ein in der Regel schon serpentinisierter porphyrischer Olivinfels (olivinreicher Pikritporphyrit), der Kimberlit genannt worden ist. Eine Grundmasse aus Olivinkörnchen, die daneben Glimmerblättchen, Perowskitkrystalle, Körnchen von Erz (Magnetit und Chromit), auch etwas Apatit enthält und für das bloße Auge meist dicht erscheint, umschließt größere Körner von Olivin, Biotitglimmer und Titaneisenerz, spärlicher auch von rotem Granat und grünen Augit verschiedener Art. Letztere sind chromhaltig. Im b. g. von Mukorub finden sich gelbe Apatite und auch schwarze Spinellkristalle bis zu Erbsengröße. Manchmal erscheint das Gestein noch leidlich frisch, ist dunkel, last schwarz und hart wie Basalt (hard blue, auch hardybank) und zeigt dann meist die Olivineinsprenglinge noch unzersetzt erhalten. Gewöhnlich ist es aber in den bisher zugänglichen Teilen der Vorkommnisse stark umgebildet, serpentinisiert und vielfach mit Kalkspat durchtränkt, sieht in einiger Tiefe dunkel- bis licht-grünlichgrau, kaum bläulich (Blue ground), an und nahe der Erdoberfläche aber zumeist graugelb (yellow ground) aus. Diese gelblichen Massen sind durch weitere Verwitterung der dunklen, tiefergelegenen entstanden und sind sehr lockererdig. Das dunkle serpentinisierte Gestein, der eigentliche b. g. ist manchmal bröcklich, oft zwar mild und weich (soft blue ground), aber noch ziemlich zähe. Die in seine Grundmasse eingesprengten Olivine und Glimmer sind ganz zersetzt, nur von den übrigen genannten Mineralien sind noch frische Teile vorhanden. Diese sind manchmal über wallnußgroß. Trümmerhaftes Gefüge des b. g. ist selten zu beobachten. In ihm treten in sehr wechselnder Menge kleine und große rundliche Knollen (lumps) von Aggregaten seiner wesentlichen Mineralien, hauptsächlich Augitgranatfels, sowie Einschlüsse fremder Gesteine (boulders), besonders von schwarzem Schieferton und körnigem Diabas auf. Jene sind frühe, in der Tiefe gebildete Ausscheidungen aus dem Magma, diese stammen vom jetzigen oder früher noch vorhandenen Nebengestein der Schlote. Die Weite der Gänge und Schlote ist bisweilen recht beträchtlich. Immerhin werden erstere nur einige Meter stark; aber unter den pipes hat die größte ovale (bei Ovas) etwa 200:560 m Durchmesser. Infolge seiner Schwellung bei der Serpentinisierung hat der b. g. das anstoßende Nebengestein oft aufgebogen. Abhängigkeit der Verbreitung des b. g. vom geologischen Bau des Gebiets, in dem er auftritt, und von seinen Gesteinen ist nicht erweisbar. Die im Osten des Landes gelegenen Schlote streichen in den Ekkaschichten, die nach Westen hin folgenden in immer älteren Schichten aus. Es ist, besonders auch im Vergleich mit Südafrika, zweifellos, daß die Schlote und Gänge jünger sind als die Karrooformation. Demnach sind die jetzt in ihnen aufgeschlossenen Massen des b. g. nicht die der ursprünglichen Erdoberfläche, sondern gehören ursprünglich tiefgelegenen Teilen an, die durch spätere geologische Abtragung bloßgelegt worden sind. Aber hierin ist es nicht etwa begründet, daß der b.g. in Deutsch- Südwestafrika sich bisher als diamantfrei erwies, wie auch die Annahme, in der Tiefe erst müßten die Diamanten sitzen, nicht gerechtfertigt wäre. Es sprechen keine mineralogischen oder geologischen wissenschaftlichen Tatsachen von vornherein für oder gegen seine Diamantführung, und auch die praktischen Kennzeichen, die in Südafrika bei Beurteilung von b.g. auf voraussichtlichen Diamantgehalt vielfach benutzt werden, liegen für Deutsch- Südwestafrika nicht nur ungünstig, sondern öfters auch günstig. Die 35 bisher beobachteten Vorkommen von b. g. des Landes liegen im Bezirk Gibeon (Gibeon Ort, Freistatt, Rietkül, Narrnkranz, Hanaus, Fahlgras, Klein-Brukaros, Gründorn, Amalia), im Bezirk Keetmanshoop (Mukorub, Dickdorn, Ovas, Eitsas, Umgebung des Großen Brukaros, Warmbackis), im Bezirk Maltahöhe (Gorab und Benade bei Kunjas). Meist liegen mehrere pipes nahe beieinander. S. Karte beim Art. Diamanten.

Literatur: Scheibe, Der blue ground des deutschen Südwestafrika im Vergleich mit dem des englischen Südafrika.. Progr. d. Bergakademie Berlin 1906. - Wagner, Die diamantführenden Gesteine Südafrikas. Berl. 1909. - Scheibe, Das Vorkommen der Diamanten und des blue grounds Deutsch-Südwestafrikas in geologischer Hinsicht. Verhandl. d. Deutsch. Kol.-Kongr. 1910. - Bange, Beiträge zur geologischen Erforschung der Deutschen Schutzgebiete, Heft 2. Berlin 1912.

Scheibe.