Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 220 f.

Blumensauger, Nectariniidae, kleine Vögel mit spitzem und dünnem, etwas gebogenem, oft sichelförmigem Schnabel, dessen Schneiden am vorderen Teile meistens sägeartig ausgeschnitten (gezähnelt) sind. Die Zunge ist lang und schmal und weit vorstreckbar, mit einer Längsrinne versehen und läuft am Ende in zwei Fäden aus. Die B. vertreten die amerikanischen Kolibris, mit denen sie von Laien oft verwechselt werden, in der alten Welt. Von den etwa 240 bekannten Arten ist die Hälfte in Afrika heimisch, wo offenbar das Verbreitungszentrum der Gruppe liegt, die andere Hälfte verbreitet sich über Indien und Madagaskar bis Australien und geht mit Ausläufern nordwärts bis Kleinasien und Japan. Die Männchen schillern meistens in den prächtigsten Metallfarben, während die Weibchen unscheinbares grünliches oder grauliches Gefieder haben. Sie nähren sich von kleinen Insekten, die sie, nach Art der Meisen, an Zweigen und Blättern umherkletternd, suchen oder vor den Blüten rüttelnd, aus diesen hervorholen. Ob sie auch Blütenhonig saugen, wie behauptet wird, ist noch nicht mit Sicherheit erwiesen. Dagegen ist festgestellt, daß sie durch Nahrungsuchen in den Blüten deren Befruchtung vermitteln (z.B. Chalcomitra verreauxi und Promerops cafer in Südafrika). Der Flug der B. ist schwirrend. Ihre beutelförmigen, oben geschlossenen und mit seitlichem Schlupfloch versehenen Nester hängen an Busch- und Baumzweigen frei in der Luft. Die Eier sind sehr verschieden gefärbt. Außer kurzen scharfen Locktönen hört man von vielen Arten einen leisen schwirrenden Gesang. - In Afrika sind hauptsächlich drei sehr artenreiche Gattungen vertreten: Cinnyris, mit kurzem Schwanz, Männchen prächtig metallisch glänzend; Nectarinia, mit langem Schwanz, die beiden mittelsten Federn bandförmig und die anderen weit überragend, Männchen metallisch glänzend; Chalcomitra, mit kurzem Schwanz, Männchen wie die Weibchen mattfarbig, ohne Metallglanz, oder doch nur an Kopf und Kehle metallglänzend. - Für Neuguinea und die Bismarckinseln, wo die Gruppe durch vier Arten vertreten ist, sind als die häufigsten zu nennen: Hermotimia aspasia, samtschwarz und grünglänzend mit blauglänzender Kehle, und Cyrtostomus frenatus, oberseits gelbgrün, Unterkörper gelb, Kehle schwarz mit Stahlglanz. - Auf den polynesischen Inseln und in Kiautschou leben keine B.

Reichenow.