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Blutarmut (Anämie) beruht gewöhnlich auf
einer Verminderung der Zahl der roten Blutkörperchen; häufig ist sie kombiniert
mit einer Verarmung der roten Blutkörperchen an Blutfarbstoff (Hämoglobin, s. d.), welch letztere Schädigung
auch bei normaler Zahl der roten Blutkörperchen eine Blutarmut bedingen kann (Bleichsucht). Die B. macht sich klinisch
bemerkbar in blasser Farbe des Gesichts und der sichtbaren Schleimhäute
(Augenbindehaut, Lippen, Zunge) und in Schwäche, leichter Ermüdbarkeit, häufigem
Frostgefühl, Schwindel- und Ohnmachtsanwandlungen, besonders beim Erheben aus
horizontaler Lage. Die B. ist ein sehr häufiges Leiden der Europäer in den
Tropen, so häufig, daß man lange Zeit annahm, daß lediglich durch den Aufenthalt
in der Tropenzone eine B. herbeigeführt werden könne (Tropenanämie). Die fortschreitende Kenntnis
der tropischen Infektionskrankheiten hat dahin
geführt, daß man die Ursache der Tropenanämie in diesen Infektionskrankheiten
erkannte, welche zu einer Schädigung des Blutes führen. In Wirklichkeit ist die
Blutzusammensetzung des gesunden Europäers in den Tropen genau die gleiche wie
die des Europäers in der gemäßigten Zone. Von Infektionskrankheiten, welche zu
einer Schädigung des Blutes, zu Blutarmut, in den Tropen führen, ist in erster
Linie zu nennen die Malaria (s. d.) und
besonders das Schwarzwasserfieber (s. d.). Bei diesen Krankheiten kann es zu
ganz außerordentlicher Verminderung der Zahl der roten Blutkörperchen kommen.
Während im Kubikmillimeter Blut des Gesunden 5000000 rote Blutkörperchen gezählt
werden, kommt es bei Malaria und Schwarzwasserfieber nicht selten zu
Herabsetzungen auf 1000 000 und weniger. Entsprechend findet man auch den
Farbstoffgehalt des Blutes bei diesen Krankheiten erheblich herabgesetzt,
bisweilen auf Werte, die 1/5 bis 1/10 des Normalen betragen. - Von sonstigen
tropischen Erkrankungen, welche zu B. führen, ist besonders die Wurmkrankheit (Ankylostomiasis, s. Ankylostomum duodenale) zu nennen,
die in den Tropen eine enorme Verbreitung hat und
die für Europäer und Farbige in gleicher Weise
von Bedeutung ist. Die Kindersterblichkeit, besonders der
Farbigen, in den Tropen beruht zum großen Teile auf einer durch Ankylostomiasis
herbeigeführten B. Was die klinischen Erscheinungen der B. bei Farbigen anlangt,
so sind diese schwerer zu erkennen als bei den Europäern, da die Hautfarbe der
Farbigen die B. weniger hervortreten läßt. Immerhin ist der aschgraue Farbton
der Haut für die B. des Negers charakteristisch. Werner.
DEUTSCHES KOLONIAL-
LEXIKON (1920), Bd. I, S. 221.
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