Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 222

Blutharnen, Ausscheidung von Blut im Harn. Es ist zu unterscheiden zwischen der Ausscheidung unveränderten Blutes, wie es bei Verletzungen der Harnwege, Entzündungen (Steinbildung) und bei Nierenentzündungen vorkommt, und der Ausscheidung von gelöstem Blutfarbstoff (Hämaturie, s.d.), welche eines der Symptome des Schwarzwasserfiebers bildet. Im ersteren Falle ist der Urin deck- farbenrot, d.h. undurchsichtig rot, während er im letzteren Falle lackfarben, d.h. durchsichtig rot bzw. schwarzrot ist. - Der Nachweis von Blut sowohl wie von Blutfarbstoff im Harn geschieht mit chemischen Reagenzien (Guajakprobe, Hellersche Probe) oder durch mikroskopischen Nachweis von roten Blutkörperchen. Ohne diesen Nachweis ist es häufig recht schwer, ja unmöglich, zu entscheiden, ob eine braune bzw. braunschwarze Verfärbung des Harnes von Blut bzw. Blutfarbstoff herrührt. Insbesondere kommt es häufig vor, daß von Laien die Ausscheidung von Gallenfarbstoff im Harn mit der von Blut verwechselt wird. - In den Tropen kommt B. insbesondere bei der Bilharziakrankheit (s.d.) in Betracht; über Blutfarbstoffausscheidung s. Schwarzwasserfieber. - Bei B. infolge von Verletzungen ist ruhige Lage, Applikation einer Eisblase und ev. Morphiumdarreichung in Betracht zu ziehen, das letztere jedoch nur auf ärztliche Verordnung. S. a. B. bei Tieren.

Werner.