Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 223

Blutrache, bei vielen Völkern bestehende Sitte, daß ein Mord durch Verwandte des Getöteten an dem Mörder oder dessen Verwandten gerächt wird. Das geschieht wiederum durch einen Mord, der neuerdings B. zur Folge hat. Auf diese Weise entstehen häufig langwierige Fehden zwischen Familien, Dörfern, Stämmen, die schließlich nur nach langen Verhandlungen durch Zahlung einer Buße, des Wergeldes, beigelegt werden können. Häufig kann schon der erste Mord durch Zahlung einer Abfindung oder Bringen des Wergelds gesühnt werden, das vielfach auch eine Körperverletzung sühnen kann. B. ist besonders bei denjenigen Völkern Sitte, bei denen das Individuum hinter der Sippe (s.d.) zurücktritt, die für die Handlungen ihrer Mitglieder verantwortlich ist, aber auch z.B. das Wergeld nicht den unmittelbaren Angehörigen des Getöteten auskehrt, sondern unter ihre Mitglieder verteilt.

Thilenius.