Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 223 f.

Blutsfreundschaft. Lassen zwei oder mehr Personen etwas von ihrem Blut zusammenrinnen, etwa in einen Becher, dessen Inhalt sie gemeinsam leeren, oder in ein Gefäß, das nachher zerschlagen wird, oder in ein frisch in die Erde gemachtes Loch usw., so gelten sie als durch unauflösliche Freundschaft verbunden, die jedem einzelnen von ihnen unbedingt die Treue der anderen sichert. B. wird daher besonders bei politischen Verträgen geschlossen, aber auch der Häuptling, der sich gegen Vergiftung schützen will, kann mit seinem Hofkoch B. schließen. Vielleicht ist auch die Anschauung hierher zu rechnen, nach der die gemeinsam Beschnittenen als eng verbundene Freunde für Lebenszeit angesehen werden. Der B. liegen zauberische Vorstellungen zugrunde. Wie viele Zeremonien erfährt auch die der B. Abschwächungen. Es kann z. B. an Stelle des Blutes der Beteiligten Milch treten, die gemeinsam genossen wird. Die Erklärung liegt darin, daß von einer Mutter stammende Brüder eine und dieselbe Milch tranken.

Thilenius.