Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 224 f.

Bodenbearbeitung bezweckt die Schaffung und Aufrechterhaltung möglichst günstiger Vegetationsbedingungen und die Beseitigung aller Mißstände und Hindernisse, wie sie durch Verhärtung, Verunkrautung usw. einer lohnenden landwirtschaftlichen Nutzung des Bodens und dem Wachstum der Kulturpflanzen entgegentreten können. Der B. im engeren Sinne gehen auf Neuland die Urbarmachung und unter Umständen auch anderwärts gewisse Meliorations- und kulturtechnische Arbeiten, wie z.B. Entwässerung, Terrassierung usw., voraus. Eine rationelle B. erstreckt sich nicht nur auf die oberste Schicht des Bodens, die Ackerkrume, sondern auch auf den Untergrund. Sie bewirkt eine Vermehrung des den Pflanzen leicht zugänglichen Bodenvolumens durch Auflockerung der Ackerkrume und Aufschließung des Untergrundes, fördert im Verein mit den Atmosphärilien die Verwitterung der Gesteinsteilchen und den Verlauf der zahlreichen chemischen und biologischen Prozesse, die sich im Boden abspielen, und beeinflußt den Wasserhaushalt und die Durchlüftung des Bodens in einer den Kulturpflanzen günstigen Richtung. Sie soll die im Boden vorhandenen Pflanzennährstoffe in größtmöglicher Menge aufschließen und flüssig machen. Zur Erzeugung von Maximalerträgen tritt ergänzend die Düngung ein (s.d.). - Die einzelnen Verrichtungen bei der B. sind verschieden, je nach den unmittelbaren Zwecken, die damit verfolgt werden, wie z. B. Lockern, Wenden, Mischen, Reinigen, Ebnen, Verdichten, Anhäufeln. Ihre Art wechselt auch mit dem Zeitpunkt der Ausführung in bezug auf das Pflanzenwachstum, d. h. danach, ob es sich um Vorbereitung der Bestellung, um Maßnahmen bei der Bestellung, um solche während des Wachstums der Pflanzen oder um Arbeiten nach der Ernte handelt. Sie richtet sich endlich nach der Art der jeweils anzubauenden Frucht, der Vorfrucht oder der Nachfrucht. Nach dem Grade des vertikalen Vordringens in den Boden unterscheidet man zwischen "Flachkultur" und "Tiefkultur", nach der äußeren Form, die man dem Ackerboden gibt, zwischen "Ebenkultur", "Beetkultur", "Kammkultur" usw. - Im Zusammenhang mit den vorgenannten Faktoren steht auch die Auswahl der im einzelnen bei der B. zu verwendenden landwirtschaftliche n Geräte und Maschinen (s.d.). - Um eine wirklich rationelle Bearbeitung des Bodens ausführen zu können, bedarf es u. a. genauerer Kenntnisse von den Eigenschaften des jeweils zu behandelnden Bodens, und zwar sowohl der Krume, wie des Untergrundes, ferner von der Einwirkung des Klimas und der Witterung auf den Boden und endlich von den Ansprüchen der in Frage kommenden Kulturgewächse. In den tropischen Kolonien befinden sich diese Wissenszweige erst in den Anfangsgründen, und daher steht auch die B. bis auf wenige Ausnahmen daselbst noch im Versuchsstadium. In Deutsch-Südwestafrika wird dieses eher überwunden werden, weil die meisten Kulturgewächse der dortigen Farmwirtschaft entweder aus der heimischen Landwirtschaft oder aus derjenigen Britisch-Südafrikas übernommen wurden und man ihre Eigenart und Bedürfnisse von dorther kennt. Dazu kommt, daß das dortige Klima weniger starke Extreme aufweist, wie das Tropenklima. Die in gemäßigten Klimaten erprobte Methodik der B. liefert für die Tropische Landwirtschaft zwar zahlreiche wichtige, direkt verwendbare Anhaltspunkte, aber die einzelnen Verfahren müssen dort von neuem geprüft und den abweichenden natürlichen Vorbedingungen entsprechend modifiziert werden, um zu nutzbringenden Systemen zu führen. Versuche in dieser Richtung anzustellen ist u. a. Aufgabe der landwirtschaftlichen Versuchsstationen (s. Landwirtschaftliches Versuchswesen) in den Schutzgebieten. - Die Bodenbearbeitung der Eingeborenen in den afrikanischen Kolonien geschieht einzig und allein mit der Hacke; ihr ganzes System des Ackerbaus wird danach als "Hackfeldbau" bezeichnet (s. Ackerbau, Landwirtschaft). Dasselbe gilt für Deutsch-Neuguinea. Dieses System bringt u. a. den Nachteil mit sich, daß es den Untergrund unberührt läßt. Auch die B. bei den Chinesen in Kiautschou ist ziemlich flachgründig.

Literatur: Grahl in von der Goltz, Handbuch d. Landwirtschaft, Bd. II, 127 ff. - von Rümker, Der Boden und seine Bearbeitung (Tagesfragen a.d. modernen Ackerbau, Heft 1). Berl. 1907. Strecker, Die Bodenbearbeitung. Lpz. 1910. An den genannten Stellen weitere Literaturnachweise; im übrigen s. Spezialkapitel.

Busse.