Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 228

Bohrwurm, eine im Meereswasser lebende Muschelgattung, die sich im Holz einbohrt und darin große Zerstörungen anrichten kann. Das ausgewachsene Tier hat einen fingerdicken, in der Regel nicht mehr als 40 cm langen Körper von gallertartiger Beschaffenheit. Am vorderen Ende sitzen 2 erbsengroße Schalen mit feinen Zähnchen, die das Bohren versehen. Der B. gelangt als kleine, 1 mm lange Larve schwimmend an das Holz. Im Innern des Holzes gräbt sich das Tier einen seinem Wachstum entsprechenden Kanal, den es mit einem kalkigen Überzug auskleidet. Die Kanäle verschiedener Tiere durchdringen sich niemals, nähern sich aber bis auf die Dicke eines Papierblattes. Im Wasser stehende Hölzer werden oben und unten befallen, und das Tier arbeitet sowohl aufwärts wie abwärts. In die über Niedrigwasser und im Erdreich liegenden Holzteile setzen sich die B.kanäle nur wenig fort. An den Küsten der deutschen Schutzgebiete ist der B. sehr verbreitet. An der Togoküste wird Holz von ihm sehr stark befallen. Bauwerke aus ungeschütztem Holz sind dort in wenigen Monaten zerstört worden. Auch die Küsten von Kamerun, Deutsch-Neuguinea und Kiautschou leiden sehr unter dem B. In Duala sind Bohrwurmkanäle von 20 mm Durchmesser, in Kiautschou Bohrwürmer von mehr als 1 m Länge beobachtet worden. An der südwestafrikanischen Küste tritt der B. sehr heftig in Lüderitzbucht auf, dagegen verhältnismäßig wenig in Swakopmund. Die in den Jahren 1904/05 in Swakopmund erbaute hölzerne Landungsbrücke, bei der anfangs ungeschütztes kiefernes Holz verwendet wurde, ist durch den Bohrwurm nicht gefährdet worden. Bei den regelmäßig durchgeführten Untersuchungen fanden sich in einem Pfahl meist nicht mehr als 3 Wurmkanäle. Der B. bevorzugt die weicheren Holzarten und innerhalb dieser Holzstücke die weichen Teile des Splintes. Australische Harthölzer, die in manchen Gegenden für bohrwurmsicher gelten, haben sich bei den in Lüderitzbucht angestellten Versuchen nicht als widerstandsfähig genug erwiesen. Auch sie wurden befallen. Kameruner Harthölzer, die bei Bauten in Duala verwendet wurden, Wiesen bereits nach kurzer Zeit B.befall auf. Als Schutzmittel gegen den B. sind bei Bauwerken in den deutschen Schutzgebieten hauptsächlich angewendet worden: Anstrich mit Karbolineum oder Sotor, Durchtränkung mit Teeröl und Beschlag mit verzinktem Eisenblech.

Fischer.