Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 229

Boma (Suaheliwort), im ostafrikanischen Sprachgebrauch im weiteren Sinn jede Art von Umzäunung, von der einfachsten Hecke zum Schutz eines Feldstückes bis zur uneinnehmbaren Umwallung eines Dorfes, in unserem Sprachgebrauch dahingegen stets nur die Schutz- und Befestigungsanlage gegen menschliche Angriffe. Die B. einfachster Art wird aus abgehauenen Zweigen, Dornenhecken und Ästen hergestellt, oder man schichtet dorniges Astwerk bis zur Brusthöhe rings um das Lager. Eine derartige B. (Boma ya miba) schützt nur gegen Sicht, nicht gegen feindliche Geschosse selbst. Dörfer und Stationen umgibt man mit einer Palisadenumzäunung (Boma ya miti). Bei der einfachsten Art zieht man einen etwa metertiefen schmalen Graben und stellt in diesen hinein 4-5 m lange, arm- bis schenkeldicke Stämme der krumm und unregelmäßig gewachsenen afrikanischen Baumarten so dicht wie möglich, oft 2-3 und mehr Lagen hintereinander, die man dann mit der ausgehobenen Erde feststampft. In Abständen von etwa 5-6 m fügt man Bäume ein, die etwa 2 m über dem Boden weit nach innen und außen gabeln. In diese Gabel legt man auf jeder Seite der Palisadenwand je 8-10 dünnere Stangen übereinander. Sie drücken sich fest gegen die Wand, verhindern das Umfallen der Palisaden und geben dem Ganzen ein festes Gefüge. Eine solche B. schützt den Verteidiger gegen Pfeile und Kugeln; er selbst benutzt zufällig gebliebene Lücken als Schießscharte. Der Platz vor der B. wird entweder als Schußfeld ganz frei gehalten oder mit einem undurchdringlichen Dickicht von Dornen und undurchdringlichem Busch besetzt. In Unjamwesi liegt vor der B. oft ein seichter Graben, dessen nach der Palisade zu aufgeworfene Erde eine dichte Euphorbienhecke trägt, die oft 6-7 m hoch wird. Die Euphorbien sollen besonders gegen Pfeile schützen und den Eindringling durch ihren giftigen Milchsaft schrecken. Seit dem Aufkommen der Gewehre auch in Afrika beginnt man die Hecke wegfallen zu lassen zugunsten eines breiten und tiefen Grabens, dessen Erde man an den Palisadenzaun wirft, so daß dieser nur noch 2 m über den Wall emporragt. Im Palisadenzaun bringt man Schießscharten an, an der Innenseite des Walles einen Wallgang. Die Bezeichnung B. wird vielfach auch für europäische Befestigungen und Bauten angewandt (s. Hausbau der Europäer). - Andere Befestigungsarten Ostafrikas sind die Tembe (s.d.) und das Quikuru (s.d.). S. Befestigungen.

Weule.