Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 230

Bondelswarts, Volksstamm in Deutsch-Südwestafrika, zu den südlichsten Hottentotten (s.d.) des Schutzgebiets gehörig. Zugleich ist er einer der Urstämme, d.h. er gehört zu denjenigen Gliedern der gelben Rasse, die bereits vor den Einwanderungen aus der Kapkolonie während der ersten Hälfte des 19. Jahrh. nördlich vom Oranjefluß ansässig waren. Beim Beginn der deutschen Herrschaft hatten die B. das Gebiet von Warmbad inne, und ihr Häuptling, Wilhelm Christian, durfte sich rühmen, wohl den stärksten aller selbständigen Stämme des Namalandes zu führen. Die B. erlangten später eine gewisse Berühmtheit dadurch, daß der Ausbruch des großen Hereroaufstandes (s.d.) wenigstens mittelbar mit ihnen in Zusammenhang stand. Unruhen, die mit der Ermordung eines deutschen Offiziers ihren Anfang nahmen, waren die Ursache, daß ein nicht unbeträchtlicher Teil der Truppe fern vom Norden weilte, als dort im Anfang des Jahres 1904 die Erhebung der Schwarzen begann. Von Interesse ist auch, daß der später so berüchtigte Morenga, (s.d.) sich bereits unter den Rädelsführern im B.aufstande befunden hatte. Auch an der Ende 1904 beginnenden Erhebung der Naman (s.d.) gegen die deutsche Herrschaft waren die B. in ihrer ganzen Stärke beteiligt. Nach Beendigung des großen Krieges im Jahre 1907 hat man ihnen in ihrem bisherigen Gebiete Wohnsitze angewiesen.

Literatur: H. Schinz, Deutsch- Südwestafrika. Lpz. 1891. - K. Schwabe, Im deutschen Diamantenlande. Berl. 1910.

Dove.