Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 231 f.

Bornu, ehemaliges großes Sultanat, von dem ein Teil in Kamerun, in der Residentur Kusseri liegt. Die westliche Grenze fällt mit der Landesgrenze zusammen, die östliche wird durch einige Zuflüsse und Mündungsarme des Scharisystems gebildet: Dorma, Kalia, Ngada, Ebeji. Bis auf den bergigen Süden ist das Gebiet vollständig eben, zur Regenzeit von den Flüssen weithin unter Wasser gesetzt, die dann beim Sinken den fruchtbaren Schlamm zurücklassen. Beim Trocknen bilden sich in diesem "Firkiboden" charakteristische Risse. Die Kanuri, wahrscheinlich ein Mischvolk der alteingesessenen schwarzen Bevölkerung und der eingewanderten asiatischen Völker, treiben Ackerbau, während sich die Schua-Araber hauptsächlich der Viehzucht widmen, vor allem Rinder, wenig Schafe mit Schlechter Wolle und Ziegen und Geflügel. Die Pferdezucht blüht. Als Lasttiere dienen auch Kamele. Haussa und Fulbe treiben Handel. Hauptstadt ist Dikoa (s.d.) am Jadseram, ein sehr wichtiger Verkehrsknotenpunkt und großer Markt für einheimische und auch schon europäische Waren. Am Oberlauf desselben Flusses liegen Bama, Tschantari und Malematari. Von Ngala am Westufer des Ebeji strahlen viele Handelsstraßen aus. Am Ebeji, kurz vor seiner Einmündung in den Tsadsee, liegt Wulgo (s.a. Tafel 82). - Das Sultanat B. ist wohl das älteste zentralafrikanische Sultanat. Wahrscheinlich aus Vorderasien stammende Völker gründeten in Kanem ein Reich, das früh mohammedanisch wurde (9. Jahrh.). Infolge schwerer Kämpfe mit den Bulala mußte der Sitz der Regierung nach dem westlich des Tsads gelegenen B. verlegt werden. Das geschah unter Ali DuNama (1465-90), der geradezu ein neues Reich gründete, das um 1500 seine höchste Macht erreichte, aber bereits nach 1600 wieder in Verfall geriet. Als die Fulbe 1809 die alte Hauptstadt Birni zerstörten, haben die Kanembu, damals ein Vasallenstaat B.s, den wankenden Thron der alten Dynastie gerettet, indem sie unter Führung ihres Häuptlings Mohamed el Anim el Kanemi die Fulbe schlugen. Dieser tatkräftige Mann beseitigte später das alte Herrscherhaus, und an seinen Sohn ging dann die Sultanwürde über. Omar war es, der Barth und Overweg, Vogel und v. Benzmann, Rohlfs und Nachtigal so bereitwillig aufnahm und förderte. Auf ihn folgten (1882) nacheinander drei seiner Söhne. Der letzte wurde 1893 von Rabehbesiegt und entfernt. Rabeh (s.d.) wurde dann von den Franzosen 1906/08 besiegt und getötet. Darauf wurde das alte B.reich zwischen England und Deutschland geteilt und von den Engländern der Sohn des letzten B.königs - Omar Seinda - als Herrscher eingesetzt. S. a. Kanem-Bornu.

Passarge-Rathjens.