Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 232 f.

Botanische Literatur. Der Geschichte der Wissenschaft der Botanik entsprechend bestanden die Erzeugnisse der b. L. bis ins 18. Jahrh. hinein im wesentlichen in Kräuterbüchern, in Aufzählungen und Beschreibungen vornehmlich solcher Pflanzen, die dem Menschen von irgendeinem Nutzen waren. Mit Linné setzte die systematische b. L. ein, die auf den Artbegriff gestützt ihr Ziel darin suchte, alle Pflanzen, ohne Rücksicht auf Nutzen, in ihren unterscheidenden Merkmalen zu erkennen und nach ihrer Verwandtschaft in Gruppen zusammenzufassen. Der weitere Ausbau der Wissenschaft schaffte dann im vorigen und letzten Jahrhundert eine ungemein vielseitige b. L., die man nach den einzelnen Disziplinen in eine anatomische, physiologische, biologische usw. sondern kann. In Büchern und Zeitschriften nimmt diese zurzeit eine herrschende Stellung ein. Durch die Erwerbung von Kolonien seitens der europäischen Mächte hat namentlich die botanisch-systematische und die pflanzengeographische L. eine Förderung erfahren. England ging voran, indem es durch die Beamten seiner botanischen Staatsanstalten in Kew bei London Florenwerke herausgeben ließ, die nach der Reihe alle bekannt gewordenen Gewächse Indiens, Australiens, des Kaplandes, des tropischen Afrikas und Ceylons zugleich mit Bestimmungstabellen aufführten und damit den Kolonisten die Möglichkeit boten, sich über die Vegetation ihres Wohngebietes zu orientieren. In Deutschland entfaltete eine ähnliche Tätigkeit das Botanische Museum in Berlin, da diesem fast ausschließlich die großen Sammlungen zuflossen, welche Beamte und Offiziere, Missionare und botanische Reisende in den neuerworbenen Schutzgebieten zusammenbrachten. Die Werke: Die Pflanzenwelt Ostafrikas von A. Engler, Berlin 1896; Die Flora der deutschen Schutzgebiete in der Südsee von K. Schumann und Lauterbach, Berlin 1902; Die Pflanzenwelt Afrikas von A. Engler, Leipzig 1906 sind die hervorragendsten Ergebnisse dieser Tätigkeit, daneben zahllose Abhandlungen in Englers Jahrbüchern für systematische Botanik, die die Beschreibung und Klassifizierung wissenschaftlich neuer Arten aus unseren Kolonien bringen. Ein jüngster Zweig der b. L., die kolonial-b. L., die die Nutzpflanzen tropischer Gebiete in den Vordergrund rückt, tritt in Berührung mit der tropenlandwirtschaftlichen L. Sie dominiert in Frankreich; in England und Deutschland hat sie es noch zu keiner völlig selbständigen Stellung gebracht. S. a. die Literaturangaben bei den die einzelnen Schutzgebiete betreffenden Artikeln.

Volkens.