Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 233

Botanische Sammlungen, soweit sie aus getrockneten Pflanzen bestehen, werden zu Herbarien vereint. Wenn solche einen wissenschaftlichen Wert haben sollen, müssen sie die Bedeutung von Archiven haben. Jede darin enthaltene Pflanze muß ein beglaubigtes Dokument darstellen. Der Sammler bürgt durch Unterschrift für den Fundort, der Botaniker, der ihr den Namen gibt, für die richtige Bestimmung. Erst dadurch wird ein Herbar zu einem der wichtigsten Hilfsmittel für das Studium einerseits der Verwandtschaftsverhältnisse, andererseits der geographischen Verbreitung der Pflanzen. Von höchster Bedeutung für jedes auf besonderen wissenschaftlichen Wert Anspruch machende Herbar sind die darin enthaltenen Originale, d. s. diejenigen Exemplare, nach denen die erste, vollgültige, im Druck erschienene Beschreibung der betreffenden Art angefertigt worden ist. Auf das Original wird nach Möglichkeit immer wieder zurückgegangen, wenn es gilt, eine Pflanze zu bestimmen. Man vergleicht sie mit ihm und erhält erst dadurch die Gewißheit, daß man es mit derselben Art zu tun hat. Die meisten Originale enthalten naturgemäß die großen Staatsherbarien, denen ja gewöhnlich auch alle wichtigeren Privatherbarien des betreffenden Landes, sei es durch Kauf, sei es durch Erbschaft, zufallen. Der Pflanzensystematiker weiß im allgemeinen, wo er die Originale zu suchen hat. Er weiß, sie liegen im Kew-Museum bei London, in Leyden, Petersburg, Wien, Paris, Berlin usw., und hat daher die Möglichkeit, sie dort einzusehen oder sich daher leihweise kommen zu lassen. Im Berliner botanischen Museum sind am vollkommensten vertreten die Gewächse Afrikas, dank einer Reihe hervorragender Reisender, die diesen Erdteil schon vor oder erst nach Erwerbung der deutschen Kolonien zu Studienzwecken aufsuchten. Es birgt die Sammlungen eines Schimper, Schweinfurth, Ehrenberg, Kotschy, Steudner, Kersting, Baumann, Ledermann, Zenker, Pogge, Hildebrandt, Stuhlmann, Busse, Holst, Volkens, Engler, Mildbraed, Holtz, Stolz, Goetze, Schlechter, Dinter, Range, Seiner, Marloth und vieler anderer. Ergänzt werden die größeren Staatsherbarien durch wissenschaftliche Schausammlungen. Während jene nur für den Gelehrten berechnet sind, sollen diese zumeist auch dem Studierenden und Laien den Vorteil bieten, sich belehren zu können. Kein botanischer Garten ist in der Lage, mehr als einen geringen Bruchteil der Gewächse des Erdreichs zu kultivieren, und da tritt dann das Schaumuseum ein, indem es wenigstens die wichtigsten Gruppen europäischer und überseeischer Pflanzenformen, vegetabilische Produkte aller Art, biologisches und morphologisches Anschauungsmaterial durch Trocken- oder Spiritusobjekte vor Augen führt. Die bedeutendsten Schausammlungen haben die botanischen Museen von Kew und Kensington, Brüssel (Tervuren), Leyden, Berlin, Hamburg, Washington und Newyork. S. a. Sammeln 2.

Literatur: A. Engler, Bot. Museen u. deren Aufgaben in Internat. Wochenschrift f. Wiss., Kunst u. Technik. Berl. 1909.

Volkens.