Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 234 f.

Bougainville. 1. Lage und Bodengestaltung. 2. Europäische Unternehmungen und Verwaltung. 3. Entdeckungsgeschichte.

1. Lage und Bodengestaltung. B., eine Insel der Salomoninseln (s.d.), Deutsch-Neuguinea, ist seit 1886 in deutschem Besitz. Sie erstreckt sich zwischen 5° 26'-6° 52' s. Br. und 154° 39'- 155° 59' ö. L. und ist durch die Bukastraße von Buka, durch die Bougainvillestraße von den Shortlandinseln geschieden. B. ist von einem mächtigen, waldbedeckten Gebirge eingenommen, dessen südlicher Teil den Namen Kronprinzengebirge führt, während der nördliche Kaisergebirge genannt wird. Beide erreichen bedeutende Höhe, ersteres von nahezu, letzteres von über 3000 m. Sie bestehen in der Hauptsache aus jungeruptiven Gesteinen (Andesiten, in geringerem Maße auch Rhyolithen, Daciten und Basalten), zum kleineren Teile auch aus Tuffen dieser Gesteine und Tiefseetonen. Diese Gebirge enthalten auch tätige Vulkane, und zwar das Kaisergebirge den etwa 3100 m hohen Balbiberg, das Kronprinzengebirge den 2000 m hohen, von einer Anzahl Nebenkegel begleiteten Bagana (oder Bángana), vielleicht auch noch andere Vulkane weiter südlich. Das Gebirge füllt den größten Teil von B. aus, doch findet sich eine ansehnliche, wohl hauptsächlich aus Schwemmland aufgebaute, stellenweise sumpfige Küstenebene im Südwesten der Insel, kleinere Alluvialebenen auch an anderen Stellen der vielfach mit Mangrove umsäumten Küsten. Im Norden nimmt gehobener Korallenkalk eine ansehnliche Fläche ein, und auch sonst tritt derselbe stellenweise auf; namentlich aber begleiten vielfach rezente Riffe die Küsten der Insel; neben Koralleninseln finden sich aber auch hohe, jungeruptive Inseln nicht selten in der Nähe der nordöstlichen Küste und bilden zuweilen mit ihr gute Häfen, so den von Kieta (s. Tafel 19), an dem die Regierungsstation gleichen Namens liegt, und den Ernst-Günther-Hafen im Norden der Insel; weitere Häfen sind Numa-Numa an der nordöstlichen Küste, Tonolaihafen im Süden, und Gazellehafen in der Kaiserin-Augusta-Bucht im Südwesten. Der Boden ist zumeist tiefgründig und offenbar fruchtbar. Infolge des starken Regenfalls und der Undurchlässigkeit der vorherrschenden Eruptivgesteine ist die Insel in ihrer Hauptausdehnung reichlich bewässert. Es gibt zahlreiche, ziemlich wasserreiche Flüsse; für den Verkehr bieten sie aber keine brauchbaren Straßen von irgend nennenswerter Ausdehnung, da das Gefäll zumeist zu stark und die Lauflänge bei dem völligen Fehlen von Längstälern zu gering ist. In den Küstenebenen stagniert das Wasser vielfach in Sümpfen und temporären oder auch wohl ausdauernden Seen. Über Pflanzenwelt, Tierwelt, Klima, Bevölkerung s. Salomoninseln. Sapper.

2. Europäische Unternehmungen und Verwaltung. B. bildet zusammen mit der Insel Buka (s.d.) und einigen kleinen nördlich davon gelegenen Inseln den Verwaltungsbezirk der Salomoninseln (s. Deutsch-Neuguinea). Die lokale Verwaltungstätigkeit für B. wird von der Regierungsstation Kieta ausgeübt, die an einer geschützten Bucht im Nordosten der Insel liegt. Dem Stationsleiter ist auch die Eingeborenengerichtsbarkeit übertragen. Hinsichtlich der Fremdengerichtsbarkeit gehört B. zum Bezirksgericht und Obergericht Rabaul. Die standesamtlichen Geschäfte für B. werden von dem Stationsleiter in Kieta wahrgenommen. Eine Regierungsschule besteht auf B. noch nicht, dagegen hat die Katholische Mission der Maristen (s.d.), die auf der Insel fünf Stationen unterhält, mehrere Eingeborenenschulen eingerichtet. Die Hauptstation der Mission auf B. ist in Kieta. - Die weiße Bevölkerung auf B. setzt sich zusammen aus den Beamten, Missionaren sowie einigen Pflanzern und Händlern. Hinsichtlich der Eingeborenenbevölkerung liegen erschöpfende Feststellungen noch nicht vor. Die von dem Stationsleiter vorgenommene Zählung umfaßt die Landschaften von Kieta, Arawa, Toboroi, Reboine-Tawa-Tawa sowie jeweils deren Hinterland, ferner Koromira und Koyana. Hier wohnen nach der letzten Zählung 5410 Eingeborene, darunter 2283 erwachsene Männer und 1760 erwachsene Frauen. Die Zählung im Hinterlande von Nord- und Nordost-B. ist noch nicht vollständig abgeschlossen. Für den Süden und den Südwesten von B. fehlen die Ziffern. Der Handel beschränkt sich in der Hauptsache auf Kopra, die von den Eingeborenen teils gegen Waren, zum Teil aber auch gegen bares Geld erworben wird. Die Zahl der europäischen Unternehmungen ist noch gering; außer einigen Händlerstationen befinden sich auf der Insel die Pflanzungen der Bismarckarchipel-Gesellschaft (s.d.), ferner der Buka Plantations and Trading Company m.b.H. (s.d.) sowie auch eine Zweigniederlassung der Firma Hernsheim & Co. (s.d.). Industrie oder Gewerbe findet sich auf der Insel noch nicht vor. Die Produktion der Eingeborenen beschränkt sich, von der Kopra abgesehen, auf Früchte wie Taro, Yams usw., die sie zum eigenen Bedarf Pflanzen, zum Teil aber auch an die auf der Insel ansässigen Europäer verkaufen. In geringem Umfange bringen sie auch Steinnüsse und Kawawurzeln zum Verkauf an, die von den auf der Insel ansässigen Händlern ausgeführt werden. Die Insel wird etwa dreimonatlich von dem Dampfer "Sumatra" des Norddeutschen Lloyd berührt und hat dadurch Verbindung mit Rabaul auf Neupommern im Bismarckarchipel, der Zentrale des Schutzgebiets. Eine Postanstalt befindet sich in Kieta. Krauß.

3. Entdeckungsgeschichte. Die Insel wurde 1768 von Bougainville (s.d.) entdeckt, 1788 von J. Shortland wieder passiert. Die Küstenaufnahmen wurden von englischen und später deutschen Kriegsschiffen gemacht. Das Innere ist noch sehr wenig bekannt. Eine erste Durchquerung wurde 1908 von Hahl, Döllinger, Sapper und Dorsey ausgeführt. (Bericht in Mitt. a. d. d. Schutzgeb. 1910, S. 206-210.) Später hat R. Thurnwald im südlichen B. Aufnahmen gemacht, auch den Vulkan Bagana (1909) erstiegen. (Karte 1 : 400 000 in Thurnwalds Forschungen auf den Salomoninseln und dem Bismarckarchipel. Berlin 1912, Bd. I.) Weitere Literatur s. Salomoninseln.

Sapper.