|
Bougainville. 1. Lage und Bodengestaltung. 2. Europäische Unternehmungen und
Verwaltung. 3. Entdeckungsgeschichte.
1. Lage und Bodengestaltung. B., eine Insel der Salomoninseln (s.d.),
Deutsch-Neuguinea, ist seit
1886 in deutschem
Besitz. Sie erstreckt sich zwischen 5° 26'-6° 52' s. Br. und 154° 39'-
155° 59' ö. L. und ist durch die Bukastraße
von Buka, durch die Bougainvillestraße von den Shortlandinseln geschieden. B. ist von
einem
mächtigen, waldbedeckten Gebirge eingenommen, dessen südlicher Teil den
Namen Kronprinzengebirge
führt,
während der nördliche Kaisergebirge
genannt wird. Beide erreichen bedeutende Höhe, ersteres von nahezu,
letzteres
von über 3000 m. Sie bestehen in der Hauptsache aus jungeruptiven
Gesteinen
(Andesiten, in geringerem Maße auch Rhyolithen, Daciten und Basalten),
zum kleineren Teile auch aus Tuffen dieser Gesteine und Tiefseetonen.
Diese Gebirge enthalten auch tätige Vulkane, und zwar das Kaisergebirge
den etwa 3100 m hohen Balbiberg, das Kronprinzengebirge den 2000 m
hohen,
von einer Anzahl Nebenkegel begleiteten Bagana
(oder Bángana), vielleicht auch noch andere Vulkane weiter südlich. Das
Gebirge füllt den größten Teil von B. aus, doch findet sich eine
ansehnliche,
wohl hauptsächlich aus Schwemmland aufgebaute, stellenweise sumpfige
Küstenebene
im Südwesten der Insel, kleinere Alluvialebenen auch an anderen Stellen
der vielfach mit Mangrove umsäumten Küsten. Im Norden nimmt gehobener
Korallenkalk eine ansehnliche Fläche ein, und auch sonst tritt derselbe
stellenweise auf; namentlich aber begleiten vielfach rezente Riffe
die Küsten der Insel; neben Koralleninseln finden sich aber auch hohe,
jungeruptive Inseln nicht selten in der Nähe der nordöstlichen Küste und
bilden zuweilen mit ihr gute Häfen, so den von Kieta (s. Tafel 19), an
dem die Regierungsstation gleichen Namens liegt, und den Ernst-Günther-Hafen im Norden der
Insel; weitere Häfen sind Numa-Numa an der nordöstlichen Küste,
Tonolaihafen
im Süden, und Gazellehafen in der
Kaiserin-Augusta-Bucht im Südwesten. Der Boden ist zumeist tiefgründig
und offenbar fruchtbar. Infolge des starken Regenfalls und der
Undurchlässigkeit
der vorherrschenden Eruptivgesteine ist die Insel in ihrer
Hauptausdehnung
reichlich bewässert. Es gibt zahlreiche, ziemlich wasserreiche Flüsse;
für den Verkehr bieten sie aber keine brauchbaren Straßen
von irgend nennenswerter Ausdehnung, da das Gefäll zumeist zu stark und
die Lauflänge bei dem völligen Fehlen von Längstälern zu gering ist. In
den Küstenebenen stagniert das Wasser vielfach in Sümpfen und temporären
oder auch wohl ausdauernden Seen. Über Pflanzenwelt, Tierwelt, Klima, Bevölkerung s. Salomoninseln. Sapper.
2. Europäische Unternehmungen und Verwaltung. B. bildet zusammen mit der Insel
Buka (s.d.) und einigen kleinen nördlich
davon gelegenen Inseln den Verwaltungsbezirk der Salomoninseln (s. Deutsch-Neuguinea).
Die lokale Verwaltungstätigkeit für B. wird von der Regierungsstation
Kieta ausgeübt, die an einer geschützten Bucht im Nordosten der Insel
liegt. Dem Stationsleiter ist auch die Eingeborenengerichtsbarkeit
übertragen.
Hinsichtlich der Fremdengerichtsbarkeit gehört B. zum Bezirksgericht und
Obergericht Rabaul. Die standesamtlichen Geschäfte für B. werden von dem
Stationsleiter in Kieta wahrgenommen. Eine Regierungsschule besteht auf
B. noch nicht, dagegen hat die Katholische
Mission der Maristen (s.d.), die
auf der Insel fünf Stationen
unterhält,
mehrere Eingeborenenschulen eingerichtet. Die
Hauptstation der Mission auf B. ist in
Kieta. - Die weiße Bevölkerung auf B. setzt sich
zusammen
aus den Beamten, Missionaren sowie einigen Pflanzern und Händlern.
Hinsichtlich
der Eingeborenenbevölkerung liegen
erschöpfende Feststellungen noch nicht vor. Die von dem Stationsleiter vorgenommene Zählung umfaßt
die Landschaften von Kieta, Arawa, Toboroi, Reboine-Tawa-Tawa sowie
jeweils
deren Hinterland, ferner Koromira und
Koyana. Hier wohnen nach der letzten Zählung 5410 Eingeborene, darunter 2283 erwachsene Männer
und 1760 erwachsene Frauen. Die Zählung im Hinterlande von Nord- und
Nordost-B.
ist noch nicht vollständig abgeschlossen. Für den Süden und den
Südwesten
von B. fehlen die Ziffern. Der Handel
beschränkt
sich in der Hauptsache auf Kopra, die von
den Eingeborenen teils gegen Waren, zum Teil aber auch gegen bares Geld erworben wird. Die Zahl der europäischen
Unternehmungen
ist noch gering; außer einigen Händlerstationen befinden sich auf der
Insel die Pflanzungen der Bismarckarchipel-Gesellschaft
(s.d.), ferner der Buka Plantations
and Trading Company m.b.H. (s.d.)
sowie auch eine Zweigniederlassung der Firma Hernsheim & Co. (s.d.).
Industrie
oder Gewerbe findet sich auf der Insel noch nicht vor. Die Produktion der Eingeborenen
beschränkt sich, von
der Kopra abgesehen, auf Früchte wie Taro,
Yams usw., die sie zum eigenen Bedarf Pflanzen, zum Teil aber auch an die auf der Insel
ansässigen Europäer verkaufen. In geringem Umfange bringen sie auch Steinnüsse und Kawawurzeln zum Verkauf an, die
von den auf der Insel ansässigen Händlern ausgeführt werden. Die Insel
wird etwa dreimonatlich von dem Dampfer "Sumatra" des Norddeutschen Lloyd berührt und hat dadurch Verbindung mit Rabaul auf Neupommern im Bismarckarchipel, der Zentrale des
Schutzgebiets. Eine Postanstalt befindet sich in Kieta. Krauß.
3. Entdeckungsgeschichte. Die Insel wurde 1768 von Bougainville
(s.d.) entdeckt, 1788 von J. Shortland
wieder passiert. Die Küstenaufnahmen wurden von englischen und später
deutschen Kriegsschiffen gemacht. Das Innere ist noch sehr wenig
bekannt.
Eine erste Durchquerung wurde 1908 von Hahl,
Döllinger, Sapper und Dorsey ausgeführt. (Bericht in Mitt. a.
d. d. Schutzgeb. 1910, S. 206-210.) Später hat R. Thurnwald im südlichen
B. Aufnahmen gemacht, auch den Vulkan
Bagana
(1909) erstiegen. (Karte 1 : 400 000 in Thurnwalds Forschungen auf den
Salomoninseln und dem Bismarckarchipel.
Berlin 1912, Bd. I.) Weitere Literatur s. Salomoninseln.
Sapper.
|