Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 239

Brautraub, Form der Eheschließung bei Naturvölkern. Die gewaltsame Entführung des zur Ehe begehrten Mädchens geschieht in Samoa und anderwärts mit seiner Einwilligung, um die Zustimmung der Eltern zu erzwingen. In verschiedenen Gebieten werden Raub und Kampf zum Schein ausgeführt; die Braut ruft um Hilfe, weint und wehrt sich, der Bräutigam mit seinen Genossen überfällt ihr Elternhaus und "raubt" sie. Dabei erscheint der B. geradezu als Hochzeitsbrauch, da ihm Einwilligung und Verlobung vorangingen. Zur Erklärung des Brauches hat man ihn als stark gemildertes Überlebsel des Frauenraubs aufgefaßt; eine andere Ansicht geht von dem Verhalten der Braut aus, die ihr Elternhaus aus Anhänglichkeit angeblich nicht freiwillig verlassen will und daher geraubt werden muß.

Thilenius.