Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 239

Brechmittel (Emetica), Mittel, durch welche Erbrechen bewirkt werden kann und welche meist dazu angewandt werden, um gesundheits- oder lebensgefährliche Stoffe (unverdauliche Substanzen oder Gifte), welche in den Magen gelangt sind, aus diesem möglichst schnell wieder zu entfernen. Die B. sind teils pflanzlichen, teils mineralischen Ursprungs. Die gebräuchlichsten Pflanzenmittel sind die cephaelin- bzw. emetinhaltige Ipecaeuanhawurzel, die Meerzwiebel und das Apomorphin, ein Derivat des Morphins, wirksame Mineralstoffe der Brechweinstein (Kahumantimonyltartarat, auch Tartarus stibiatus genannt), Kupfer- und Zinkvitriol. Brechenerregende Dosen für einige dieser Mittel sind (auf die erwachsene Person bezogen): für Ipecaeuanapulver 0,5-1,0-2,0 g 2 bis 3 mal innerlich innerhalb einer halben bis ganzen Stunde, für Apomorphinehlorhydrat 0,005-0,01 g in wässriger Lösung subkutan eingespritzt, für Brechweinstein 0,03- 0,075 innerlich, Kupfersulfat 0,05-0,1-0,2 g 4-5 mal innerhalb einer Stunde innerlich. Mitunter kann Erbrechen schon dadurch hervorgerufen werden, daß man den Finger in den Hals steckt oder lauwarmes, fetthaltiges Wasser trinkt. Jedenfalls sind letztere Mittel sehr geeignet, den Brechreiz zu steigern und die Wirksamkeit der spezifischen B. zu unterstützen.

Giemsa