Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 242 f.

Brotfruchtbaum. Die Gattung Artocarpus, zu der die wichtigsten, genutzten Brotfruchtbäume gehören, ist mit 40 Arten in Ostindien und im Malaiischen Archipel zuhause. Von dort aus hat sich die Kultur der Brotfruchtbäume bis Polynesien, bis an die ostafrikanische Küste und nach Südamerika ausgedehnt. Die beiden wichtigsten Arten sind der echte Brotfruchtbaum, Artocarpus incisa, und der Jackbaum, A. integrifolia. Der erstere hat einen etwas sparrigen Wuchs und große, gelappte, bis zu 1/2 m lange Blätter. Die bis zu 5 kg schweren Fruchtstände entstehen in den Blattwinkeln, sind oval und bestehen aus vielen kleinen, fest miteinander verwachsenen Einzelfrüchten (s. Tafel 20). Die Oberfläche der Gesamtfrucht ist verhältnismäßig glatt, zeigt aber deutlich die Umrisse der einzelnen Teilfrüchte. In der Regel entwickeln die Früchte keine Samen, so daß der Fruchtstand eine gleichmäßige, schwach saftige Masse darstellt. - Der Jackbaum hat dagegen einen kräftigeren Wuchs, ganzrandige Blätter, und seine wesentlich größeren Fruchtstände sind bis zu 30 kg schwer. Sie entstehen am Stamme der Bäume und entwickeln ebenfalls meist keine Kerne. Die Frucht des Jackbaumes hat einen widerlich süßen Geruch und Geschmack und sagt in dieser Form nur den Eingeborenen zu. In Salzwasser eingelegt und wieder ausgelaugt, wird die Frucht auch für Europäer genießbar. Die Samen werden wie Kastanien zubereitet genossen. Die unreife Brotfrucht wird von Europäern gekocht wie Gemüse gegessen. In der Südsee läßt man die Früchte, um sich ihren Genuß auch für die brotfruchtarmen Jahreszeiten zu sichern, etwas faulen, schabt die Oberfläche ab und bringt die Fruchtmasse in Erdgruben, wo sich dieselbe allmählich in eine säuerliche, quarkartige Masse umsetzt. Diesen Sauerteig genießen die Eingeborenen, nachdem er ausgewaschen ist, wodurch er seinen säuerlichen Geschmack etwas verliert, wie Brot. Auf den Marshallinseln versteht man auch eine trockene Brotfruchtkonserve herzurichten, indem man die Früchte kocht, schält, zu Brei zerdrückt, diesen in der Sonne trocknet, aufrollt und die Rollen in Pandanusblätter gewickelt umschnürt. Sämtliche Artocarpusarten enthalten kautschukhaltigen Milchsaft, der allerdings nur vereinzelt genutzt wird.

Voigt.