Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 245

Brunnen, künstlich geschaffene Wasserschöpfstellen, werden in den Kolonien ebenso hergestellt wie in der Heimat. In losen Erdschichten bei mäßigen Tiefen bedient man sich meist der leicht aus Mauerwerk oder Betonringen herzustellende Kessel- oder Schachtbrunnen von 1-2 m Durchmesser. Eingeborene benutzen zum Bau von Kesselbrunnen oft Fässer, die, nachdem die Böden entfernt, sind, übereinanderstehend in den Boden eingegraben werden. Bei größeren Tiefen werden die einen verhältnismäßig kleinen Durchmesser besitzenden, aus eisernen Röhren gebildeten Röhrenbrunnen verwendet. In weichem Gestein können Brunnenkessel mit der Hacke ausgearbeitet oder ausgesprengt werden. In hartem Gestein müssen Bohrlöcher niedergetrieben werden, wozu je nach Art des Gesteins mehr oder weniger schwere Bohrgeräte erforderlich sind. Als Venetianische B. bezeichnet man eine Zisterneneinrichtung, bei der das Wasser durch einen Sandkörper geleitet wird, in dessen Mitte es sich in einem Brunnenschacht sammelt, im weiteren Sinne die in Südwestafrika verwendeten Einrichtungen, Niederschlagswasser in sandigem Untergrund, der etwa ein Drittel seines Volumens an Wasser aufnehmen kann, festzuhalten und aufzuspeichern, damit darin angelegte Brunnen in der Trockenheit genügend Zulauf haben. S. Wassererschließung.

Fischer.