Buitenzorg (spr. Beutensorg), das javanische Potsdam, ein vorzugsweise von Beamten bewohntes Städtchen unweit Batavia, Sitz des Gouvernements und berühmt vor allem durch seinen jedem Weltreisenden bekannten botanischen Garten. Weniger bekannt in ihrer Bedeutung sind die diesem Garten angegliederten botanischen und landwirtschaftlichen Institute. Von dem Gedanken ausgehend, daß die tropische Landwirtschaft nur in den Tropen selbst wirksam gefördert werden könnte, wurden sie von dem genialen, 1911 verstorbenen Prof. Dr. Melchior Treub mit der Absicht begründet und ausgebaut, dem Pflanzungswesen, zunächst Javas und Sumatras, das nötige wissenschaftliche Rüstzeug zu bieten. Bald vorbildlich geworden, waren sie seitdem das Ziel zahlreicher Gelehrter und Landwirte aller Nationen. Deutschland schuf ein B.-Stipendium, das jungen Botanikern durch Überweisung einer Summe von 6000 m die Möglichkeit gibt, die Gewächse der Tropenwelt nach allen Richtungen hin zu studieren. Ihre Forschungen haben dazu beigetragen, namentlich die Physiologie der Pflanzen, die sich bis dahin ganz auf mitteleuropäische Verhältnisse stützte, grundlegend umzugestalten. Während der Botanische Garten in B., s`Lands Plantentuin genannt, mehr der reinen Wissenschaft dient, daneben den niederländisch-indischen Beamten, Forstleuten und Pflanzern die Gelegenheit bietet, sich über die wichtigsten Florenvertreter Javas und Sumatras zu orientieren, dient der ihm benachbarte Kulturtuin im Vorort Tjikömmöh ganz der Praxis. Plantagenmäßig oder nach Farmerart angebaut, sehen wir in ihm die verschiedensten Kakao-, Kaffee- und Teesorten, alle Arten von Kautschukbäumen, Vanillepflanzungen, kurz alle ökonomischen Gewächse, die in Java für den Europäer wie für den Eingeborenen von Bedeutung sind. Sie werden hier im Sinne des Landwirts studiert und sind Gegenstand von Versuchen, die ja alle mehr oder weniger die Steigerung des Ernteertrages nach Qualität und Quantität zum Ziele haben. Sie sind zugleich Lieferanten von Saat, die kostenlos und mit der Absicht abgegeben wird, die als hochwertig befundenen Varietäten und Sorten möglichst im Lande zu verbreiten. Eine Ackerbauschule in diesem Kulturtuin bildet Mischlinge zu Vorarbeitern, Aufsehern, Pflanzungsassistenten usw. aus. - Publikationsorgane der verschiedenen Institute in B. sind die Annales d. Jard. bot. de B., das Bull. de l'Inst. bot. de B., die Mededeelingen uit s`Lands Plantentuin und die Teysmannia.

Literatur: A. Zimmermann, Der bot. Garten zu B. auf Java, Himmel u. Erde IX. 6. - G. Volkens, Der bot. Garten in B. u. seine Bedeutung f. d. Plantagenbau auf Java u. Sumatra, Verhandl. d. deutsch. Kolonialkongr. Berl. 1902. - G. Haberlandt, Eine botanische Tropenreise, 2. Aufl. Jena 1911. Volkens.

DEUTSCHES KOLONIAL- LEXIKON (1920), Bd. I, S. 250-251.