Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 252

Bukoba (s. Tafel 21), Ort und Residentur in Deutsch-Ostafrika an der Westküste des Victoriasees.

1. Der Ort B. war früher Militärstation, jetzt Sitz der gleichnamigen Residentur, Haltestelle der den See befahrenden Dampfer, mit kleinem Bootshafen. Die Dampfer liegen auf der durch ein paar kleine, östlich vorgelagerte Inseln nur schlecht geschützten Reede. Das ist deshalb bedauerlich, weil B. die Pforte für das dicht bevölkerte, freilich vorläufig noch für den Handel verschlossene Zwischenseengebiet (s.d.) ist. Das Fort des Residenten liegt hübsch auf kleiner Anhöhe, weitläufig zerstreut sind die Niederlassungen einiger europäischen und indischen Firmen sowie die von Bananen umgebenen Hütten der Eingeborenen. Südlich und nördlich von B. tritt der Quarzitsteilrand einer Bruchstufe dicht an den See. Die Regenmenge beträgt 2009 mm im 12 jähr. Mittel. B. ist Standort der 7. Kompagnie der Schutztruppe, hat Post, Funkentelegraphenverbindung mit Muansa. Der Handel, der sich seit Eröffnung der Ugandabahn (s.d.) im Jahre 1903 entwickelt hat, ist recht bedeutend; B. hat 1912 hierin erstmals Muansa (s.d.) übertroffen, dem durch die Zentralbahn ein Teil des Hinterlandes abgezogen worden ist. Die Werte betrugen in Mill. M 1912: Einfuhr 2,596, Ausfuhr 2,828, insgesamt 5,424 Mill. M. U. a. wurden eingeführt Textilwaren und Bekleidungsgegenstände im Werte von 1,849, Metallwaren im Werte von 0,287, ausgeführt Kaffee (s. Uheia), der meist in Eingeborenenkulturen gewonnen wurde (1912: 382330 Bäume im Bezirk B.), 672 1/2 t im Werte von 0,749, tierische Rohstoffe (meist Häute, auch Wachs) im Werte von 1,882 Mill. M. 1912 war der Gesamthandel auf 5,42 Mill. M gestiegen, wovon auf die Einfuhr 2,59 Mill., auf die Ausfuhr 2,82 Mill. entfielen. In B. sind etwa 30 Handelsfirmen vertreten, darunter 8 europäische, 15 indische.

2. Die Residentur B. umfaßt mit ihrer Fläche von rund 32 200 qkm die großen Landschaften Karagwe (s.d.), Ussuwi (s.d.), die Nordwesthälfte von Usindscha (s.d.) sowie eine Reihe kleinerer, von Häuptlingen (Sultanen), meist vom Stamme der Wahuma (s.d.), unter Aufsicht des Residenten regierter Landschaften, die unter dem Namen Kisiba oder Uheia (s.d.) zusammengefaßt werden (s. auch Buddu). Am Kagera liegt der Posten Kifumbiro (s. Kisiba), in Ussuwi (s.d.) ein zweiter. Die Zahl der Eingeborenen (s. die Landschaften) im Bezirk wird Anfang 1913 auf 270500 geschätzt, die der nichteinheimischen Farbigen betrug 229, die der Europäer 109. Die Volksdichte ist also 8-9. In B. gab es 1913: 6 Missionsstationen (s. Weiße Väter), etwa 50 Handelsfirmen, 7 Farmer, die sich fast nur mit Kaffeebau (1912: 179 ha unter Kultur) beschäftigen. 1908 waren 38 qkm Landes an Europäer verpachtet oder verkauft; 1909/12 wurden vom Gouvernement 4 qkm verkauft, 13 verpachtet. Die Europäer besaßen 1913: 4151 Rinder, die Eingeborenen 66590 Rinder, 55700 Stück Kleinvieh.

Karte: B. Whitehouse, Bukoba Road 1:12.500, in Plans of the lake Victoria Nyanza, Admiralty Chart No 3693, London.

Uhlig.