Deutsches Kolonial-Lexikon(1920), Band I, S. 265 f.

Caprivizipfel (s. Tafel 23). Der sog. C., der äußerste Nordosten von Deutsch-Südwestafrika, umfaßt den schmalen Landstreifen, der sich von den Ebenen des Okawangolandes bis zum Sambesi hinzieht. Bezeichnend für dies Gebiet ist zunächst die außergewöhnliche Flachheit des Landes. Während wir es mit einer Längenerstreckung von fast 450 km zu tun haben, senkt sich die Seehöhe von weit weniger als 1100 m auf nur 920 m. Von Libebe bis zur Linjantimündung in den Sambesi beträgt der Höhenunterschied kaum 40 cm auf 1 km. Noch weit geringer als der Gesamtabfall des ganzen Gebietes ist das Gefälle der Flüsse, die infolgedessen alle Eigentümlichkeiten von echten Flachlandströmen aufweisen, namentlich die Neigung zu Überschwemmungen des Seitengeländes sowie zu Sumpfbildungen. Außerhalb des eigentlichen C. entwickeln sich sogar die charakteristischen Bilder tropischer Bifurkationslandschaften. - Obwohl man in diesem Gebiet eine Anzahl natürlicher Landschaften zu unterscheiden vermag, kommen nach den Höhenverhältnissen und der Bewässerung im wesentlichen nur zwei ausgedehntere in Betracht, das über 1000 m hohe Hukwefeld im Westen, das von Libebe an abwärts in südöstlicher Richtung vom Okavango durchströmt wird und das östlich auf dieses folgende, zwischen dem Tal des Maschi und dem Sambesi sich erstreckende Linjantibecken, dem man eine mittlere Höhe von rund 950 m geben kann. - Klimatisch sind alle zum C. gehörigen Landschaften als echt tropische zu betrachten. Der Höhe, der südlichen Lage und der Trockenheit entsprechend sind zwar die Wintermonate durch frische Nächte ausgezeichnet und sogar Nachtfröste nicht selten, doch dauern die tropischen Wärmezeiten viel länger als im übrigen Schutzgebiet, und sie unterscheiden sich vom Sommer des Hererolandes durch die Häufigkeit schwüler Perioden. Auch Krankheiten, wie Malaria und selbst Schwarzwasserfieber sowie Dysenterie (s.d. betr. Art.) treten hier bereits häufig und in ziemlich schweren Formen auf. - Die Pflanzenwelt des C. verweist diesen ebenfalls nach Zentralafrika. Die Steppenvegetation der nördlichen Kalahari hat hier bereits hochstämmigem Walde Platz gemacht, der aus etwa 15 m hohen Bäumen, hauptsächlich Burkea africana, besteht. Doch sind in teilweise üppiger Entwicklung auch die Holzgewächse der südlichen Steppen, vor allem die Giraffenakazie, vorhanden. Außerhalb der Trockenflächen entwickelt sich nicht allein eine auf Grundwasser angewiesene Pflanzenwelt, sondern weite Strecken im Überschwemmungslande tragen auch echte Wassergewächse. - Die Nutzpflanzen dieser Landschaft verweisen uns ebenfalls auf die Tropen. Das Kaffernkorn (Sorghum) ist am meisten verbreitet, vielfach wird auch Mais gebaut, Manihot, die Bohnen des tropischen Afrika, die Erdnuß und andere Gewächse zeigen auch die Verwandtschaft des Landstreifens mit dem zentralen Afrika. Selbst Baumwolle wird, allerdings nur in geringem Maße, innerhalb des C. von Eingeborenen kultiviert und verarbeitet. Als wichtiges Ausfuhrgebiet von Baumwolle für die Zukunft darf dieses Gebiet nach der Ansicht von Kennern jedenfalls angesehen werden. Die Tierwelt des C. ist durchaus südafrikanisch, doch kommen, der hydrographischen Eigenart des Landes entsprechend, außer dem Flußpferd einige Antilopen, wie der Wasserbock, der Rietbock u.a. vor, die dem Süden des Schutzgebietes fehlen. Auch der Elefant kommt innerhalb des C. noch jetzt vor. Die Eingeborenen gehören zu den den Bantu zuzurechnenden Sambesivölkern, zu denen sich im Okawangogebiet sowie im Hukwefeld noch eine Anzahl mehr oder weniger reinblütiger Buschmänner gesellen. Da die wichtigeren dieser Völker in besonderen Artikeln behandelt sind, kann an dieser Stelle nicht näher auf dieselben eingegangen werden.

Literatur: F. Seiner, Ergebnisse einer Bereisung des Gebiets zwischen Okawango und Sambesi, Mitt. a. d. d. Schutzgeb. 1909. - Streitwolf, Der Caprivizipfel, Berl. 1911.

Dove.