Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 268 f.

Chamorro, eigentlich die Ureinwohner der Marianen; doch ist der Name auch auf die spätere Mischbevölkerung übergegangen (s. Marianen, 5. Eingeborenenbevölkerung). Diese späteren Ch. sind heute alle katholische, meist spanisch sprechende Christen und haben in ihrem Aussehen, ihren Sitten und Gebräuchen große Ähnlichkeit mit den Tagalen der Philippinen (s. Tagalen), so daß vielfach fälschlich auch für Ch. der Ausdruck Tagale und umgekehrt gebraucht wird. Ihrer Sprache nach sind sie mit den Malaien verwandt. Ihre Zahl betrug nach der amtlichen Zählung im Jahre 1911: 1920, während sie bei Ankunft der Spanier im Jahre 1669 auf 100000 bis 150000 Seelen geschätzt wurden. Nach der Statistik von 1912 wohnen auf der Insel Saipan 1234, auf der Insel Rota 465, und auf der zu den Westkarolinen gehörigen Insel Jap 140 Chamorro. Die übrigen Ch. verteilen sich auf die sonstigen Inseln des Schutzgebietes Deutsch-Neuguinea. In der Hauptsache beschäftigen sich die Ch. mit Ackerbau und Viehzucht, einzelne von ihnen sind jedoch auch als Händler, Lageraufseher, Schreibgehilfen und dergleichen tätig. Über die Kultur der Ch. auf den Marianen s. Marianen 5.

Krauß.