Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 269

Chiffrewesen. In Angelegenheiten, die der Geheimhaltung bedürfen, findet die schriftliche oder telegraphische Korrespondenz des Reichskolonialamts mit den Gouvernements der Schutzgebiete in einer Geheimschrift statt. Zu diesem Zweck besitzen die beteiligten Stellen Chiffres oder Chiffrekästen, ein Chiffre chiffrant und ein Chiffre déchiffrant, um einerseits ihre Erlasse bzw. Berichte in die Geheimschrift zu übertragen und anderseits die ihnen in Geheimschrift zugehenden Mitteilungen zu entziffern. Das Chiffregeheimnis ist mit Sorgfalt zu hüten, um zu verhindern, daß Unbefugte es enträtseln. Die Chiffres sind unbedingt sicher zu verwahren, und es ist unzulässig, Schriftstücke oder Telegramme, welche in Geheimschrift eingegangen sind oder ausgehen, in ihrer Entzifferung irgendwohin unverändert mitzuteilen oder zu versenden, vielmehr muß es durch Umstellung der Worte, Abänderung der Konstruktion, Einschiebung erweiternder Sätze usw. selbst solchen Personen, welche in den Besitz der chiffrierten Mitteilung gelangt wären, unmöglich gemacht werden, aus der Entzifferung das Geheimnis der Chiffre zu ergründen.

v. König.