Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 271 f.

Chinesen befinden sich in nennenswerter Anzahl zurzeit nur noch in den deutschen Südsee-Schutzgebieten. In den westafrikanischen Schutzgebieten sind Ch. nie ansässig gewesen. Dagegen wurden nach Deutsch-Ostafrika in den 90er Jahren wiederholt chinesische Kontraktarbeiter in größerer Anzahl eingeführt. Man hat aber später von der Einfuhr chinesischer Kulis wieder Abstand genommen, und heute befinden sich in Deutsch-Ostafrika nur noch einige wenige Ch., die dort als Gemüsehändler tätig sind. - In den Südsee-Schutzgebieten hat man zu unterscheiden zwischen den chinesischen Kontraktarbeitern (Kulis) und sog. freien chinesischen Ansiedlern. Unter chinesischen Kontraktarbeitern versteht man solche chinesische Arbeiter, die bereits unter einem festen Vertragsverhältnis von China nach dem Schutzgebiet eingeführt werden. (Wegen des Näheren s. Kuli.) Solche Kontraktarbeiter sind zurzeit nur noch auf Samoa beschäftigt und außerdem in den Phosphatbetrieben der Pacific Phosphat-Company auf Nauru (Marshallinseln). - Die Zahl der chinesischen Kontraktarbeiter auf Samoa beträgt (1913) etwa 2500, auf Nauru sind zurzeit (Ende 1913) rund 500 Kulis beschäftigt. Als sog. freie Ansiedler leben in Samoa (1913) 13 Chinesen, die sich meist als Handwerker betätigen. - Im Schutzgebiet Deutsch-Neuguinea waren nach der letzten Zählung (Ende 1912) 1141 Chinesen, einschließlich der in Nauru befindlichen Kulis, ansässig. Abgesehen von den letzteren, sind 498 als Handwerker, wie Schneider, Schuhmacher, Wäscher u. dgl. beschäftigt, 42 als Pflanzer, 98 als Händler, 57 als Maschinisten, 10 als Seeleute und 185 in sonstigen Berufen tätig. Ferner befinden sich unter den 1141 Chinesen 62 Frauen. - Auch in Deutsch-Neuguinea (Kaiser-Wilhelmsland) waren in den 90er Jahren chinesische Kulis in größerer Anzahl von der Neuguinea-Kompagnie auf ihren Tabaksplantagen beschäftigt worden. Wie in Deutsch-Ostafrika, hat man aber auch in diesem Schutzgebiet später davon Abstand genommen, weitere Kontraktkulis einzuführen. Die Rechtsverhältnisse der sog. freien Chinesen sind in Samoa durch die GouvV. vom 1. März 1903 (Sam. GouvBl. Bd. III, Nr. 20, S. 63; KolBl. 1903, Nr. 6, S. 170) geregelt. Für die Kontraktarbeiter (Kulis) ist zurzeit die V. des Ksl. Gouverneurs von Samoa vom 6. Jan. 1912 (Sam. GouvBl. Bd. IV, Nr. 21, S. 72 ff; KolBl. 1912, Nr. 6, S. 246 ff) maßgebend. Durch GouvV. vom gleichen Tage sind in Samoa (Sam. GouvB1. Bd. IV, Nr. 21, S. 71; KolBl. Nr. VI, S. 246) sämtliche Chinesen im Sinne der §§ 4 u. 7 des SchGG. (s.d.) den Nichteingeborenen gleichgestellt. - Die Einwanderung und die Einführung von Chinesen nach dem Schutzgebiet Deutsch-Neuguinea ist durch GouvV. vom 1. Nov. 1908 (KolBl. 1909 S. 153) geregelt. Durch V. des Ksl. Gouverneurs von Deutsch-Neuguinea vom 16. Jan. 1903 (KolBl. nicht abgedruckt) ist die Körperliche Züchtigung als Disziplinarstrafe gegenüber chinesischen Arbeitern ausdrücklich als nicht anwendbar erklärt worden. Über Ch. im Schutzgebiet Kiautschou s. d.

Krauß.