Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 273

Chininprophylaxe, das systematische Einnehmen von Chinin zum Schutze gegen die Erkrankung an Malaria. Die Ch. kann die eigentliche Malariainfektion, d.h. die Parasiteneinimpfung durch den Stich der infizierten Mücke nicht verhüten; sie bezweckt aber, die ev. eingeimpften Parasiten jedesmal wieder abzutöten, ehe sie so zahlreich geworden sind, daß sie einen Anfall auslösen können. -- Für die Ch. gelten dieselben Regeln und Methoden wie für die Chininbehandlung der Malaria (s.d.). Die Hauptsache bei der Ch. ist, daß sie auch gewissenhaft ausgeführt wird. Das gilt namentlich bei der Ch. in größeren Verbänden (Schutztruppe, Marine). Bekannt ist, daß viele Leute sich auf alle mögliche Weise von dem Chinineinnehmen zu drücken versuchen. So muß der Arzt bei Truppen usw. die Chininausteilung sorgfältig überwachen bzw. selbst vornehmen. Auch kann der persönliche Einfluß des Arztes durch Belehrung viel nützen. Bei Leuten mit dauernden starken Chininbeschwerden, selbst bei Verteilung der Tagesdosis in mehrere kleine, hilft ev. Bromkali. - Welche Methode man vorziehen soll, kann nicht allgemein gesagt werden. In schwer verseuchten Gegenden sind natürlich größere Chinindosen notwendig. In manchen Kolonien werden, namentlich in neuerer Zeit, 0,3 g pro Tag, von den Italienern sogar in der Malariasaison bis 0,5 g gegeben. Die anderen bekannteren Methoden sind: jeden 4. Tag 1,0 g Chinin; oder: jeden 6. und 7. Tag 1 g Chinin, am besten auf möglichst nüchternen Magen zu nehmen (s.a. Chininnachbehandlung im Art. Malaria). Die Ch. muß sofort mit Betreten des Malarialandes beginnen, während des ganzen Aufenthaltes durchgeführt und nach Verlassen der Fiebergegend mindestens noch 2-3 Monate lang regelmäßig fortgesetzt werden. - Viele gute Resultate mit Ch. sind in der Literatur berichtet. Wenn auch die Ch. nicht immer mit absoluter Sicherheit vor Malaria schützt, so sind doch die ev. auftretenden Erkrankungen meist leicht, und die Schwarzwasserfiebergefahr (s. Schwarzwasserfieber) ist bei regelmäßigen Prophylaktikern gering.

Literatur: R. Ruge, Malariakrankheiten. Jena 1906,

G. Fischer. Mühlens.