Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 273 f.

Cholera, Ch. asiatica, Infektionskrankheit des Menschen, die nicht an die Tropen gebunden ist, sondern in allen Breiten vorkommen kann. Die wesentlichen Krankheitserscheinungen sind Durchfall und Erbrechen, die beide bald "reiswasserartige" Form annehmen und zu hochgradiger Schwäche führen, wobei unter Krämpfen der Muskulatur, starkem Wasserverlust aller Organe, Blaurotverfärbung der Haut, Harnstockung in vielen Fällen nach kurzer Zeit der Tod eintritt. Leichtere Formen werden als "Ch.-Diarrhöe" und Cholerine bezeichnet. - Der Erreger ist ein Bakterium, Vibrio cholerae, 1883 von Robert Koch (s.d.) in Ägypten entdeckt (s. Farbige Tafel: Erreger der Tropenkrankheiten II Abb. 11). Er ist in bezug auf seine Nahrung sehr anspruchslos und kann sich deshalb in verunreinigtem Wasser sehr lange halten, ja er verträgt auch längeres Einfrieren. Daher sind das Wasser und mit Abgängen Kranker verunreinigte Genußmittel (Salat, Gemüse, Obst, Milch usw.) die Hauptquellen der Ansteckung. Eigentliche Heilmittel und Immunsera besitzen wir noch nicht, doch kann durch Vorbehandlung mit spezifischen Impfstoffen (lebende oder abgetötete Choleravibrionen usw.) ein gewisser vorbeugender Schutz für einige Zeit erreicht werden.

Literatur: Mense, Handbuch der Tropenkrankheiten

Martin Mayer.