Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 274

Christen, eingeborene. Die eingeborenen Chr., d.h. die durch die Mission für den christlichen Glauben gewonnenen Glieder der einheimischen Bevölkerung, werden von der evangelischen Mission dazu angeleitet, zu der Unterhaltung des für sie begründeten Kirchenwesens beizutragen und an der weiteren Verbreitung des Christentums mitzuarbeiten. Dieses Verfahren stützt sich auf die Beobachtung, daß durch Beiträge für die Gemeinde das Verantwortlichkeitsgefühl geweckt und gestärkt wird, und auf die Erfahrung, daß das Christentum erst dann bodenständig wird, wenn es durch Volksgenossen dargeboten wird. Durch diese Maßnahmen soll die christianisierte eingeborene Bevölkerung zur Selbstverwaltung und Selbsterhaltung erzogen werden. Die Formen der Mitarbeit christlicher Eingeborener sind mannigfaltig und weisen zahlreiche Abstufungen auf, die übrigens nicht einheitlich geregelt sind. Die höchste Stufe, die des eingeborenen ordinierten Predigers, findet sich naturgemäß auf den ältesten Missionsgebieten am zahlreichsten vertreten; hier steht Samoa obenan. In welchem Umfang die evangelischen Missionen eingeborene Kräfte heranziehen, zeigt folgende Übersicht, die sich auf die Missionsberichte von 1912 stützt.
Deutsch-Ostafrika: Die Universitätenmission arbeitet mit 12 ordinierten und 148 nichtordinierten Eingeborenen; die Church Missionary Society verwendet 74 African Lay Agents; die Bielefelder Mission 73 eingeborene Gehilfen, die als Lehrer gebraucht werden; die Berliner 154, darunter 36 seminaristisch gebildete; die Brüdergemeine 167, darunter 97 als Versammlungshalter (Evangelisten); die Leipziger Mission 82 Lehrer; die Adventisten 4 Farbige Gehilfen.
- Deutsch-Südwestafrika: Die Rheinische Mission berichtet von 167, darunter 17 Evangelisten und 28 Lehrer; die Finnische Mission von 55 eingeborenen Gehilfen.
- Kamerun: Die Basler Mission hat angestellt 243 Katechisten und 26 Lehrer, insgesamt 269; die alten baptistischen Gemeinden haben 6 Eingeborene Prediger und 57 Lehrkräfte; die amerikanischen Presbyterianer haben in ihrem Dienst 4 eingeborene Prediger (ordained native preachers) und 112 Lehrer, zusammen 116 (unvollständig).
- Togo: Unter den 181 eingeborenen Arbeitskräften der Norddeutschen Mission befinden sich 4 Pastoren, die übrigen sind Katechisten, Evangelisten und Lehrer; die Wesleyaner nennen 17, darunter 1 Pfarrer (african minister).
- Deutsch-Neuguinea: In Kaiser-Wilhelmsland haben die Neuendettelsauer 27, die Rheinische Mission 2 eingeborene Gehilfen. Das Arbeitspersonal der Australischen Methodisten auf dem Bismarckarchipel umfaßt 393 Personen, darunter 4 native ministers, 198 local preachers, die übrigen sind Katechisten und Lehrer. Auf den Karolinen verzeichnet der American Board 34 Eingeborene (10 ordained preachers), die Liebenzeller Mission 36.
- Samoa: Die Gemeinden der Londoner Mission werden von 158 eingeborenen Pastoren (ordained natives) geleitet, denen 202 Prediger zur Seite stehen; in den Gemeinden der Australischen Methodisten wirken 380 Eingeborene (4 native ministers).
- Kiautschou: Die Berliner Mission hat 77 eingeborene Helfer, darunter 18 seminaristisch gebildete; der Allgemeine evangelisch-protestantische Missionsverein hat angestellt 2 europäisch gebildete Ärzte, 26 Lehrer, 3 Lehrerinnen, 3 ärztliche Gehilfen. Die Gesamtzahl der von den evangelischen Missionen zu ihrer Arbeit verwendeten Eingeborenen beträgt demnach mindestens 2925 Personen.
S.a. Mission und die einzelnen Missionsgesellschaften.

Mirbt.